Nachrichten Juli 2014


MH17: Niederländer zollen Opfern kollektiv Beileid

Eindhoven/Hilversum. /NOS. 24. Juli 2014.

Ein Land in Staatstrauer: Die sterblichen Überreste der ersten Opfer der Flugzeugkatastrophe über der Ost-Ukraine sind in den Niederlanden angekommen. Am Mittwochnachmittag landeten auf dem Flughafen in Eindhoven zwei Militärmaschinen mit 40 Särgen der Opfer. Im gesamten Land wurde anschließend eine Schweigeminute für die Opfer eingelegt, bevor die Särge zur Identifizierung in eine Militärkaserne mit großer medizinischer Abteilung in Hilversum gebracht wurden.

Es war eine bewegende, sehr respekt- und würdevolle Zeremonie, mit der die Niederlande die Rückführung erster Opfer des abgeschossenen Passagierflugzeugs MH17 der Malaysia Airlines begingen. Der Tag wurde von der Den Haager Regierung zuvor zum Tag nationaler Trauer erklärt (NiederlandeNet berichtete), und so beteiligten sich sehr viele an einer kollektiven Schweigeminute, die gegen 16.00 Uhr durchgeführt wurde. Zuvor läuteten – zeitgleich mit der Ankunft eines niederländischen und eines australischen Transportflugzeugs – im gesamten Land die Kirchenglocken. In vielen Städten des Landes versammelten sich viele Menschen zu Schweigemärschen, und auch entlang der Route, auf der die 40 Särge später in Richtung Hilversum gebracht wurden, säumten mehrere zehntausende Personen die Straßen, um den Hinterbliebenen ihre Anteilnahme auszudrücken.

Beeindruckende Zeremonie

Viele Familien und Freunde der Opfer waren – abgeschirmt von den Augen der Pressevertreter – auf den Eindhovener Flughafen gekommen, um der Ankunft der ersten Opfer auf niederländischem Boden beizuwohnen. Sie konnten sehen, wie eine niederländische Hercules mit 16 Särgen an Bord gegen 15.47 Uhr auf dem Rollfeld aufsetzte. Zwei Minuten Später landete dann auch eine australische Boing C-17, die 24 Särge geladen hatte. Ebenfalls vor Ort waren viele offizielle Vertreter jener neun Nationen, die bei dem Absturz Landsleute verloren haben. Aus den Niederlanden waren Ministerpräsident Mark Rutte sowie einige seiner Kabinettsmitglieder und Abgesandte der Parlamentsfraktionen gekommen. Für Deutschland nahm der Den Haager Botschafter Franz Josef Kremp an der Zeremonie teil. Ebenfalls vor Ort waren der niederländische König Willem-Alexander und Königin Máxima, denen die Betroffenheit deutlich anzusehen war.

Im Anschluss an die Schweigeminute wurden die 40 Särge von niederländischen Soldaten verschiedenster Teilstreitkräfte aus den Militärmaschinen getragen und zu bereitstehenden Leichenwagen gebracht. Diese Prozedur dauerte weit über eine Stunde, da jeder Sarg vor den Augen der anwesenden Staatsvertreter, Hinterbliebenen und den vielen internationalen Pressevertretern von jeweils acht Militärs langsam über das Rollfeld getragen wurde. Nachdem alle Leichenwagen mit jeweils einem der Holzsärge beladen waren, sammelte sich der Konvoi der 40 schwarzen Autos und verließ – angeführt von einer schwarzen Limousine und mehreren Motorradfahrern der Koninklijke Marechaussee – das Flughafengelände in Richtung Autobahn. Auf dem Flughafen machten sich einige Vertreter der Opfernationen anschließend auf den Weg in Richtung der beiden Militärmaschinen, um Piloten und Soldaten ihren Dank auszusprechen. Zu einer emotionalen Szene kam es, als eine Hand voll Personen aus dem Kreis der Angehörigen den Weg auf das Rollfeld gesucht hatte. Auf Fernsehbildern konnte man sehen, wie der niederländische Außenminister Frans Timmermans eines der Familienangehörigen fest umarmte und zu trösten versuchte. Beiden waren die Emotionen deutlich anzusehen.

Fotos

Der Konvoi aus 40 Leichenwagen am Autobahnkreuz Lunetten, Quelle: Maurits90/cc-0
© Maurits90/cc-0
  • Wie hier in Utrecht erweisen etliche Menschen entlang der Überführungsroute die letzte Ehre, Quelle: Matthijs H/cc-by-nc-sa
    © Matthijs H/cc-by-nc-sa
  • Familie legt Blumen vor der Korporaal Van Oudheusdenkazerne nieder, Quelle: RVD/cc-0
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Bis die Trauereskorte über die A2 und A27 den Weg nach Hilversum, wo die sterblichen Überreste der Opfer in der Korporaal Van Oudheusdenkazerne identifiziert werden, gefunden hatte, sollten für die Überfahrt nochmals über anderthalb Stunden vergehen. Entlang der Route hatten sich zahlreiche Menschen postiert, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen. Viele Autobahnbrücken waren mit Menschenmassen gefüllt, die einen Blick auf die beeindruckende Kolonne der 40 Leichenwagen warfen und so den Hinterbliebenen ihr Mitgefühl ausdrücken wollten. Viele von ihnen hatten Blumen mitgebracht, die sie in Richtung des Konvois warfen. Die beiden Autobahnabschnitte waren für die Zeit der Überfahrt für den restlichen Verkehr gesperrt, und so hatten viele Reisende ihre Autos auf Parkplätzen und Seitenstreifen abgestellt und standen anschließend ebenfalls für die Opfer Spalier. Besonders dicht drängten sich die Menschenmassen vor dem Eingang zur Kaserne. In bis zu sieben Reihen stand man dicht gedrängt entlang der Straße, um den Opfern Anteilnahme auszudrücken. Und auch hier flogen viele Nelken und weiße Blumenblätter auf den Konvoi, bevor nach und nach alle 40 Wagen hinter den Toren der Kaserne verschwanden.

Gleiche Zeremonie für die restlichen Opfer

Die sterblichen Überreste der noch verbliebenen 258 Opfer sollen in den kommenden Tagen nach und nach in die Niederlande überführt werden. Bislang sind rund 200 Leichen an der Unglücksstelle geborgen und nach Charkow überführt worden (NiederlandeNet berichtete). Für sie ist dieselbe Zeremonie wie für die ersten 40 Opfer geplant. So werden für den heutigen Donnerstag 74 Särge aus der Ukraine erwartet. Die niederländische Hercules ist deshalb bereits gestern Abend nach Charkow aufgebrochen, die australische C-17 macht sich am heutigen Vormittag auf den Rückweg. Die Ankunft in den Niederlanden wird wiederum für etwa 16.00 Uhr erwartet. Dann wird erneut mindestens ein Vertreter der niederländischen Regierung vor Ort sein. Auch werden für die Zeit der Überführung nach Hilversum Autobahnen zeitweise gesperrt.