Nachrichten März 2015


GRENZREGION: Euregios verstärken Zusammenarbeit

Ulft. KK/EUREGIO. 14. März 2015.

Diskussion Grenzinfopunkt
Vertreter der deutsch-niederländischen Grenzregionen diskutierten über den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt, Quelle: NiederlandeNet

Die Euregios entlang der deutsch-niederländischen Grenze haben eine stärkere Zusammenarbeit im Bereich der Bürgerberatung beschlossen. Dazu unterzeichneten sie am Freitag im Rahmen der Konferenz „Sprache – Beratung – Arbeitsmarkt“ im niederländischen Ulft eine Absichtserklärung. Noch in diesem Jahr sollen gemeinsame Grenzinfopunkte eingerichtet werden. Weitere Themen der Konferenz waren das Erlernen der Nachbarsprache, die Anerkennung von Berufsabschlüssen, Studierendenmobilität, bürokratische Hürden und fehlende statistische Daten sowie die Kommunikation in Richtung Berlin und Den Haag.

Wichtig sei vor allem, nicht nur darüber zu reden, sondern auch Taten folgen zu lassen. Das stellte der Bürgermeister der Gemeinde Oude IJsselstreek, Hans Alberse, bereits bei seiner Begrüßung klar. „Wir sind echt gut darin, darüber zu sprechen. Aber wirklich umgesetzt wird wenig.“ Es sei noch viel zu tun, daher müsse heute der Schritt vom Reden zum Handeln gemacht werden.

Mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung ist nun ein erster Schritt getan. „Ziel der neuen Struktur ist, alle Beratungseinrichtungen, die teilweise bereits in den 1990er Jahren entstanden sind, unter ein Dach zu bringen“, so Jan Schliewert von der Euregio Maas-Rhein. Denn ein Problem besteht darin, dass man oft nicht weiß, was wo bereits umgesetzt wird. Das gilt für die jeweils andere Seite der Grenze, ebenso aber auch für die Euregios untereinander. „Wir tun manchmal zu viel!“, meint daher auch Hubert Bruls, Vorsitzender der Euregio Rhein-Waal. Die Einrichtung der Grenzinfopunkte entlang der deutsch-niederländischen Grenze soll nun helfen, die Kräfte zu bündeln und zu einer strukturierten, bürgernahen Beratung führen. Auch kann so die Sichtbarkeit erhöht werden – gegenüber den Bürgern, aber auch gegenüber Berlin und Den Haag. Denn die beiden Regierungssitze sind oftmals weit weg – und der Meinung, dass die Initiative aus der Region kommen müsse, so Bert van Delden vom niederländischen Innenministerium. Hermann Wessels von der Ems Dollart Region hofft daher auch, dass es mit den Grenzinfopunkten nun möglich sei, die Hindernisse auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zu inventarisieren und damit nach Berlin zu gehen.

Eines dieser Hindernisse ist die Anerkennung von Berufsabschlüssen. Das musste auch Nicole Pintore erfahren. Seit September 2014 arbeitet die Niederländerin in einem Kindergarten in Münster. Aufgrund des Mangels an Erziehern in Deutschland hatte die EUREGIO über die Möglichkeiten auf der anderen Seite der Grenze informiert. „Was die EUREGIO sagte, klang gut. Bis man dann beginnt!“, erzählt Pintore. Denn dann fangen die Probleme oftmals erst an. Einen großen Bürokratieberg hat sie mittlerweile hinter sich, doch noch immer ist sie in Deutschland auf dem Papier keine Erzieherin – obwohl sie eigentlich alle Voraussetzungen erfüllt. Doch es gibt auch positive Erfahrungen: Eine Kooperation aus zwölf Betrieben entlang der Grenze beispielsweise bildet Lehrlinge bereits grenzüberschreitend aus. Dabei spielen fachliche Qualifikationen ebenso eine Rolle wie sprachliche und kulturelle Kompetenzen.

Ein weiteres Hindernis ist die Sprache. Dies zeigt sich nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch bei der Studierendenmobilität. 25.000 Deutschen, die in den Niederlanden studieren, stehen noch immer nur rund 2.000 Niederländer in Deutschland gegenüber. „Deutschland ist gar nicht so im Bewusstsein, wenn es um ein Studium im Ausland geht“, erklärt Henning Radke vom Duitsland Instituut Amsterdam. In Belgien dagegen studieren rund 20.000 Niederländer.

Grenzinfopunkt
Auch Verteter aus Düsseldorf und Den Haag nahmen an der Konferenz teil, Quelle: NiederlandeNet

Die Sprache ist auch für die nordrhein-westfälische Europaministerin Dr. Angelica Schwall-Düren entscheidend. Im Grenzgebiet sei der Spracherwerb schon recht stark – und das über alle Schulformen hinweg. Vor allem Schulpartnerschaften seien ein guter Einstieg. „Das Entscheidende ist, dass Kinder und Jugendliche aus beiden Ländern zusammentreffen und so einen Impuls bekommen, die andere Sprache zu lernen.“ Im Bereich des Studiums setzt sie auf den weiteren Ausbau von grenzüberschreitenden Hochschulkooperationen. Die entsprechenden Ministerien sind bereits im Gespräch miteinander (NiederlandeNet berichtete). 

Oftmals fehlt es aber auch einfach an Informationen. Dazu gehört auch, dass kaum grenzüberschreitende Statistiken und Daten zur Verfügung stehen. Das Statistikamt in Nordrhein-Westfalen IT.NRW und das niederländische Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) wollen im Herbst eine erste gemeinsame Publikation zum grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt und Pendlerbewegungen herausgeben. Das bildet allerdings nicht die gesamte Grenze ab, denn Niedersachsen ist bisher nicht beteiligt. Johan van der Valk vom CBS sieht in dem Projekt dennoch einen Anfang: „Wir wollen zeigen, was möglich ist, vielleicht kommt dann auch Niedersachsen dazu.“ Und für die Niederlande sei auch Belgien von Bedeutung.

Die Konferenz hat gezeigt, dass es noch viel zu tun gibt, um die bestehenden Hindernisse auf dem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt zu beseitigen. Auch weiterhin ist Geduld gefragt, eine Lösung für alle Hindernisse innerhalb einiger Monate dürfte nicht zu erwarten sein. Ministerin Schwall-Düren fasst zusammen: „Wir müssen einfach geduldig weitermachen. Ich steh an Ihrer Seite!“ Und unmöglich ist der Schritt über die Grenze schließlich nicht. „Man muss es tun wollen“, weiß Pintore.

Oftmals wird allerdings auch zu viel getan und ist zu viel Bürokratie im Spiel. Der Präsident der Euregio Rhein-Maas-Nord, Antoin Scholten, hat den Eindruck, dass früher alles einfacher war. „Es ist komplizierter geworden, obwohl wir doch an einem Europa arbeiten.“ Auch der niederländische Generalkonsul in Nrodrhein-westfalen, Ton Lansink ist der Meinung, dass die Unterschiede größer geworden sind – paradoxerweise eigentlich seitdem die Grenzen offen sind.

Die Konferenz in der DRU Kulturfabrik, einer ehemaligen Eisengießerei, stellte die Abschlussveranstaltung eines gemeinsamen Projektes der vier deutsch-niederländischen Grenzregionen dar. Seit 2013 arbeiten sie in dem Projekt „GROS Impuls A&O“ zusammen, um neue Impulse in der grenzüberschreitenden Arbeits- und Bildungsmobilität zu setzen. Die Ergebnisse des Projekts wurden nun mit rund 220 Teilnehmern aus Politik und Verwaltung diskutiert.