Nachrichten April 2015


AGRARWIRTSCHAFT: Deutscher Molkereibetrieb will niederländischen Käsehersteller übernehmen

Zeven/Hoogeveen. AH/NOS/EM/DMK/TAO/FD. 29. April 2015.

Die niederländische Molkereien-Landschaft ist derzeit in Aufruhr. Die Übernahme des Käseherstellers Drents-Overijsselse Coöperatie Kaas (DOC Kaas) durch das Deutsche Milchkontor (DMK) erregt die Gemüter der niederländischen Hersteller von Milchprodukten, wie DeltaMilk, A-Ware und Cono Kaasmakers. Vielfach werden Sorgen geäußert, die sowohl den zukünftigen Milchpreis in den Niederlanden, als auch das Image des niederländischen Käses betreffen.

Bereits Ende 2011 hatte das DMK versucht DOC Kaas zu übernehmen. Der Versuch scheiterte jedoch an der Abstimmung, bei der nur 59 Prozent der DOC Kaas-Landwirte für die Übernahme stimmten. 66 Prozent wären nötig gewesen. Der jetzige, zweite Versuch wurde erst durch das Russlandembargo ermöglicht, das der niederländischen Käserei finanziell stark geschadet hat. Dieses stoppte den Export europäischer Güter nach Russland und sorgte somit für den Ausfall eines Absatzmarktes (NiederlandeNet berichtete). Zudem war  Milch in Deutschland damals noch billiger als heute im Vergleich zu den Niederlanden und hätte zu Ungleichheiten auf dem Markt geführt.

Da nun die Fusion immer realistischer wird, sehen sich andere Molkereien im Zugzwang. A-Ware und Deltamilk sprechen sich offen gegen die Fusion aus. Sie würden eine nationale Lösung bevorzugen. Diese Aussage begründen sie mit den immer noch unterschiedlichen Milchpreisen, die bei einer Fusion zum Fall des niederländischen Milchpreises führen würde. Ein weiteres Argument ist das Image des niederländischen Käses. Dieser habe im Ausland einen hervorragenden Ruf und würde sich vom restlichen europäischen Mark stark absetzen. Selbst in China wisse man diese Qualität zu schätzen. Die Sorge der Molkereien ist nun, dass das DMK stark von diesem Ruf profitieren würde. Außerdem sei es für den Ruf der Marke „niederländischer Käse“ nicht förderlich, wenn klar wäre, dass man für ein deutsches Unternehmen arbeite.

Der DMK-Unternehmenssprecher Hermann Cordes äußerte sich zu den Vorwürfen wie folgt: „Die Befürchtungen sind unbegründet. Die weltweite Wertschätzung der Qualität von holländischem Käse ist ein so hohes Gut, dass man es in jedem Unternehmen mit Freude und Engagement vermarkten und ausbauen wird. Es ist erklärtes Ziel, dass DOC Kaas als eigenständiger Unternehmensteil bestehen bleibt.“ Besonders an der letzten Aussage gab es erhebliche Zweifel. Das Unternehmen hatte auch bei den Fusionen mit Nordmilch und Humana zuerst die Genossenschaften als einzelne Gruppen erhalten, später jedoch verschmolzen.

Um die Übernahme von DOC Kaas durch das DMK doch noch zu verhindern, suchen die anderen Molkereien immer noch nach einer nationalen Alternative. Auch wird DOC Kaas vorgeworfen, dass sie gar nicht erst versucht hätten, eine nationale Lösung zu finden. Sollte die Fusion mit der DMK gelingen würde DOC Kaas zu einer Tochtergesellschaft des deutschen Unternehmens. Ob das irgendwann zu einer Verschmelzung der Genossenschaften führen würde ist jedoch fraglich, da dies länderübergreifend sehr viel aufwändiger wäre.