Nachrichten JuLi 2014


KÖNIGREICH: Venezuela soll Aruba und den Niederlanden gedroht haben

Caracas/Den Haag/Oranjestad. KL/DT/NOS/NRC/TR/VK. 29. Juli 2014.


Die Karibikinsel Aruba, die zum Königreich der Niederlande gehört, ist möglicherweise nur knapp einer militärischen Intervention Venezuelas entronnen. Das südamerikanische Land soll eine gewaltsame Befreiungsaktion vorbereitet haben, weil dessen ehemaliger Spionagechef Hugo Carvajal auf der Insel festgehalten wurde. Angeblich wurden vergangenes Wochenende vier venezolanische Kriegsschiffe von der Küstenwache Arubas gemeldet, wie De Telegraaf meldete. Venezuela versicherte hingegen, dass es sich dabei lediglich um eine militärische Übung gehandelt habe. Diese Drohgebärde scheint dennoch Wirkung gezeigt zu haben, denn am vergangenen Sonntag hatte der niederländische Außenminister Frans Timmermans überraschend die Freilassung Carvajals verfügt.

Hugo Carvajal ist der ehemalige Chef des venezolanischen Geheimdienstes. Er hatte unter dem inzwischen verstorbenen Staatschef Hugo Chávez amtiert. Carvajal wird von den USA unter anderem des Drogenhandels verdächtigt. Auf Ansuchen der US-Behörden hatte Aruba Carvajal vergangene Woche Mittwoch festgenommen. Carvajal war nach Aruba eingereist, weil Venezuela ihn zum Generalkonsul auf der Insel ernannt hatte. Das niederländische Außenministerium hatte seit der Festnahme Carvajals Untersuchungen in dem Fall durchgeführt. Dabei kam man offensichtlich zu dem Schluss, dass er tatsächlich diplomatische Immunität genieße und deshalb freigelassen werden müsse. „Es handelt sich um rein juristische Entscheidung, die auf internationalem Recht beruht“, wie ein Sprecher des niederländischen Ministeriums klarstellte.

Die USA äußerten sich einen Tag später „tief enttäuscht“ über diese Entscheidung. Die venezolanische Regierung habe verlässlichen Quellen zufolge Aruba und die Niederlande bedroht, wie das US-Außenministerium bekanntgab. Carvajal ist am vergangenen Montag nach Venezuela zurückgekehrt und wurde dort von Staatspräsident Nicolas Maduro empfangen. Maduro lobte die Entscheidung der Niederlande, die diplomatische Immunität zu respektieren. Nach Ansicht der USA haben Aruba und die Niederlande sich von Venezuela unnötig einschüchtern lassen. Die Amerikaner hatten zuvor vergeblich auf die Auslieferung Carvajals gedrängt. Er soll in illegale Drogen- und Waffengeschäfte verstrickt sein und außerdem Verbindungen zur kolumbianischen Guerillabewegung FARC unterhalten. Auf Aruba hat Carvajal nun Einreiseverbot.

Weitere Informationen zu den karibischen Überseegebieten der Niederlande finden Sie im Dossier „Die niederländischen Antillen und Surinam“.