Nachrichten Mai 2014


KULTUR: Anne-Frank-Theatershow feiert mit 1.100 Gästen Premiere

Amsterdam. ML//Het Parool/NOS/nrc.nl. 09. Mai 2014.

Im eigens dafür erbauten Theater Amsterdam fand am gestrigen Donnerstag die Premiere für das multimediale Theaterstück Anne statt. Unter den 1.100 Gästen waren auch König Willem Alexander, Anne Franks Neffe Buddy Elias sowie Jacqueline van Maarsen, eine Schulfreundin von Anne. Das Stück wurde vom Ehepaar Jessica Durlacher und Leon de Winter geschrieben und in Szene gesetzt. Bereits im Vorfeld hatte die Inszenierung für Schlagzeilen gesorgt, weil unter anderem die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam die zu große Kommerzialisierung kritisierte.

Buddy Elias, das letzte lebende Familienmitglied und zugleich Vorsitzender des von Annes Vater Otto Frank gegründeten Anne-Frank-Fonds war von dem neuen Stück begeistert: „Ich habe viele Produktionen über Anne gesehen, aber diese war mit Abstand die beste von allen”, sagte der 88jährige Elias, der selbst auf eine lange Schaffensperiode als Schauspieler zurückblicken kann. Aufgrund der neuen Erkenntnisse in der geschichtlichen Forschung initiierten der in Frankfurt geborene Schweizer und der Fond die Geschichte Anne Franks auf der Theaterbühne aufzuführen.

Das Stück ist enger an den Tagebuchtext angelegt als frühere Produktionen. Teilweise sind Passagen wörtlich von Durlacher und de Winter übernommen worden. Es ist darüber hinaus aber nicht nur eine Wiedergabe der Ereignisse im Achterhuis, dem Amsterdamer Hinterhaus-Versteck der Familie Frank. Vielmehr wurden auch die Vorgeschichte und die Zeit nach der Entdeckung im Script aufgenommen, um ein vollständigeres Bild von Anne Franks Leben zu geben. „Wir gehen auch mit ins KZ. Aber die Frage war natürlich: Wie soll man das erzählen, ohne Kitsch daraus zu machen. Und wie schafft man es, keine unpassenden Gefühle zu wecken“, erklärte Leon de Winter die Probleme, die sich den Autoren stellten.

Die Kritik, die den kommerziellen Charakter der multimedialen Inszenierung im Vorfeld thematisierte, kann Buddy Elias nicht nachvollziehen: „Das ist lächerlich. Die Leute kommen immer mit solchen Dingen. Die sollten sich das Stück einfach einmal anschauen“, rät der Bühnenroutinier den Kritikern. Ganz von der Hand zu weisen ist der finanzielle Aspekt allerdings nicht. Immerhin ein volles Jahr müssen sämtliche Vorstellungen des neuen Stücks in Amsterdam ausverkauft sein, damit sich die hohen Investitionskosten rentieren. Sollte sich der erhoffte Erfolg jedoch einstellen, werden identische Theater wie das in Amsterdam in London, New York, Las Vegas und Berlin gebaut, um das Theaterstück auch in diesen Metropolen aufzuführen.

Nach der Premiere waren bei den Kritikern der niederländischen Tageszeitungen querbeet alle Meinungen vertreten. Während das Stück von einigen Feuilletonisten in den höchsten Tönen gelobt wurde, ist es für andere Zeitungen wie das NRC Handelsblad zwar eine „imponierende“, aber auch eine „brave und eindimensionale Vorstellung“. Auch die Gratiszeitung Metro stuft Anne eher als „mittelmäßig“ ein, obwohl die Hauptdarstellerin ihre Arbeit nach Ansicht des Blattes „ausgezeichnet“ macht. Sehr positive Kritik bekam Anne im Telegraaf: „Unter der Regie von Theu Boermans haben die Schauspieler genau die richtige Balance gefunden: seltene Momente von comicartiger Prägung, aber nicht zu viel. Die letzte Szene, ein wundervolles Bühnenbild, klinkt sich so ein, dass das Publikum mucksmäuschenstill ist und zweifelt, ob es mit dem Schlussapplaus beginnen soll, das ein Durchbrechen der Stille unangemessen erscheint.“