Nachrichten Februar 2015


STUDIE: Niederlande haben das beste Gesundheitssystem Europas

Brüssel. /HCP/telegraph.co.uk/dT/zorgvisie.nl. 05. Februar 2015.

Die Niederlande belegen bei der Beliebtheit ihres Gesundheitssystem erneut eine Spritzenposition innerhalb Europas. Zu diesem Ergebnis kommt der Euro Health Consumer Index (EHCI), der jährlich von der schwedischen Denkfabrik Health Consumer Powerhouse (HCP) veröffentlicht wird und sich die Gesundheitsversorgung aus Patientensicht anschaut. Im Vergleich mit 36 anderen Ländern Europas erreichen die Niederlande mit 898 von 1.000 möglichen Punkten einen neuen Rekord in der Patientenzufriedenheit und verweisen die Schweiz (855) und Norwegen (851) mit weitem Abstand auf die Plätze.

Neun Jahre liegt die große Reform des niederländischen Gesundheitssystems (NiederlandeNet berichtete) mittlerweile zurück und seitdem hat es das Land jedes Jahr geschafft, sich im EHCI-Ranking zu verbessern. Heute wird unserem westlichen Nachbarn in der Studie bescheinigt, dass sein Gesundheitssystem offensichtlich keine wirkliche Schwachstelle aufweist – mit Ausnahme von teilweise hohen Wartezeiten beim (Fach-)Arztbesuch. Diese ergeben sich aus dem in den Niederlanden praktizierten strengen Hausarztmodell, wonach vor einem Facharztbesuch zwingend ein Hausarzt konsultiert werden muss, der die Patienten dann weiter überweist. Als Argumente für ein solches „Gatekeeper“-Modell werden in den Niederlanden geringere Kosten und eine unterbrechungsfreiere Betreuung genannt, die sich auf das Wohl des Patienten auswirken würden. Ein weiterer Kritikpunkt der Studienherausgeber sind die schlechten Werte, welche die Niederlande für ihre Bemühungen zur Verringerung der Anzahl von Rauchern erreichte. Ansonsten wäre wohl auch ein Wert über der 900 Punkte-Marke möglich gewesen. Und auch bei der Behandlung von Krebs liegen die Niederlande zurück. Zudem hätten die großen niederländischen Krankenversicherer noch Nachholbedarf bei der Aufklärung über einen gesünderen Lebensstil.

Als sehr positiv bewertet Health Consumer Powerhouse neben dem Hausarztmodell auch das in den Niederlanden praktizierte System privater Krankenversicherungen und die vergleichbar hohe Zahl an Patientenorganisationen. Im Polderland seien Angestellte im Gesundheitsbereich und Patienten zudem mehr als in anderen europäischen Ländern bei wichtigen Entscheidungen im Gesundheitsbereich mit einbezogen – andernorts haben Politiker, Finanzinstitutionen und Bürokraten einen viel größeren Einfluss. Die niederländische Erfolgsgeschichte sei laut den Studienherausgebern ein Vorbild für jedes andere Land. Vor allem ein gutes Management, der begrenzte politische Einfluss, angestiegene Konkurrenz und weitergehender Einfluss der Verbraucher seien die Basis dieses Erfolgs.

In einer ersten Reaktion lobte die niederländische Gesundheitsministerin Edith Schippers alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen: „Die vergangenen Monate gab es viele Diskussionen um unser Gesundheitssystem. Es ist gerade dieses System, indem Krankenversicherer selektiv mit Blick auf Qualität und Preis einkaufen, welches unser Gesundheitssystem laut den europäischen Patienten seit Jahren zu den besten in Europa macht.“ Auch die niederländische Patientenorganisation NPCF freut sich über das erneut gute Abschneiden der Niederlande. Es sei allerdings „kein Grund, sich nun zurückzulehnen“, so deren Direktorin Wilna Wind. Laut ihr gibt es immer noch große Baustellen wie etwa die großen regionalen Unterschiede bei der Anzahl von Behandlungen derselben Krankheit.

Deutschland mit seinem vergleichbar sehr freien Gesundheitssystem belegte mit 812 Punkten übrigens den neunten Platz im EHCI-Ranking und kann sich damit nach Platz 6 im Jahr 2009 und Platz 14 im Jahr 2012 wieder stabilisieren.

Ein Vergleich des niederländischen und des deutschen Gesundheitssystems bietet unser Dossier Die Gesundheitsreform 2006 in den Niederlanden.

Die gesamte EHCI-Studie kann hier nachgelesen werden.