Nachrichten SEPTEMBER 2014


STUDIE: Deutsche Mautpläne vergraulen niederländische Konsumenten

Berlin/Enschede. KL/BamS/DT/I&O/nu.nl/RP/RTV. 01. September 2014.

Wenn die deutsche Regierung ihre umstrittenen Mautpläne tatsächlich umsetzen sollte, dürften die niederländischen Konsumenten Deutschland massenhaft fernbleiben. Das zumindest geht aus einer heute veröffentlichten Studie hervor, die das Marktforschungsinstitut I&O Research unter 5.000 erwachsenen Niederländern durchgeführt hat. Demnach würden der deutschen Wirtschaft rund eine Milliarde Euro an Einnahmen entgehen.

Damit steht das Ergebnis der Studie im krassen Gegensatz zu den Äußerungen des deutschen Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU), der vergangene Woche gegenüber der Rheinischen Post noch erklärt hatte, dass die „Infrastrukturabgabe keine Auswirkungen auf den Grenzverkehr“ haben werde. Als Beispiel dafür nannte er Österreich, wo ebenfalls eine Maut erhoben wird; der Grenzverkehr mit Bayern habe dort in den vergangenen Jahren jedoch sogar zugenommen.

Derzeit fahren täglich viele preisbewusste Niederländer über die Grenze, um in Deutschland einzukaufen oder zu tanken. Falls für die Benutzung deutscher Straßen ab 2016 Gebühren erhoben werden sollten, würde sich dieser Aufwand kaum noch lohnen, so I&O Research. Besonders schwer wiege dabei, dass nicht nur die Autobahn, sondern alle deutschen Straßen mautpflichtig werden sollen. Ersten Schätzungen zufolge dürfte die Gebühr den niederländischen Autofahrer zirka 100 Euro pro Jahr kosten.

Gegen die Mautpläne hatte sich in den letzten Monaten bereits heftiger Widerstand in der deutsch-niederländischen Grenzregion geregt (NiederlandeNet berichtete). Der Protest erreichte zuletzt im August mit einer Anti-Maut-Aufkleber-Aktion einen neuen Höhepunkt (NiederlandeNet berichtete).

Laut der Studie des Marktforschungsinstituts I&O Research haben vergangenes Jahr etwa 40 Prozent aller Niederländer das benachbarte Deutschland besucht. Die Mehrheit davon waren Grenzpendler, die regelmäßig hierher kamen, um geringer besteuerte Produkte, wie Benzin, Zigaretten und Alkohol, einzukaufen. „Mit der Maut schneidet sich die deutsche Wirtschaft ins eigene Fleisch“, stellt Peter Kanne von I&O Research daher fest.

Die neue Studie belege, dass 64 Prozent weniger Niederländer in Deutschland einkaufen und 57 Prozent weniger dort tanken würden, wenn die Pläne umgesetzt werden sollten. Auch touristische Besuche würden demnach um 44 Prozent zurückgehen. Momentan geben niederländische Grenzgänger jährlich knapp vier Milliarden Euro in Deutschland aus. Dieser Konsum würde voraussichtlich um ein Viertel sinken. Demgegenüber würde die Maut nur rund 250 Millionen an zusätzlichen Einnahmen einbringen.

Nur ungefähr 6 Prozent der befragten Niederländer stehen dem deutschen Mautvorhaben positiv gegenüber, rund zwei Drittel – in der Grenzregion sind es sogar 80 Prozent – lehnen die Pläne ab. Viele sehen darin einen Widerspruch zum europäischen Gedanken offener Grenzen und Märkte. Ebenfalls rund zwei Drittel halten die Maut für diskriminierend, weil deutsche Autofahrer im Gegenzug über die Kfz-Steuer finanziell entlastet werden sollen.

Inzwischen macht sich auch bei den deutschen Regierungsparteien CDU und SPD – sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene – immer mehr Skepsis breit. Angeblich strebt sogar die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel inzwischen nur noch eine Maut auf Autobahnen an, berichtete Bild am Sonntag gestern. Alle übrigen Straßen blieben dann gebührenfrei.

Die Pressemitteilung und die vollständige Studie des Marktforschungsinstituts I&O Research können Sie hier herunterladen.