Nachrichten JuLi 2014


WM: Deutschland wird Weltmeister – die Niederlande freuen sich

Brasilia/Rio de Janeiro. KK/AD/DT/nieuws.nl/NRC/VK. 14. Juli 2014.

Nach einem Monat ist die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien nun zu Ende gegangen. Die Niederlande sicherten sich im ‚kleinen Finale‘ am Samstag mit einem 3:0 gegen das Gastland Brasilien den dritten Platz und feuerten im Endspiel gestern die deutsche Mannschaft an.

Die Enttäuschung nach der Niederlage gegen Argentinien im Halbfinale war groß. „Ich weiß gerade nicht, was ich sagen soll. Das ist hart und tut echt weh. Ich fand, dass wird mehr verdient hätten“, so Wesley Sneijder nach dem Spiel. Arjen Robben fand daneben auch positive Worte: „Natürlich überwiegt die Enttäuschung, aber ich denke, dass wir sehr schnell umschalten müssen. Ich bin so stolz, und das meine ich ernst, auf diese Mannschaft.“ Er zeigte sich bereits im Laufe des Turniers mehrfach begeistert vom Teamgeist und der Atmosphäre in der Mannschaft, sowohl auf dem Feld als auch abseits davon.

Nach der Niederlage galt es nun, sich auf das folgende Spiel zu konzentrieren. „Es ist klar, dass wir das ‚kleine Finale‘ gewinnen wollen. Ich habe die Geschichten von 1998 gelesen, dass die Spieler sich nicht auf das Spiel gefreut haben und das hinterher bereut haben“, so Verteidiger Stefan de Vrij. Allerdings äußerten auch diesmal einige Spieler im Vorfeld Kritik an dem ‚Trostfinale‘. „Das ‚Trostfinale‘ kann mir gestohlen bleiben“, so Robben. „Es zählt nur ein Preis und das ist der Weltmeistertitel.“ Trotzdem schaffte es die Elftal, nach vorne zu schauen und gewann so das Spiel um Platz drei gegen Brasilien.

Noch vor dem Finale am Sonntag machte sich die niederländische Elftal auf den Weg in die Heimat. Sie landete gestern Nachmittag in Rotterdam, wo sie – trotz eines Aufrufs nicht zu kommen – von mehreren Hundert Fans begrüßt wurde. „Mit so einem Empfang haben wir nicht gerechnet“, sagte Daryl Janmaat. Vom Flughafen ging es in das traditionelle Mannschaftshotel nach Noordwijk, wo noch einmal rund 2.000 Fans auf die Spieler warteten. Dort verabschiedeten sich Spieler und Trainer voneinander. Für Louis van Gaal geht es direkt weiter. Er tritt am Mittwoch seine neue Stelle als Teammanager bei Manchester United an.

Die Spieler haben nun erst einmal Urlaub. Natürlich sind sie enttäuscht, aber das Land steht hinter seiner Mannschaft. Niemand hatte zu Beginn der WM einen solchen Erfolg erwartet. De Telegraaf stellte heute daher auch die niederländische Mannschaft und nicht den Weltmeister in den Vordergrund und bedankte sich für die tolle WM. „Kein Weltmeister, aber sieben Spiele ungeschlagen“, heißt es dort. Auch online soll die Mannschaft geehrt werden: Die Initiatoren der Facebook-Seite ‚Nationale Huldiging Oranje‘ wollen in dieser Woche eine Millionen Likes sammeln, und so die Begeisterung der Niederländer zeigen. Der KNVB seinerseits bedankt sich bei den Fans für die Unterstützung mit einer ganzseitigen Anzeige in den Tageszeitungen.

Vom Erzrivalen zum nachbarschaftlichen Unterstützer

Das Endspiel sahen sich am Sonntag trotz des Ausscheidens der Elftal über 6 Millionen Niederländer an – 2010 saßen beim Finale Spanien gegen die Niederlande 8,5 Millionen Niederländer vor den Fernsehbildschirmen. Viele Niederländer feuerten nun die deutsche Mannschaft an. Dies hatte natürlich einerseits damit zu tun, dass Argentinien die Elftal aus dem Turnier gekickt hatte. Andererseits ist Deutschland in den Niederlanden derzeit auch so beliebt wie nie zuvor. Berlin gilt vor allem bei niederländischen Jugendlichen als hip und Deutschland spielt als wichtigster Handelspartner ebenso eine Rolle wie als Urlaubsland.

Die niederländischen Medien zeigen sich heute überzeugt davon, dass Deutschland zu Recht Weltmeister geworden ist. Die Tageszeitung Trouw bezeichnete die deutsche Mannschaft als „unbestreitbar beste Fußballmannschaft des vergangenen Monats“. Die Titelseite des Algemeen Dagblad wird von einem Foto der deutschen Mannschaft und den Worten: „1954, 1974, 1990 und..2014 Deutschland wieder Weltmeister (und zu Recht)“ ausgefüllt. In einer Kolumne schreibt Fußballlegende Willem van Hanegem hier: „Wenn ich ehrlich sein soll, die Deutschen haben den Weltmeistertitel verdient. Sie haben in jedem Spiel ihre Klasse gezeigt und haben sich für schönen Fußball entschieden, wenn es ging.“ Auch das NRC Handelsblad sieht Deutschland als berechtigten Sieger, als das beste Team der Weltmeisterschaft. „Deutschland war insgesamt das dominanteste Team und spielte darüber hinaus kreativen und angriffsstarken Fußball.“

Mit solchen Aussagen scheinen die deutsch-niederländischen Fußballrivalitäten überwunden. Wäre es allerdings zu einem Finale Deutschland - Niederlande gekommen, sähe dies vermutlich anders aus. Der Journalist Niels Graaf beschreibt die Tatsache, dass die Niederlande durch Argentinien ausgeschaltet wurden, in einem Kommentar in der Volkskrant als großen Gewinn. Denn ein Finale gegen Deutschland hätte die Elftal seiner Meinung nach nicht gewonnen. Die Niederlage sei daher für die bilateralen Beziehungen mit Deutschland sehr gut. „Eine Wiederholung von 1974 hätte unvermeidlich die anti-deutschen Gefühle ordentlich angefacht.“ Das Trauma von 1974 sitzt bei den Niederländern noch immer tief. Eine erneute Niederlage gegen Deutschland im Finale hätte laut Graaf dann auch verheerende Auswirkungen: In der Schule würde die deutsche Sprache einen stillen Tod sterben, auf dem Campingplatz würde nicht mehr mit Deutschen gesprochen und erst recht nicht mehr gelacht werden.

Beste Spieler des Turniers

Nicht nur die Mannschaften, auch einzelne Spieler wurden von der FIFA geehrt. Als besten Spieler des Turniers sieht Fußballexperte Van Hanegem Arjen Robben. „Bei einem Turnier, bei dem nicht nur deine positive Spieleinstellung sondern vor allem Fitness ausschlaggebend sind, stellte er sich als Bester des Turniers heraus.“ Die FIFA sah dies anders und verlieh den Goldenen Ball gestern an Lionel Messi, der sich nach dem verlorenen Finale allerdings nicht wirklich darüber freuen konnte. „Ich wollte den Pokal mit nach Hause nehmen für alle Argentinier. Diesen Preis finde ich wirklich nicht wichtig.“ Robben wurde nach Thomas Müller zum drittbesten Spieler der WM ernannt. Memphis Depay verpasste knapp den Titel des größten Talents des Turniers. Den erhielt der Franzose Paul Pogba.

Online können nun noch die Zuschauer auf fifa.com über das Tor des Turniers abstimmen. Einer der Nominierten ist Robin van Persie mit seinem Kopfballtreffer zum 1:1 gegen Spanien.

Mehr zu den deutsch-niederländischenFußballgeschichte finden Sie im Dossier Deutsch-niederländische Fußballrivalitäten.