Nachrichten April 2015


MEDIEN: Endete ein Jungesellenabschied in Renesse wirklich in einer „Massenschlägerei“? [UPDATE]

Renesse. AH/SpOn/PowNed/FO/Metro. 15. April 2015.

Eine Gruppe von etwa 75 aus Gelsenkirchen angereisten Fußballfans, die im niederländischen Partystädtchen Renesse (Provinz Zeeland) einen Junggesellenabschied feierte, kam in der Nacht von Sonntag auf Montag in Konflikt mit anderen Feiernden. Als die Polizei eingriff, wendeten sich die Aggression gegen die Beamten: Zwei von ihnen wurden im Zuge der Auseinandersetzung verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Die darauf folgende Berichterstattung zeigt große Diskrepanzen darüber, wie dramatisch die Ereignisse gewesen sind.

Einer der beteiligten Beamten gab nach Informationen von Spiegel Online an, noch nie eine solche Gewalt erlebt zu haben. Der Streit endete mit der Verhaftung mehrerer Deutscher. In den Berichten zu dem Vorfall schwanken jedoch die Angaben über deren Anzahl stark. Während Focus Online alle 75 Schalker als festgenommen meldete, ist im Polizeibericht lediglich von 15 Verhafteten die Rede. Der Rest wurde wieder zurück nach Deutschland geschickt, nachdem ihre Personalien aufgenommen worden waren.

Auch über das Ausmaß der Gewalt scheinen sich die verschiedenen Berichterstatter nicht einig zu sein. Die Anzahl der verletzten Polizisten variiert dabei zwischen zwei und sechs Personen. NOS berichtet einerseits über sechs verletzte Beamte, andererseits führen Focus Online oder PowNed lediglich die zwei schwer Verletzten an. Spiegel Online nennt als einziges Medium einen Verletzten auf Seiten der Partygänger.

Im Gegensatz dazu spricht die Gratiszeitung Metro von übermäßig dramatisierten Berichten. Sie zitiert den Discothekenbesitzers Jeroen Giele, der mit seinen Türstehern befriedend eingriff. Die Berichte über eine Massenschlägerei seien „Unsinn“, so Giele wörtlich. Ihm zufolge seien nur wenige der Deutschen wirklich aggressiv geworden und statt der „Massenschlägerei“ seien nur „vereinzelt Schläge verteilt“ worden. Die Situation habe sich nach dem Eingreifen einiger unterstützender Polizisten und der Türsteher schnell wieder beruhigt.

Auch in den sozialen Medien wurde dieser Vorfall diskutiert. Dabei drehen sich die meisten der Meldungen auf Twitter um die hohe Anzahl der scheinbar verhafteten Personen, die zwischenzeitlich alle 75 Deutschen umfasste. In den Kommentaren des Nachrichtendienstes PowNed lassen sich deutlichere Eigenmeinungen finden, als dies auf Twitter der Fall ist. Die wenigsten davon sind differenziert. Viele dieser Kommentare spielen auf den Zweiten Weltkrieg an, hauptsächlich geht es dabei um die sogenannten „Drei von Breda“. Dabei handelte es sich um deutsche Kriegsgefangene in den Niederlanden, deren Auslieferung nach Deutschland nur sehr schleichend bis gar nicht voranschritt. Auch die 14 derzeit Verhafteten halten sich im Gefängnis von Breda auf. Die allerwenigsten Kommentare thematisieren die Gefahren von Alkohol oder versuchen eine nationsneutrale Wertung abzugeben. Ebenfalls finden die Polizei und Verletzten kaum Erwähnung.

[UPDATE, 16. April 2015, AH: Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich nur noch elf Deutsche im Gefängnis befinden. Vier der Inhaftierten wurden wieder freigelassen. Am 1. Mai soll jedoch allen 15 der Prozess gemacht werden und sie wurden auch bereits einem Haftrichter vorgeführt. Desweiteren häufen sich die Meldung darüber, dass es sich bei den Involvierten um Angehörige der Gruppe Schalke Ultras handelt. Die Polizei ist außerdem bei ihrer Suche nach Aufnahmen der Auseinandersetzung, die im Prozess verwendet werden sollen, fündig geworden.]