Nachrichten Februar 2015


STUDENTENPROTESTE: Universiteit van Amsterdam besetzt

Amsterdam. KK/NOS/NRC/RTLNieuws. 27. Februar 2015.

Studierende hatten in Amsterdam rund zwei Wochen lang ein Universitätsgebäude besetzt. Nach der Räumung am Dienstag fand am Mittwochabend eine Demonstration mit rund 1.700 Studenten, Dozenten und Sympathisanten statt. Im Anschluss daran stürmten einige Studierende das Maagdenhuis, in dem die Universitätsleitung untergebracht ist und besetzten das Gebäude. Sie fordern mehr Mitsprache und Transparenz in der Hochschulpolitik.

Die Studierenden, die sich unter dem Namen De Nieuwe Universiteit organisieren, richten ihren Protest zudem gegen die Sparpläne der Universität. Vor allem die Schließung kleiner Sprachstudiengänge, aber auch  die Kündigung von Mitarbeitern und Dozenten sehen sie sehr kritisch. Nach Plänen der Universität sollen viele Sprachstudiengänge, die nur von wenigen studiert werden, ab 2016 in größeren Fachrichtungen aufgehen. Hintergrund ist, dass die Regierung in Den Haag Studiengänge nach der Anzahl der Studierenden subventioniert. Dadurch sind die Universitäten laut Kritikern zu wirtschaftlich organisiert, kleine Studiengänge, die gerade die Vielfalt ausmachen, bleiben so auf der Strecke.

Der jüngsten Besetzung waren monatelange Proteste sowie drei weitere Besetzungen vorausgegangen. Konnten die Studierenden bei der ersten noch durch Gespräche zur Räumung bewegt werden, wurde bei der zweiten nach erfolglosen Gesprächen gerichtlich eingegriffen und bei der letzten, bei der die Protestierenden seit dem 13. Februar das Bungehuis besetzt hatten, sah es für die Außenwelt so aus, als ob die Universitätsleitung direkt juristische Schritte eingeleitet hätte. Universitätspräsidentin Louise Gunning betonte gegenüber der Nachrichtensendung Nieuwsuur jedoch, dass man auch hier zunächst das Gespräch gesucht hat. „Dies ist ein Gebäude, wo sehr viele Menschen arbeiten und wo viele Lehrveranstaltungen stattfinden und wir finden es nicht in Ordnung, dass dieses Gebäude so lange nicht zugänglich war – für die Leute, die dort arbeiten müssen.“

Das Gericht urteilte am 19. Februar, dass die Besetzer das Gebäude verlassen müssten. Ansonsten würde  ein Zwangsgeld von 1.000 Euro für jeden weiteren Tag verhängt. Daraufhin räumten die Besetzer das Gebäude nicht, sondern begannen Geld zu sammeln. Auch von Seiten der Wissenschaft bekamen sie Unterstützung: 100 Wissenschaftler, darunter 82 der Universität von Amsterdam, erklärten, die Bewegung zu unterstützen. Am 22. Februar fanden auf Vermittlung des Bürgermeisters Eberhard van der Laan Gespräche mit der Hochschulleitung statt, die ebenso wie die am Folgetag ergebnislos blieben. Am 24. Februar wurde das Gebäude schließlich geräumt. 44 der rund 60 Studierende verbrachten die folgende Nacht in der Zelle, sollen aber nicht strafrechtlich verfolgt werden. Am nächsten Tag beteiligten sich dann hunderte Studenten, Dozenten und Sympathisanten an einer Demonstration, woraufhin eine Gruppe von Studierenden das Maagdenhuis stürmte und besetzte. Da sich in dem Gebäude die Universitätsleitung befindet, war der Ort bereits des Öfteren Schauplatz von Studentenprotesten.

Trotz erster Erfolge – so erklärte sich die Universitätsleitung am Mittwoch einverstanden, einen studentischen Vertreter in die Leitung aufzunehmen und auch die kleinen Sprachen sollten nicht wie geplant bereits 2016 sondern erst 2018 auslaufen – wollen die Studenten die Besetzung noch nicht beenden. Ein Teil von ihnen fordert mittlerweile den Rücktritt der Universitätsleitung. Diese erhob am Donnerstag Anzeige, womit den Besetzern erneut die Räumung droht. Bisher hat die Polizei allerdings noch nicht eingegriffen. Die Studenten erwarten, dass sie sich zurückhält, weil sie einen friedlichen Protest führen. Im Vergleich zur Besetzung des Bungehuis sprechen die Aktivisten auch eher von einem Sit-in. Die Tür würde für jeden offen stehen und in dem Gebäude könne normal gearbeitet und studiert werden.