Nachrichten April 2015


PEGIDA: Wilders Auftritt in Dresden – Erfolg oder Misserfolg?

Dresden. AF/AD/FR/nrc.next/PVV/Reuters/SZ/VK. 14. April 2015.

Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders (PVV) war am Montagabend Ehrengast bei einer Großkundgebung der islamkritischen Bewegung Pegida in Dresden. Sein Auftritt vor rund 10.000 Demonstranten wurde von den deutschen und niederländischen Medien sehr unterschiedlich beurteilt.

Die Süddeutsche Zeitung konstatierte am Tag nach Wildersʼ Auftritt, dass der von Pegida erhoffte Zulauf ausgeblieben sei. Statt den erhofften 30.000 habe der Niederländer nur 10.000 Demonstranten zur Dresdner Flutrinne, einer Wiese im Nordwesten der Stadt, locken können. Die Frankfurter Rundschau konkludierte aus diesem Umstand: „Wilders wirkt auch keine Wunder“. NRC.next, ein Ableger des NRC Handelsblad, bewertet den Auftritt ebenfalls als Misserfolg. „Geert Wilders tat sein Bestes und die tausenden Anhänger der anti-islamitischen Bewegung Pegida waren guten Willens. Doch es gelang dem PVV-Chef gestern in Dresden nicht, die deutschen Demonstranten aus Überzeugung johlen und schreien zu lassen.“

Geert Wilders bei seiner Rede in Dresden

Die niederländische Tageszeitung de Volkskrant hingegen erklärt, der „Wilders-Effekt“ habe funktioniert: Bei der Pegida-Kundgebung am Montag seien viel mehr Demonstranten zugegen gewesen als in den Wochen davor. „Der Rockstar“ Wilders habe die „stolzen Patrioten“ – so nannte er die Pegida-Anhänger in seiner Rede – mobilisieren können. Das Algemeen Dagblad sieht Geert Wilders sogar als Pegidas „Retter in der Not“, waren doch in den letzten Wochen immer weniger Bürger zu den Demonstrationen gekommen: Dresden habe dem „Anti-Islamheld“ zugejubelt: „Ganz klar, gib Wilders eine gewisse Zeit mit Pegida und die Anhänger werden in ihrer Begeisterung wieder gestärkt.“

Für Die Welt wird andersherum ein Schuh draus: Bei Pegida findet Wilders endlich wieder eine Bühne, heißt es dort. „In den Niederlanden kämpft Geert Wilders gegen den Abstieg. Seine islamkritische Freiheitspartei verlor vier Wahlen in Folge.“ Tatsächlich waren manche der Pegida-Demonstranten eigens für Wilders angereist. Ein Demonstrant erklärte gegenüber der Presseagentur Reuters: „Wir sind hier mit wahrscheinlich 30.000 Leuten, weil hier der mutigste Politiker Europas da ist, Geert Wilders, der die Wahrheit über den Islam sagt.“

Auch in Dresden fand der niederländische Politiker deutliche Worte, als er die Aussage der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Islam gehöre zu Deutschland, kritisierte: „Frau Merkel, die Mehrheit Ihres Volkes ist der Meinung, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört!“ Einigen Applaus erntete Wilders bei den Dresdnern auch als er sie „Helden“ nannte und ihre Demonstrationen mit den Montagsdemos von 1989 verglich. „Ihr habt Deutschland damals die Wende gebracht. Heute brauchen wir eine neue Wende.“ Wilders solidarisierte sich an mehreren Stellen seiner Rede mit den Pegida-Anhängern: „Wir werden nicht schweigen. Weil wir das Volk sind – das Volk, das sich weigert, versklavt zu werden!“ Das Publikum reagierte, mit wiederholten „Wir sind das Volk“-Rufen.

Doch Wilders Auftritt kam nicht bei allen so gut an. NRC.next-Korrespondentin Petra de Koning zitierte die wenig enthusiastische Demonstrantin Iris mit den Worten „Es war okay“. Dem NPD-ler Thorsten Thomsen war Wilders „zu liberal“; er applaudierte nur selten. Geert Wilders selbst twitterte am nächsten Tag: „Dresden war großartig!“

Die komplette Rede Geert Wilders finden Sie auf der Seite der PVV

Hintergrundinformationen zur Person Geert Wilders in unserer Kurzbiografie "Gehasst und verehrt: Rechtspopulist Geert Wilders"