Nachrichten Oktober 2014


MH17: Untersuchungen vor Ort gehen weiter

Donezk. KK/NOS/NRC/rijksoverheid.nl/TR. 14. Oktober 2014.

Fast drei Monate nach dem Absturz des Flugs MH17 über der Ost-Ukraine ist es Mitarbeitern der nationalen Rettungseinheit SES am Montag gelungen, persönliche Gegenstände der Opfer des Flugzeugabsturzes zusammengetragen. Die Suche musste Mitte August abgebrochen werden, da die Sicherheit niederländischer und australischer Experten vor Ort nicht mehr gewährleistet werden konnte (NiederlandeNet berichtete). Trotz des formalen Waffenstillstands gibt es rund um den Unglücksorts immer noch Gefechte zwischen pro-russische Separatisten und der ukrainische Armee.

Wie das niederländische Ministerium für Sicherheit und Justiz mitteilte, handelt es sich bei den zusammengetragenen Gegenständen unter anderem um Kleidung, Gepäckstücke, Pässe, Kreditkarten, Schmuck, Kuscheltiere und Fotos der verunglückten rund 300 Insassen. Dass die Suche nun weitergehen konnte, kam überraschend, denn noch in der vergangenen Woche hatte das Kabinett in einem Brief an die niederländische Tweede Kamer wissen lassen, dass es noch zu unsicher sei, um an die Unglücksstelle zurückzukehren. Ministerpräsident Mark Rutte sagte auf seiner wöchentlichen Pressekonferenz am Freitag zudem, dass er wütend sei, dass die Untersuchungen vor Ort noch immer nicht weitergehen könnten.

Am Sonntag wurde dann bekannt, dass der SES für Montag einen 40-köpfigen Einsatz für die Suche nach persönlichen Dingen der Opfer und weiterer sterblicher Überreste plane. Regionale Hilfskräfte hatten in den vergangenen Wochen zudem bereits einen Großteil der persönlichen Dinge der Opfer einsammeln können und diese an verschiedenen Orten zusammengetragen, wo sie nun abgeholt werden sollten. In zwei Dörfern in der Umgebung der Absturzstelle konnten die Hilfskräfte nun eine Reihe von Dingen einsammeln, ein drittes Dorf konnte aufgrund der Sicherheitssituation allerdings nicht angefahren worden.

Dennoch bezeichnete Pieter-Jaap Aalbersberg, der niederländische Leiter der Rückführungsmission, die Aktion vom Montag als erfolgreich: „Es ist dem SES gelungen, viele persönliche Gegenstände –  eine Menge von neun Kubikmetern – aus dem Gebiet zu holen. Dafür sind wir sehr dankbar“, so Aalbersberg in einer Erklärung. Der Einsatz verlief allerdings nicht ohne Zwischenfälle, da Montagmittag in der Nähe der Absturzstelle geschossen wurde. „Das zeigt uns einmal mehr, dass die Mission noch nicht wieder aufgenommen werden kann“, so Aalbersberg. Die geborgenen Gegenstände werden nun über Donezk nach Charkiw gebracht, wo Experten erste forensische Untersuchungen durchführen werden. Danach werden die Sachen so schnell wie möglich in die Niederlande überführt, wo versucht wird, sie den Opfern zuzuordnen.

State Emergency Service

Beim SES handelt es sich um eine Organisation regionaler Helfer, die auch kurz nach dem Absturz der Maschine bereits erste Opfer geborgen und deren persönliche Sachen sichergestellt hatten. Aufgrund der damals intransparenten Situation waren die Helfer zunächst von Ministerpräsident Mark Rutte und Außenminister Frans Timmermans kritisiert worden. Es hieß, dass pro-russische Separatisten Wrackteile, Opfer sowie deren Hab und Gut zum Teil weggeschafft hätten, Augenzeugen berichteten von Plünderungen. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass die Katastrophenhelfer vor Ort gute Arbeit geleistet haben. Sie hätten damals das maximal Mögliche getan. Die Bildformung sei in der ersten Periode allerdings anders gewesen, aber „sie haben auch nach unseren Standards gewaltige Arbeit geleistet“, so Pieter-Jaap Aalbersberg.

Die Unabhängigkeit der Organisation ist allerdings noch immer umstritten. So sieht die niederländische Regierung sie zwar als unabhängigen Akteur, mit dem sie verhandeln kann: „SES ist der neutrale Hilfsdienst und nicht die Rebellen. Mit den Rebellen musste allerdings über den Zugang verhandelt werden. Aber das hat die OSZE gemacht“, so ein Sprecher des Justizministeriums gegenüber der Nachrichtensendung Nieuwsuur. Regionalen Quellen zufolge unterstehe der SES jedoch direkt den Rebellen. Auch laut Aalbersberg handelt es sich um eine Organisation, die in dem von Rebellen kontrollierten Gebiet tätig ist. „Ich würde sie daher nicht als unabhängige Organisation bezeichnen“, so Aalbersberg ebenfalls in Nieuwsuur.

Unglück

Bei der Flugzeugkatastrophe kamen am 17. Juli alle 298 Insassen – darunter 196 niederländische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger – ums Leben. Von ihnen sind mittlerweile 272 Opfer identifiziert. Am 10. November soll in den Niederlanden eine nationale Gedenkfeier für die Opfer stattfinden.

Westliche Nationen gehen davon aus, dass die Passagiermaschine von pro-russischen Separatisten abgeschossen wurde. Die Ermittlungen zur Absturzursache dauern noch an. Einen vorläufigen Bericht hat der niederländische Onderzoeksraad voor Veiligheid (dt. Untersuchungsrat für Sicherheit) im September veröffentlicht. Darin wird die Abschussthese gestützt, die Schuldfrage allerdings nicht behandelt (NiederlandeNet berichtete).