Nachrichten Oktober 2014


PROSTITUTION: Niederlande planen flächendeckende Ausstiegshilfe

Den Haag. KL/DT/NOS/NRC/RO/TR/VK. 14. Oktober 2014.

Prostituierte, die aus der Sexbranche aussteigen möchten, sollen in den Niederlanden bald landesweit Unterstützung bekommen. Der Minister für Sicherheit und Justiz, Ivo Opstelten (VVD), will drei Millionen Euro pro Jahr zum Aufbau eines entsprechenden Netzwerks bereitstellen. Das hat er gestern in einem Brief an die Zweite Kammer des niederländischen Parlaments mitgeteilt.

Derzeit gibt es in den Niederlanden vergleichbare Hilfsprogramme lediglich in Großstädten. Diese sind, wegen ihrer lokalen Struktur, jedoch nicht für alle Prostituierten im Land zugänglich. Seit 2008 haben 1.750 Prostituierte von den bereits laufenden Programmen Gebrauch gemacht. Rund 1.000 von ihnen sind seither tatsächlich aus der Sexbranche ausgestiegen. Das geht aus Zahlen hervor, die das Amsterdamer Unternehmen für Politikberatung Regioplan im vergangenen August veröffentlicht hat.

Die calvinistisch geprägten Oppositionsparteien SGP und ChristenUnie hatten bereits 2013 eine Ausweitung der Ausstiegshilfe für Prostituierte auf das ganze Land gefordert. Diesen Wünschen trägt die Gesetzesinitiative von Minister Opstelten nun offenbar Rechnung. Der ChristenUnie-Parlamentarier Gert-Jan Segers reagierte am Montagabend erfreut auf das Vorhaben: „Das ist ein guter Plan“, schrieb er auf Twitter.

Mit dem zusätzlich bereitgestellten Geld sollen die Sozialdienste ausstiegswillige Prostituierte bei der Suche nach einer anderen Arbeit oder einer Ausbildung unterstützen. Weitere denkbare Einsatzbereiche bei der Betreuung sind die Vermittlung von Wohnungen, Schuldenhilfe oder von Entzugsprogrammen für Süchtige.

Maria Scali, Direktorin der Stichting Hulpverlening en Opvang Prostituees (Shop), sagte gegenüber der Tageszeitung Trouw, dass ausstiegswillige Prostituierte bei der Jobsuche oft mit einem gesellschaftlichen Stigma zu kämpfen hätten. So könnten sie ihre bisherige Tätigkeit nicht im Lebenslauf aufführen, weil das als anstößig oder kriminell empfunden werde. Nach Einschätzung der Shop-Direktorin verfügen die Aussteiger in der Regel über ausgeprägte soziale Kompetenzen und sind „sehr unternehmerisch“ eingestellt, deshalb könnten sie beispielsweise als Selbständige im Pflegebereich arbeiten und sollten gegebenenfalls eine Weiterbildung erhalten.