Nachrichten April 2015


STUDENTENPROTESTE: Polizei beendet Hausbesetzung durch „De Nieuwe Universiteit“

Amsterdam. AH/SZ/Folia/DR/heise.de/newuni.nl/marx21. 20. April 2015.

Seit sechs Wochen hatten Studenten und Lehrkräfte der Universiteit Amsterdam (UvA) das Maagdenhuis, eins der wichtigsten Gebäude der Universität, besetzt. Unter dem Namen „De Nieuwe Universiteit“ (DNU) demonstrierten sie gegen die Hochschulen, die sich immer mehr um ihre Finanzen bemühen und ihr eigentliches Kerngeschäft, die Bildung, darunter leiden ließen. Die Polizei räumte das Gebäude am vergangenen Wochenende, ließ die Protestierenden in Bussen abtransportieren und nahm zehn von ihnen fest. Ein Sprecher der Besetzer sagte dazu, dass man das Gebäude sowieso in 48 Stunden von alleine verlassen hätte und es dann in bedeutend besserem Zustand gewesen wäre. Die Aussage bezog sich auf die Klagen der Universität, dass erhebliche Sachschäden im Gebäude entstanden seien.

Die sechs Wochen wurden von den protestierenden Studenten und Lehrkräften aktiv genutzt. So übernahmen sie Methoden der Occupybewegung, stimmten mit Handzeichen über das weitere Vorgehen ab, bezogen alle Anwesenden in die Diskussionen mit ein und verfuhren auch ansonsten basisdemokratisch. Das Fehlen von Demokratie innerhalb der Hochschulen wurde vor allem angeprangert. Es wurde verlangt, dass die wichtigen Gremien zukünftig demokratisch gewählt werden sollten. Ein Vorschlag, auf den die Universitätsleitung nicht eingehen wollte. Hochrangige Redner unterstützten den Protest und zogen weitere Aufmerksamkeit auf ihn. So sprachen beispielsweise der amerikanische Occupy-Vordenker David Graeber, der deutsche Soziologe Wolfgang Streeck, der französische Philosoph Jacques Rancière und der Professor für Wirtschaftsgeografie der UvA, Ewald Engelen. Letzterer betonte vor allem, dass die „Finanzialisierung“ der Welt und besonders dem Hochschulwesen nicht gut täte und betitelte das Maagdenhuis als den derzeit interessantesten Ort Westeuropas. Wolfgang Streeck entschuldigte sich stellvertretend für die 68er bei den Protestierenden, dass sie den Einfluss der Kommerzialisierung auf die Bildung nicht hätten verhindern können.

Solche und ähnliche Unterstützung erhielten die Besetzer von vielen Seiten. So gründeten sich an mehreren Universitäten im Land ebenfalls Gruppierungen der sogenannten Neuen Universität. Selbst in Kanada, England und Irland haben sich Studentenbewegungen gegen die Kommerzialisierung der Hochschulen gebildet. Es zeigt sich, dass die in Amsterdam angeprangerten Missstände nicht lokal begrenzt, sondern national, wenn nicht sogar internationale Ausmaße haben. Um das zu verdeutlichen, wurde größtenteils auf Englisch kommuniziert: Neben vielen der gehaltenen Vorträge wurde auch die Hausordnung und das Tagesprogramm auf Englisch verfasst.

Die Besetzung ist beendet, doch völlig ohne Konsequenzen sollte diese Bewegung nicht an der Universität vorbeiziehen: Universitätspräsidentin Louise Gunning verlässt die UvA, nachdem schon seit einigen Tagen ihr Rücktritt gefordert und sie seit Monaten scharf kritisiert worden war. Die Hauptkritikpunkte der Studenten waren Gunnings vielen Nebentätigkeiten, wie beispielsweise ihr Verwaltungsposten bei der Schiphol Group. Deren Mitarbeiter solidarisierten sich am 25. Februar mit den Zielen der DNU. Dies alles, sowie Gunnings Verhalten gegenüber den Besetzern führte zu erheblichen Antipathien. Unter anderem deswegen sprachen die Vertreter der DNU der Universitätsleitung das Vertrauen ab. Als Folge daraus traten sie die beiden ausgehandelten Stellen zum Mitwirken der Studierenden an Finanzierungsmaßnahmen der Universität nicht an.

Trotz der personellen Konsequenzen werden die Diskussionen weiter gehen und vielleicht bald eine neue Besetzung dieser oder anderer Universitätensgebäude hervorrufen. Bereits im Februar hatten Mitglieder der DNU einen Teil der Uni besetzt (NiederlandeNet berichtete).

Die Website der DNU: newuni.nl

Bildergalerie zur Besetzung des Maagdenhuis