Nachrichten Mai 2014


SPORT: Niederländische Fußballnationalmannschaft startet Training für WM-Coup

Hoenderloo. ML/kicker.de/knvb.nl/meemetoranje.nl/NOS/oranje-wk2014.nl. 08. Mai 2014.

Seit dem gestrigen Mittwoch befindet sich die niederländische Elftal im WM-Vorbereitungscamp im gelderländischen Hoenderloo. 20 Spieler folgten der Einladung von Bondscoach Louis van Gaal. Da außerhalb der Niederlande in vielen europäischen Ligen die Saison noch nicht beendet ist, muss der Trainer wenige Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien allerdings zunächst noch auf einige wichtige Spieler verzichten. Zu den Favoriten des Turniers zählen die Niederlande aber ohnehin nicht – jedenfalls nicht offiziell.

Den Medienvertretern in Hoenderloo scheint das Fehlen der vermeintlichen Stars nichts auszumachen. Bei ihnen steht aktuell der Trainer im Fokus. Louis van Gaal wird als neuer Teammanager beim englischen Premier League-Club Manchester United gehandelt. Ein Thema, das die Berichterstattung über die Elftal aktuell in den Hintergrund drängt. Spätestens am 13. Mai wird sich das jedoch ändern. Dann gibt der Bondscoach seine Vorauswahl von 30 Spielern bekannt, die noch hoffen dürfen, eines der 23 Tickets nach Brasilien vom niederländischen Fußballverband KNVB spendiert zu bekommen. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der eine oder andere Routinier seinen Flugschein aus der eigenen Tasche zahlen und die Endrunde von der Tribüne aus verfolgen muss.

Denn seit van Gaal die Elftal nach dem katastrophalen Abschneiden bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine übernommen hat, ist er ein weiteres Mal seinem Spitznamen gerecht geworden. Der „General” hat das Team mehrmals umgebaut und deutlich verjüngt. Mit Erfolg: Blamierten sich die niederländischen Fußballer 2012 durch ihr vorzeitiges und punktloses Ausscheiden als Gruppengegner der deutschen Mannschaft noch bis auf die Knochen (NiederlandeNet berichtete), so absolvierten sie die Qualifikationsspiele zur Weltmeisterschaft souverän. Ohne Niederlage, mit lediglich einem Unentschieden und einer beeindruckenden Tordifferenz von 35:9 Toren weist die Elftal die gleiche Dominanz auf wie die deutsche Nationalmannschaft in ihrer Qualifikationsgruppe. Trotzdem werden die Fußballspieler aus dem Nachbarland – anders als die deutsche Vertretung – von den Experten nicht zum engeren Favoritenkreis auf den Titel gezählt.

Louis van Gaal scheint die Frage nach dem Favoritenstatus eher lästig. Der ehemalige Übungsleiter des FC Bayern München verweist bei solchen Fragen auf die FIFA-Weltrangliste: „Da sind wir Zehnter oder Achter. Wir sind kein Favorit. Das sind Argentinien und Brasilien. Und vom europäischen Kontinent sind das Deutschland und Spanien. Oranje ist Außenseiter, also nicht chancenlos.” Mit dem Erreichen der Endrunde in Brasilien hat der erfolgreiche Trainer bereits zwei Ziele erfüllt: Zum einen das vom niederländischen Verband KNVB gesetzte, zum anderen ein persönliches. Nachdem der Bondscoach in gleicher Funktion mit der Elftal 2002 die Qualifikation zur WM in Japan und Südkorea peinlich verpasste, wollte er diese Schmach bei der erneuten Amtsübernahme 2012 unbedingt tilgen.

Vorrundengegner

Die Niederländer spielen die Vorrunde in Brasilien in einer starken Gruppe mit Spanien, Chile und Australien. Die Favoritenrolle liegt als amtierender Europameister und Titelverteidiger eindeutig bei den Spaniern. Aber auch Chile ist ein harter Brocken, den es zum Erreichen der ersten beiden Gruppenplätze wegzuräumen gilt. Die Südamerikaner zeigten im März der deutsche Mannschaft nur zu deutlich die spielerischen Grenzen auf. Zudem sind die Chilenen deutlich besser mit dem subtropisch bis tropischen Klima in Brasilien vertraut. Auch Australien hat bei der letztem WM in Südafrika bewiesen, dass es ein ernstzunehmender Gegner ist und nicht als Punktelieferant abgetan werden kann.

Einen ersten Dämpfer haben die Niederländer schon vor dem Abflug an den Zuckerhut hinnehmen müssen. Der torgefährliche Spielgestalter Kevin Strootman von AS Rom zog sich Anfang März in einem Serie A-Spiel einen Kreuzbandriss im linken Knie zu und fällt somit für die WM aus. „Das ist für die niederländische Nationalmannschaft ein schwerer Verlust” bewertet Bondscoach Louis van Gaal das Fehlen des Mittelfeldstrategen. Zudem könnte die Mannschaft von van Gaal schon nach dem ersten Gruppenspiel gegen Spanien am 13. Juni 2014 in Salvador unter mächtigem Druck stehen. Eine durchaus mögliche Niederlage würde das junge Team gegen Australien fünf Tage später in Porto Alegre bereits unter Siegzwang stellen, bevor dann am 23. Juni in Sao Paulo gegebenenfalls mit Chile um die Fahrkarte ins Achtelfinale gerungen werden müsste.

Ein Aufeinandertreffen der niederländischen und der deutschen Nationalmannschaft ist frühestens im Halbfinale möglich. Dann müsste das eine Team Gruppenerster werden, während das jeweils andere Team Gruppenzweiter würde. Belegen beide Teams den gleichen Tabellenplatz in ihrer jeweiligen Vorrundengruppe, landen also die Niederlande und Deutschland beide auf dem ersten oder beide auf dem zweiten Rang, dann kann es erstmalig im Endspiel zu einem Duell kommen. Eine Konstellation, die letztmalig vor 40 Jahren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland eingetreten ist. Damals siegte am 7. Juli 1974 in München die Mannschaft der Bundesrepublik gegen die favorisierten Niederländer um Stürmerstar Johan Cruyff mit 2:1. Das Datum ist noch heute bei vielen Niederländern spontan präsent. Als Sinnbild einer Schmach, für die sie sich sportlich gerne revanchieren würden.

Anekdoten und Hintergrundinformationen zur deutsch-niederländischen Fußballrivalität finden sie in unserem gleichnamigen Dossier.