Nachrichten JuLi 2014


MH17: Kühlzug mit Opfern in Charkow angekommen

Den Haag/Donezk. KK/DT/NOS/VK. 22. Juli 2014.

Nachdem am Wochenende vor allem über eine schlecht gesicherte Absturzstelle, den Umgang mit den sterblichen Überresten der Opfer und Plünderungen berichtet wurde, scheint sich die Situation rund um die Flugzeugkatastrophe in der Ostukraine nun zu verbessern. Der Kühlzug mit den sterblichen Überresten der Opfer ist mittlerweile in Charkow angekommen, wo ein niederländisches Transportflugzeug wartet. Seit gestern sind internationale Experten vor Ort, die die Unglücksstelle untersuchen. Trotzdem wird auch weiterhin das Vorgehen der prorussischen Separatisten kritisiert. Diese hatten die Arbeit internationaler Experten behindert und die Absturzstelle unzureichend abgesichert. Russlands Präsident Putin wurde erneut aufgefordert, die Rebellen zur Zusammenarbeit zu bewegen.

Lokale Rettungshelfer hatten am Wochenende begonnen, die Leichen der Opfer in einen Kühlzug zu schaffen. Seit Sonntagmorgen stand der Zug im Bahnhof von Torez, seine Weiterfahrt wurde von prorussischen Aktivisten verhindert. Am Montagmorgen traf schließlich ein Team niederländischer Forensikexperten in der Ostukraine ein. Die Niederländer leiten die internationale Untersuchung zur Identifikation der Opfer. Sie sichteten und versiegelten den Zug, der dann in Absprache mit den prorussischen Separatisten den Bahnhof verlassen konnte. Heute traf er in Charkow ein, wo ein niederländisches Frachtflugzeug wartet. Morgen Mittag werden die ersten Leichen in Eindhoven erwartet. Von dort werden sie zur Van-Oudheusden-Kaserne in Hilversum gebracht, wo sie identifiziert werden sollen. Wie viele Leichen bisher geborgen wurden, ist noch unklar. OSZE-Experten zählten 200 Leichensäcke, nach unbestätigten Angaben handele es sich sogar um 282 Leichname, so der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte Dienstagmittag während einer Pressekonferenz. Nach Angaben der niederländischen Experten sind die Leichen in einem den Umständen entsprechend guten Zustand. Die Hoffnung ist groß, dass alle identifiziert werden können. Rutte zeigte sich erfreut , dass mit den sterblichen Überresten der Opfer „sorgfältiger“ umgegangen worden sei, als zunächst befürchtet.

Darüber hinaus hatten am gestrigen Montag niederländische Experten gemeinsam mit Vertretern der OSZE die Möglichkeit, das Gebiet rund um die Absturzstelle zu untersuchen. Mittlerweile sind auch die Blackboxes des Flugzeugs, deren Aufenthaltsort am Wochenende noch ungeklärt war, von den prorussischen Separatisten an eine malaysische Delegation übergeben worden. Laut Oberst Mohamed Sakri vom malaysischen Sicherheitsrat scheinen die Boxen in einem guten Zustand zu sein.

International wird weiter Druck auf die Separatisten ebenso wie auf Putin ausgeübt. Rutte verurteilte die Rolle Russlands und rief das Land erneut dazu auf, mehr dafür zu tun, Ruhe in das Gebiet zu bringen. Seine oberste Priorität gelte weiterhin dem Heimbringen der Opfer, danach komme eine ungehinderte internationale Untersuchung und die Forderung nach Gerechtigkeit, so der Ministerpräsident am Vormittag.

Auch der UN-Sicherheitsrat beschäftigt sich mit dem Fall. Er verabschiedete eine Resolution, die einen „sicheren, vollständigen und unbehinderten Zugang“ zur Absturzstelle und eine „würdevolle Behandlung“ der Leichen fordert. Auch Russland stimmte dieser Resolution zu. Der niederländische Außenminister Timmermans beeindruckte vor dem UN-Sicherheitsrat mit einer außergewöhnlich emotionalen Rede (NiederlandeNet berichtete).

König Willem-Alexander traf sich gestern mit den Hinterbliebenen. Im Anschluss an das Treffen zeigte er sich „tief berührt“ von den schmerzlichen persönlichen Geschichten. Besonders wichtig sei es nun, zusammenzuhalten. „Dass wir einander festhalten. Dass wir einander unterstützen und auffangen, wenn möglich. Und dass wir unser Herz öffnen für jeden, der seine Geschichte teilen will. Jetzt, aber auch in den folgenden Monaten und Jahren.“ Er sprach von einer „tiefen Wunde in unserer Gesellschaft“, deren Narbe noch über Jahre sichtbar und fühlbar bleiben werde.