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WM: Niederlande im Oranjefieber

Amsterdam/Salvador. /BNR/DT/NOS/Novum/NRC. 04. Juli 2014.

In den Niederlanden greift die „ojanjegekte“ um sich. Diese „Verrücktheit“ äußert sich darin, dass alle möglichen Gegenstände – von der Hausfassade bis zur Bierflasche zur Fußball-WM – einen orangenen Anstrich bekommen. Vor dem Viertelfinalspiel der Elftal am späten Samstagabend gegen Costa Rica konnten die Umsätze des Einzelhandels für „oranje“-Produkte so auch nochmals ansteigen und erreichen nun beinahe den Stand der WM 2010, als es das niederländische Team bis ins Finale schaffte.

Beim niederländischen Einzelhandel klingeln momentan die Kassen. Laut des Marktforschungsinstituts GfK bedeutete die Fußball-Weltmeisterschaft bislang einen zusätzlichen Umsatz von 42 Millionen Euro. Ein Vergleich der Juni-Umsätze mit denen im selben Zeitraum vor einem Jahr liefert eine Steigerung von 4 Prozent – ein Erfolg, der unter anderem der aktuellen WM-Endrunde in Brasilien zu verdanken ist. Durchschnittlich gibt man in den Niederlanden 5 Euro pro Kopf für Oranjeprodukte aus.

Unter den Produkten finden sich die normalen Fanartikel wie Trikots, Fahnen, Hüte und T-Shirts, aber auch viele Lebensmittelhersteller haben ihre Verpackungen oder gar Produkte dem Anlass entsprechend orange gefärbt. Alleine der Chipshersteller Lays bietet sechs seiner Produkte in einer orangenen Sonderedition an. Hinzu gesellen sich in den Auslagen der Supermärkte Bierflaschen in Orange, orangene Schokolinsen und Schaumküsse, Oranjepudding oder das beliebte Gebäck Tompouce, welches in den Bäckereien aktuell zu Tausenden mit einer orangenen Glasur angeboten wird. Die kleinen Kuchenstückchen sind zudem Namensgeber für den sogenannten Tompouce-Index, mit dem die GfK während Königstagen, Olympischen Spielen oder EM- und WM-Turnieren den Umsatz von Oranjeprodukten misst.

Der niederländische Handel profitiert aber nicht nur von einem guten Abschneiden des eigenen Teams. Auch Siege der Teams aus den noch im Turnier befindlichen drei Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Belgien wirken sich durch bessere Exportzahlen auf die niederländische Wirtschaft aus. Bei der heutigen ersten Viertelfinalbegegnung zwischen Deutschland und Frankreich drücken – zumindest die Exporteure – eher der DFB-Elf die Daumen: „Deutschland ist mit 26 Prozent Exportanteil bei Lebensmittel und Getränken der bedeutendste Partner der Niederlande“, so Rob Ruw von der Wirtschaftsabteilung der ING-Bank gegenüber BNR Nieuwsradio.

Neben Lebensmitteln gibt der durchschnittliche niederländische Fußballfan aber auch viel Geld für die Verzierung seines Hauses oder gar ganzer Straßenzüge mit orangenen Wimpeln, Fahnen und Girlanden aus. Auch viele Haustiere sind vor der „Oranjegekte“ nicht gefeit und werden zu zusätzlichen Oranjefans. Etwas mehr als andere investiert haben rund 200 Personen, die heute Morgen mit einem Sonderflug vom Amsterdam-Schiphol aus für drei Tage in Richtung Viertelfinalspiel in Basilien aufgebrochen sind. Wie der Nachrichtensender NOS berichtet, bezahlen die Fans durchschnittlich 2.800 Euro den Wochenendtrip mitsamt Spielbesuch in der Arena Fonte Nova.

Dass die Partie der Elftal gegen Costa Rica im Stadion von Salvador stattfindet, könnte für die Niederlande ein gutes Vorzeichen sein. Denn genau hier feierte man vor gut drei Wochen den überragenden 5:1-Sieg über Weltmeister Spanien. Diesmal muss das Team von Bondscoach Louis van Gaal allerdings ohne die verletzten Nigel de Jong und Leroy Fer auskommen. Sollte man Costa Rica schlagen, warten als Halbfinalgegner ja vielleicht die Roten Teufel aus Belgien auf die Niederlande. Auf ein solches Nachbarschaftsduell würden sich beide Länder freuen.