Nachrichten März 2015


UMWELT: Wolf sorgt für Aufregung in den Niederlanden

Assen/Groningen. AF/AD/Provincie Drenthe/RTV Drenthe/VK/WiN. 9. März 2015.

Noord-Sleen, Erm, Nieuw-Amsterdam – diese kleinen Dörfer im Osten der Niederlande sind seit dem vergangenen Wochenende im ganzen Land bekannt. Denn hier wurde der erste wilde Wolf in den Niederlanden seit mehr als hundert Jahren gesehen. Der Wolf, der wohl aus Deutschland stammt, sorgt in den Niederlanden für einige Aufregung. Angeblich hat er bereits ein Schaf gerissen und sich einer anderen Schafsherde genähert. Am Montagmorgen will ihn eine Frau in einem Wohngebiet im Ort Hoogezand gesehen haben.

„Der Wolf steht unter Naturschutz und ist in Drenthe willkommen“, erklärte die Provinzregierung Drenthe am Samstag in einer Pressemitteilung nachdem die ersten Wolfsichtigungen mit Fotobeweis aus der Region eingegangen waren. „Die Provinz Drenthe verfolgt so gut es geht, wo sich das Tier befindet, da dies der erste Wolf seit zwei Jahrhunderten ist, die in den Niederlanden herumläuft.“

„Zwei Jahrhunderte“ als Zeitangabe seit der letzten Wolfsichtung sind etwas übertrieben. Wolven in Nederland, eine Organisation, welche die Niederlande auf die Ankunft wilder Wölfe vorbereiten will, geht davon aus, dass der letzte Wolf 1897 bei Heeze in Noord-Brabant gesehen wurde. Also vor etwas mehr als hundert Jahren. Doch diese Übertreibung um ein ganzes Jahrhundert zusammen mit dem zuvor formulierten Willen, den Wolf in der Region willkommen zu heißen, passt zu der Stimmung, die im Land herrscht, seit der Wolf die Niederlande betreten hat: Einerseits sind die Niederländer begeistert, andererseits fürchten sie sich vor dem Tier. Denn es zeigt keine Scheu vor Menschen.

So musste Robert Vlieghuis am Samstag den Wolf verscheuchen, als dieser seine Schafsherde jagte. „Ich habe noch nie so ein großes und gefährliches Tier gesehen“, wird er auf der Website des Algemeen Dagblad zitiert. „Ich sah deutlich die großen gelben Augen.“ Das Tier habe keine Angst gezeigt. „Er lief um mich herum, immer mit dem Ziel, wieder an die Schafe zu kommen.“ Als immer mehr Menschen zur Weide kamen, gab der Wolf schließlich nach und verschwand.

In Nieuw-Amsterdam soll der Wolf bereits ein Schaf von Bauer Bert Jagt gerissen haben. Noch ist nicht geklärt, ob nicht doch ein Hund gewildert hat, doch für Jagt scheint die Sache klar: „Der Wolf ist ein bisschen verrückt, nicht ganz richtig im Kopf“, erklärte er gegenüber der Tageszeitung de Volkskrant. „Verrückt“ will Johan Wesselink vom staatlichen Faunafonds das Tier nicht nennen. Doch sein un-scheues Verhalten sei atypisch.

Der unbesorgte Umgang des Tiers mit den Menschen sorgt bereits für Spekulationen, ob der Wolf eventuell gar nicht wild ist. Frans Frijmuth, Besitzer eines Wildparks, in welchem auch vier Wölfe leben, findet es bemerkenswert, dass der Wolf seit dem Wochenende so häufig gesehen wurde. In Osteuropa, wo viel mehr wilde Wölfe lebten, sehe man höchst selten ein Tier, erklärte er der Rundfunkanstalt RTV Drenthe. Er könne sich vorstellen, dass das Tier von Menschen aufgezogen wurde und jetzt entlaufen ist.

Die Reaktionen auf einen Tweet mit Foto, das den Wolf am Montag bei Hoogezand zeigt, verdeutlichen, dass ein frei umherlaufender Wolf – ob wild oder nicht – in den Niederlanden etwas Besonderes ist. Andere Twitter-Nutzer raten, das Fenster des Kinderzimmers zu schließen, oder warnen, dass ein Wolf, der vor Menschen keine Angst hat, gefährlich sei. Gleichzeitig wurde das Foto 150 Mal re-tweeted, von diversen Nachrichtenseiten zur Illustration genutzt und 26 Mal als Favorit markiert.

„Wenn der Wolf gewusst hätte, was für ein Affentheater sein Erscheinen auslöste, dann hätte er wahrscheinlich nie die Landesgrenze überquert“, so Journalist Tom Kreling in der Tageszeitung de Volkskrant scherzhaft, „Dann wäre er schön in Deutschland geblieben, wo es auf einen Wolf mehr oder weniger nicht ankommt.“