Nachrichten Januar 2015


ARBEITSMARKT: Bewerbungspflicht jenseits der Grenze gefordert

Maastricht. KK/TR/VK. 13. Januar 2015.

Der Limburger Provinzverwalter Twan Beurskens fordert eine gesetzliche Verpflichtung, dass sich Arbeitslose im Grenzgebiet auch jenseits der Grenze bewerben müssen. Ein Pilotprojekt der Provinz Limburg mit der Gemeinde Venlo und Nordrhein-Westfalen soll den Politikern in Den Haag nun zeigen, dass dies möglich ist. Auch andere Regionen experimentieren mit einer grenzüberschreitenden Arbeitsvermittlung.

Derzeit müssen niederländische Arbeitssuchende geeignete Stellen in einer Entfernung von maximal 100 Kilometern von ihrem Wohnort akzeptieren, es sei denn, sie liegen auf der anderen Seite der Grenze. Dies will Twan Beurskens ändern. Er ist der Wirtschaftsbeauftragte der Provinz Limburg. „Wenn man in Venlo wohnt, braucht man sich nicht auf eine Stelle in Kaldenkirchen zu bewerben, was ein paar Kilometer hinter der Grenze liegt, wohl aber in Nimwegen, in 70 Kilometern Entfernung. Das ist doch seltsam“, so Beurskens.

Auch die Politiker in Den Haag beschäftigt diese Frage, eine Lösung lässt allerdings auf sich warten. Zu lang, findet Beurskens. Die Provinz Limburg beginnt daher in diesem Jahr gemeinsam mit der Gemeinde Venlo und Nordrhein-Westfalen ein Pilotprojekt um mehr Arbeitslose nach Deutschland zu vermitteln – zunächst natürlich auf freiwilliger Basis. Wenn der Anfang gemacht sei, würde auch Den Haag sehen, dass das einfach nur logisch sei, hofft Beurskens.

Limburg zählt rund 30.000 Arbeitslose. Dennoch sucht kaum jemand Arbeit in Deutschland oder Belgien. „Die Menschen überqueren die Grenze für Benzin, Kaffee und Tee. Das können sie auch für ihre Arbeit machen.“

Auch in der Region Twente plant man, in diesem Jahr 250 Niederländern eine Stelle in Deutschland zu verschaffen. Denn die Region steht wirtschaftlich derzeit nicht allzu gut dar: In den ehemaligen Textilhochburgen Enschede und Almelo ist jeder Sechste im erwerbsfähigen Alter arbeitslos. Mit dem Aktionsplan ‚Twente Werkt!‘ (dt. Twente arbeitet), der gestern Wirtschaftsminister Henk Kamp übergeben wurde, sollen bis 2020 5.000 neue Stellen geschaffen werden. Deutschland soll dabei  eine Hauptrolle spielen. „Man muss bedenken, dass direkt hinter der Grenze im Kreis Borken die Arbeitslosenquote bei drei Prozent liegt“, so Herman Hazewinkel von Twente Board, einem Zusammenschluss von Verwaltung und Unternehmern, die die Region voranbringen wollen. Aber nicht nur direkt hinter der Grenze sollen Niederländer Arbeit finden, auch Unternehmensbesuche in Baden-Württemberg und Bayern sind geplant. „Auch wenn es schwierig bliebt mit der gegenseitigen Anerkennung der Abschlüsse und auch wenn die Sprache manchmal Probleme bringt, wir müssen das einfach machen. Wir bitten das Reich um Raum für Experimente“, so Hazewinkel.

Um in der gesamten Grenzregion die Arbeitssuche jenseits der Grenze zu erleichtern, hat die Ems Dollart Region 2012 den EDR-Jobroboter eingerichtet. Die Online-Suchmaschine bietet die Möglichkeit, offene Stellen im gesamten deutsch-niederländischen Grenzgebiet zu finden.