Nachrichten Januar 2014


WIRTSCHAFT: Eröffnung eines niederländischen Mega-Offshore-Windparks für 2017 geplant

Amsterdam/Bussum. KL/nos.nl/NRC/nu.nl. 31. Januar 2014.

Wie die Firmen Typhoon Offshore und Northland Power Donnerstagmorgen bekanntgaben, ist die Finanzierung eines neuen Groß-Windparks in der Nordsee sichergestellt. Bereits im kommenden Jahr solle mit dem Bau von 150 Windanlagen rund 55 Kilometer nördlich der westfriesischen Inseln Schiermonnikoog und Ameland begonnen werden. Der Park werde nach seiner Fertigstellung 600 Megawatt Strom liefern.

Bei dem Vorhaben handelt es sich um eines der größten Bauprojekte im Offshore-Bereich überhaupt. Der Betrieb des Windparks soll 2017 aufgenommen werden. Ab diesem Zeitpunkt hätte das Projekt Anspruch auf staatliche Subventionen in einer Gesamthöhe von 4,4 Milliarden Euro, die verteilt über einen Zeitraum von 15 Jahren ausgezahlt würden. Diese Subventionierung nachhaltiger Energie soll nach dem Willen der niederländischen Regierung dafür sorgen, die Konkurrenzfähigkeit des teuren Ökostroms gegenüber dem günstigen Atomstrom zu verbessern. Nach Ansicht von Dirk Berkhout, Miteigentümer des niederländischen Windpark-Entwicklers Typhoon Offshore, habe man mit diesem Projekt bewiesen, dass Nachhaltigkeit rentabel sein könne. Seine Firma plane für die Zukunft weitere Windparks, die dann insgesamt vier Gigawatt Strom liefern könnten.

Die Gesamtkosten des Windparks werden nach Schätzung von Typhoon Offshore 2,8 Milliarden Euro betragen. Ein aus zehn internationalen Banken bestehendes Konsortium wird zirka 950 Millionen Euro zu dem Projekt beisteuern. Wichtigster Geldgeber des Großprojekts ist der kanadische Energiekonzern Northland Power, der 60 Prozent der Anteile hält. Auf dem zweiten Platz folgt die in München ansässige Siemens Financial Services GmbH mit einer Beteiligung von 20 Prozent.

Die Errichtung des Windparks nördlich der westfriesischen Inseln Schiermonnikoog und Ameland soll sicherstellen, dass bis zum Jahr 2020 rund 14 Prozent des Gesamtenergiebedarfs der Niederlande aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden können. Dies war im September 2013 in einem Energieabkommen vereinbart worden, das EU-Vorgaben auf nationaler Ebene umsetzte. Die niederländische Regierung kümmert sich derzeit intensiv darum, weitere Flächen zur Errichtung von Windparks auszuweisen.

Die Freude der beteiligten Firmen über das aktuelle Projekt wird von den Bewohnern der Westfriesischen Inseln übrigens kaum geteilt. Bereits vor einer Woche hatte der Bürgermeister von Ameland, Albert de Hoop, im Namen aller fünf bewohnten Westfriesischen Inseln einen Brief an den niederländischen Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) geschrieben. Darin kritisierte er unter anderem, dass ein „Wald von Masten“ zu entstehen drohe, der sogar vom Festland aus zu sehen sein werde. Außerdem seien die Inseln eines der wichtigsten Brut- und Rückzugsgebiete für Vögel in Europa. Der Windpark widerspreche zudem allen internationalen Abmachungen aus der Vergangenheit – schließlich stehe die gesamte Wattenmeer-Region in den Niederlanden und Deutschland auf der Weltnaturerbe-Liste der UNESCO. Des Weiteren befürchte man besonders auf Ameland einen starken Rückgang der Touristenzahlen.

Bei einem vergleichbaren Projekt war es in den vergangenen Jahren übrigens zu einem handfesten Grenzstreit zwischen den Niederlanden und Deutschland gekommen, als der deutsche Windpark Riffgat zwischen der westfriesischen Insel Schiermonnikoog und der ostfriesischen Insel Borkum errichtet wurde (NiederlandeNet berichtete).

Weitere Informationen zum Thema Energiewirtschaft befinden sich im Energiedossier von NiederlandeNet.