Nachrichten Juni 2015


TOURISMUS: Amsterdam ächzt unter Touristenmassen

Amsterdam. AF/amsterdam.nl/NOS/Parool/VK. 03. Juni 2015.

Amsterdam ist attraktiv. Jedes Jahr besuchen mehrere Millionen Touristen aus aller Welt die Stadt und auch die Einwohnerzahl steigt seit Mitte der 1980er kontinuierlich an. Um das Gedränge auf den Straßen künftig besser zu beherrschen, hat die Amsterdamer Stadtverwaltung am Montag einen umfassenden Maßnahmenkatalog vorgelegt.

Damit die Stadt lebenswert bleibt, sollen nach den Plänen der Stadtverwaltung unter anderem mehr autofreie Zonen und Park & Ride-Möglichkeiten eingerichtet, die Touristen besser auf das Stadtgebiet verteilt werden und laute Nachtschwärmer strenger kontrolliert werden. Strengere Kontrollen haben auch diejenigen zu erwarten, die ihre Wohnung an Touristen untervermieten.

Die Beigeordnete der Gemeinde Amsterdam, Kajsa Ollongren, präsentierte den Maßnahmenkatalog am Montag. Gegenüber der Amsterdamer Tageszeitung Het Parool erklärte sie, es sei wichtig, die Maßnahmen schnell umzusetzen. „Die Gemeinde will nicht warten, bis sich alle in allen Punkten einig oder alle Analysen abgeschlossen sind, sondern einfach mal ausprobieren und dann – auf der Grundlage der gemachten Erfahrungen – den Dialog suchen.“

Ollongren rennt hiermit bei vielen Amsterdamern offene Türen ein. 68 Prozent der Bürger findet, dass weniger Touristen nach Amsterdam kommen sollten, lautet das Ergebnis einer Umfrage von Het Parool. „Das echte Amsterdam verschwindet. Die ganze Stadt richtet sich immer mehr nach Touristen und deren Bedürfnissen aus“, so Els Iping von der Inititative Freunde der Amsterdamer Innenstadt gegenüber der Rundfunkanstalt NOS. „Diese Woche sind allein in meiner Straße drei Geschäfte zu Eisdielen und Waffelbäckereien geworden. Das darf einfach nicht sein.“

Tatsächlich besuchen jedes Jahr Millionen von Menschen die niederländische Hauptstadt. Im Jahr 2013 nahmen die Hotels in Amsterdam und Umgebung rund 8,5 Millionen Übernachtungsgäste auf, so die Statistik der Gemeinde. Es dürften aber vermutlich insgesamt weit mehr Besucher gewesen sein, da Tagestouristen nicht mitgezählt wurden. Pensionen oder „Wohnungen mit Hoteldienstleistung“, die weniger als 2 Zimmer unterhalten, fließen ebenfalls nicht in die Statistik ein. Touristen, die über Internet-Sharing-Dienste wie Airbnb oder Wimdu eine Unterkunft gefunden haben, werden also häufig nicht erfasst. Laut Het Parool wurden 2014 in Amsterdam mehr als 10.000 Privatwohnungen auf der Plattform Airbnb zur Kurzmiete angeboten.

Vor diesem Hintergrund scheint die Schätzung von 17,6 Millionen Amsterdam-Touristen im Jahr 2014 nicht übertrieben. Diese Zahl findet sich im Maßnahmenkatalog der Gemeinde. Die Einwohnerzahl Amsterdams wird dort mit 811.000 Personen beziffert. Auf einen Einwohner kämen demnach etwa 22 Touristen. „Wir teilen miteinander die Stadt, wir teilen miteinander den öffentlichen Raum und deshalb müssen wir schauen, wie wir das auf schlaue Art und Weise machen können. Wir werden ein wenig experimentieren, um zu sehen, was funktioniert und was nicht“, so Ollongren gegenüber der Rundfunkanstalt NOS. Die Experimentierphase beginnt in diesem Sommer. Konkrete Maßnahmen sollen ab 2016 ergriffen werden.

Der Maßnahmenkatalog der Stadt Amsterdam: Stad in Balans (nl, PDF)

Mehr Informationen erhalten Sie auch in unserem Dossier: Tourismus Deutschland-Niederlande