Nachrichten SEPTEMBER 2014


KÖNIGREICH: Niederlande feiern 200-jähriges Bestehen

Maastricht. KK/AZ/NOS. 1. September 2014.

Am Samstag feierten die Niederlande in Maastricht das 200-jährige Bestehen ihres Landes. Hauptredner war der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der in seiner Rede auch über die Flugzeugkatastrophe der MH17 und die Situation in der Ukraine sprach. Für seine freundschaftlichen Worte dankte der niederländische König Willem-Alexander ihm mit einer herzlichen Umarmung.

Die Feierlichkeiten standen unter dem Motto: „Hello World“ und stellten damit die internationale Zusammenarbeit der Niederlande in den Mittelpunkt. Der Ort dafür war passend gewählt: Die Stadt im Dreiländereck zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien ist der Geburtsort der Europäischen Union sowie des Euros.

Vor rund 500 Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur sprach Bundespräsident Gauck zunächst den Angehörigen und Freunden der Flugzeugkatastrophe des Flugs MH17 sein Beileid aus. Vor allem vom Umgang der Niederländer mit der Tragödie zeigte Gauck sich beeindruckt. „Diese Anteilnahme, diese selbstbewusste Haltung der Solidarität hat auch in Deutschland viele beeindruckt. Sie ist ein Vorbild für alle, die sich Frieden und Menschenrechten verpflichtet fühlen.“

Besonders in diesen schweren Wochen sei es wichtig zusammenzustehen, in Europa und in der ganzen westlichen Welt. Dabei betonte Gauck die Wichtigkeit der Europäischen Union. „Uns in Europa zusammenzutun, das liegt in unserem gemeinsamen Interesse. Und es entspricht unseren gemeinsamen Werten. Die Europäische Union ist keine Bedrohung für unsere Nationalstaaten, ganz im Gegenteil: Sie macht uns in vielen Politikfeldern erst handlungsfähig.“ Es gebe kein Entweder-oder in der Beziehung zwischen EU und Nationalstaaten, es sei vielmehr ein Sowohl-als-auch.

Auch betonte Gauck die Freundschaft zwischen Deutschland und den Niederlanden. „Ich empfinde große Dankbarkeit dafür, dass zwischen Niederländern und Deutschen allmählich Verbundenheit wachsen konnte, nachdem deutsche Großmachtpolitik und deutscher Rassenwahn schweres Leid über die Niederlande gebracht hatten.“ Die niederländische politische Kultur bezeichnetet er als Vorbild. Sie zeichne sich durch Mäßigung und Sachlichkeit, durch Offenheit und Kooperation aus. „Sie können stolz sein auf Ihre demokratische Tradition. Und Sie können stolz darauf sein, dass niederländische Bürgerinnen und Bürger immer wieder ihre Stimme erheben und mutig für die Freiheit eintreten.“ Denn auch wir Europäer müssen unsere Freiheit immer wieder neu erringen und unsere Zukunft immer wieder neu gestalten, so Gauck.

Eröffnet wurde das Forum vom niederländischen Außenminister Frans Timmermans, der Joachim Gauck als Redner ankündigte. Gauck personifiziere das Versprechen von Gerechtigkeit und Freiheit, das die deutsche Nationalhymne zusichere. „Der Name Joachim Gauck wird für mich immer verbunden sein mit diesem einzigartigen und wunderschönen deutschen Wort, dass mehr Macht hat als die mächtigsten Waffen: Zivilcourage“, so Timmermans.

Neben dem niederländischen Königspaar König Willem-Alexander und Königin Máxima nahmen auch König Philippe und Königin Mathilde von Belgien sowie Luxemburgs Großherzog Henri und seine Frau Maria Teresa an der Veranstaltung teil. Diese fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen des niederländischen Königreichs statt. Vor 200 Jahren hatte der Wiener Kongress begonnen, dessen Ergebnis die Neuordnung Europas nach den napoleonischen Kriegen und damit auch die Entstehung der Niederlande darstellte.

Die ganze Rede von Joachim Gauck finden Sie auf der Seite der Bundespräsidenten.