Nachrichten Januar 2015


WIRTSCHAFT: Niederländer bauen Elektrotankstellen-Netz in Berlin aus

Berlin. AF/alliander.com/allego.eu/berlin.de/eMO/MP/RBB/thenewmotion.com. 14. Januar 2015.

Berlin hat große Pläne: Bis zum Jahr 2020 soll die Hauptstadtregion ein international anerkanntes Vorbild der Elektromobilität sein. Als einen ersten Schritt auf dem Weg dorthin will das Land sein Netz an Elektrozapfsäulen für Autos ausbauen. 28 Unternehmen aus der ganzen Welt hatten sich um den Auftrag beworben. Die Ausschreibung gewonnen hat das niederländische Unternehmen Alliander, wie der Berliner Senat Ende letzter Woche bekanntgab.

6,5 Millionen Euro will Berlin in den Netzausbau investieren. 400 Ladepunkte gibt es zurzeit. Bis September 2016 sollen es doppelt so viele sein. Bis 2020 sollen 700 weitere Ladepunkte folgen. Das Land hofft, dadurch mehr Menschen dazu zu bringen, sich ein Elektroauto anzuschaffen. „Damit schaffen wir Planungs- und Investitionssicherheit für alle, die mit einem Elektrofahrzeug arbeiten oder sich fortbewegen. Besonders Carsharing-Unternehmen fordere ich auf, ihre Flotten jetzt schnell auf Elektroantrieb umzustellen“, erklärte Senator Andreas Geisel in der entsprechenden Pressemitteilung des Landes. Bisher gibt es 1.000 Elektroautos in Berlin.

An der Ausschreibung des Senats hatten 28 Bewerber teilgenommen, sieben davon wurden ausgewählt, ihr Konzept weiter auszuarbeiten. Die niederländische Alliander habe die Ausschreibung gewonnen, da sie das günstigste Angebot machte und gleichzeitig das beste Konzept ablieferte, wird die Berliner Verkehrsverwaltung im RBB zitiert. Das Unternehmen hatte die deutsche Tochter Alliander AG zusammen mit den niederländischen Unternehmen The New Motion und Allego ins Rennen geschickt. „Der Zuschlag an die Alliander AG ist zugleich ein entscheidender Schritt, um eine einheitliche Benutzeroberfläche für die Ladeinfrastruktur im Land Berlin zu schaffen“, so Senator Geisel, „Alle vom Land Berlin geförderten Ladeeinrichtungen werden künftig mit einer Ladekarte nutzbar.“

Wer steckt hinter Alliander, The New Motion und Allego?

Die niederländische Unternehmensgruppe Alliander ist aus dem Unternehmen Nuon hervorgegangen, welches sowohl Strom produzierte und an Haushalte lieferte als auch Stromnetze betrieb. Ein 2006 beschlossenes Gesetz über den unabhängigen Netzbetrieb (nl. Wet Onafhankelijk Netbeheer) verlangte, dass Elektroproduktion, -transfer und -lieferung nicht länger unter einem Firmendach stattfinden dürfe. Nuon splittete sich daraufhin in den Stromproduzenten Nuon Energy und den Netzbetreiber Liander auf. Liander formt gemeinsam mit Endinet das Unternehmen Alliander NV. Die Alliander AG in Deutschland ist eine hundertprozentige Tochter von Alliander NV.

Allego, 2013 gegründet, ist ebenfalls eine Tochter von Alliander und baut und wartet Infrastruktur zum Aufladen elektrischer Verkehrsmittel.

Das Unternehmen The New Motion, gegründet 2009, produziert Ladestationen für elektrische Autos. Laut Selbstdarstellung auf der Website ist die Firma niederländischer Marktführer in Sachen Elektrozapfsäulen für Automobile.


Der Vertrag zwischen Berlin und Alliander sieht vor, dass die Tanksäulen nach Ablauf der Vertragszeit in Landesbesitz übergehen, falls Berlin es wünscht, so die Berliner Morgenpost. Diese berichtet auch von Kritik am Ausschreibungsverfahren: Kleinere Berliner Firmen wären nicht berücksichtigt worden. Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler versicherte der Zeitung jedoch, dass mit den Berliner Fimen Ubitricity und Ebee-smart Technologies „außerhalb dieser Ausschreibung Vereinbarungen über bis zu 100 Ladepunkte in allen Berliner Bezirken geschlossen“ worden seien.