Nachrichten Mai 2014


ÖKONOMIE: Niederländisches Wirtschaftswachstum wieder negativ

Den Haag. /CBS/NOS/NRC/nu.nl/VK. 16. Mai 2014.

Während die deutsche Wirtschaft boomt und sich weiterhin im Aufschwung befindet, muss die niederländische Ökonomie wieder einmal einen Gegenschlag hinnehmen. Die niederländische Statistikbehörde CBS teilte gestern mit, dass die Wirtschaftsleistung bei unseren Nachbarn im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum letzten Quartal 2013 deutlich geschrumpft ist.

Nach neun Monaten mit positiven Wachstumszahlen (NiederlandeNet berichtete) – im letzten Quartal 2013 wuchs die niederländische Wirtschaft noch um 0,9 Prozent – kämpft die Wirtschaft des Polderlandes mit dem größten Einbruch des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit dem zweiten Quartal des Jahres 2009. Im Vergleich zu den letzten drei Monaten des Jahres 2013 brach die Wirtschaftsleistung um ganze 1,4 Prozent ein. Schaut man auf den Vergleichszeitraum vor einem Jahr, dann sind es 0,5 Prozent, um die das Wirtschaftswachstum jetzt eingebrochen ist.

Als Hauptgrund für den neuerlichen Dämpfer nennt das CBS den milden Winter, durch den weniger Gas verbraucht, produziert und vor allem 25 Prozent weniger exportiert wurde. Gas bedeutet für die Niederlande eine wichtige Einnahmequelle, weshalb sich die fehlende Nachfrage in diesem Bereich derart stark auf die Gesamtwirtschaftsleistung auswirkt. Der vergangene Winter war laut Angaben von Wetterforschern in den Niederlanden der wärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1901. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von 6° Celsius lag man fast doppelt so hoch wie der gewöhnliche Durchschnitt. Weitere Ursachen für das erneut zurückgegangene BIP sind ein gesunkenes Konsumentenvertrauen. Die Verbraucherinnen und Verbraucher in unserem Nachbarland gaben in den ersten drei Monaten dieses Jahres deutlich weniger Geld für Lebens- und Genussmittel aus. Dafür stiegen jedoch die Ausgaben für Kleidung und Elektronikartikel an. Auch das Hotel- und Gaststättengewerbe erlebte entgegen dem Trend ein Wachstum, für das abermals das warme Wetter verantwortlich war.

Auf dem Arbeitsmarkt machte sich der negative Gesamttrend ebenfalls bemerkbar. So gab es im Vergleich zum Vorquartal rund 32.000 und im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar 112.000 weniger Jobs. Besonders deutlich wurde dies im Betreuungs- und Gesundheitsbereich, wo der Anteil der Arbeitsplätze um 43.000 Stück oder drei Prozent abnahm. Aber auch der Bausektor musste Federn lassen: hier gab es im ersten Quartal 23.000 weniger Arbeitsplätze als im Vorjahr, was ein Minus von 6,9 Prozent bedeutet.

Trotz des negativen Wachstums kann den neuen Zahlen laut CBS aber auch etwas Gutes abgerungen werden: An der begonnenen Erholung der Wirtschaft ändere sich nach Angaben der Statistiker nichts. Der positive Trend halte weiterhin an. Indizien dafür sieht das CBS darin, dass es vor allem im Bausektor weitere Investitionen gegeben hat. Auch investierten Unternehmen in neue Maschinen und Computersysteme und stellten vermehrt Zeitarbeiter ein. Verglichen mit der Situation vor einem Jahr liegt die industrielle Produktion aktuell sogar vier Prozent höher. Vor allem die Chemie- und Metallindustrie sowie die Erzeuger von Elektrotechnikprodukten exportierten mehr als vor einem Jahr.