Nachrichten Januar 2014


WIRTSCHAFT: Auch niederländische Firmen sollen von DDR-Zwangsarbeit profitiert haben

Hilversum/Berlin. KL/eenvandaag.nl/NRC/tagesspiegel.de/taz.de. 24. Januar 2014.


Namhafte niederländische Unternehmen, wie HEMA, C&A, Wehkamp, Philips und Shell, haben angeblich in den 1970er und 80er Jahren Produkte von politischen Gefangenen in der DDR herstellen lassen. Das berichtete das Fernsehmagazin Eenvandaag gestern, unter Berufung auf eine Forschungsarbeit der Stasi-Unterlagen-Behörde, die unter dem Titel „Knastware für den Klassenfeind“ vorgelegt wurde.

So habe das Bekleidungsunternehmen C&A Sportschuhe und vermutlich auch Damenstrümpfe verkauft, die von Opfern des kommunistischen Regimes angefertigt wurden. Der Versandhändler Wehkamp habe Möbel von einem Betrieb in Güstrow bezogen und die Handelskette HEMA habe orangefarbene Brotkästen bei einer Firma in sächsischen Beierfeld produzieren lassen. Auch die Namen der niederländischen Großkonzerne Philips und Shell werden in direkten oder indirekten Zusammenhang mit Zwangsarbeit von politischen Häftlingen in der DDR gebracht.

Es ist schon länger bekannt, dass das schwedische Möbelhaus IKEA viele Produkte von Gefangenen in der DDR herstellen ließ. Auch zahlreiche westdeutsche Firmen, wie VW, Aldi, Karstadt, Quelle, Otto und Neckermann sollen die billige Arbeitskraft der Häftlinge für ihre Zwecke genutzt haben. Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) habe außerdem Blutspenden gekauft, zu denen die Gefangenen in der DDR gezwungen wurden.  Der Historiker Tobias Wunschik, Autor der Studie „Knastware für den Klassenfeind“, schätzt, dass die DDR jährlich von Häftlingen produzierte Waren im Wert von rund 200 Millionen D-Mark umgesetzt hat; ein finanzieller Segen für den von Geldsorgen geplagten totalitären Staat. Zwischen 1960 und 1975 seien jedes Jahr zwischen 21.000 und 39.000 Häftlinge für die Produktion eingesetzt worden –, darunter hätten sich auch politische Gefangene befunden.

Die Bedingungen im DDR-Strafvollzug, insbesondere die Behandlung politischer Häftlinge, ist bisher noch nicht hinreichend erforscht. Die deutsche Bundesregierung hat deshalb im vergangenen Dezember eine umfassende Forschungsarbeit in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse der jetzt vorgelegten Studie sollen darin aufgenommen werden.