Nachrichten Januar 2014


ENTSCHÄDIGUNG: Deutschland erkennt Amsterdamer Ghettos an

Amsterdam/Bonn. AF/MWE/historiek.net/NRC/Parool/VBV. 22. Januar 2014.

Die deutsche Regierung hat drei Stadtteile Amsterdams, die im Zweiten Weltkrieg als Ghettos dienten, als solche anerkannt. Dadurch kommen Personen, die während der deutschen Besatzung in diesen Ghettos arbeiteten, für eine einmalige Entschädigung in Höhe von 2.000 Euro in Betracht. Der Verbond Belangenbehartiging Vervolgingsslachtoffers (VBV, dt. Verband Interessenvertretung Verfolgungsopfer) hatte sich für diese Anerkennung eingesetzt.

Im Mai 2012 wurden die Straßen Waterlooplein und Jodenbreestraat in Amsterdam als Ghettos anerkannt. Dies war das Ergebnis einer zehnjährigen juristischen Auseinandersetzung. Doch der VBV war der Meinung, dass das Ghetto in Wirklichkeit größer war und überzeugte am vergangenen Freitag in Bonn auch eine Delegation des deutschen Finanzministeriums davon. Jetzt werden ein großer Teil des Amsterdamer Zentrums sowie die Viertel Transvaalbuurt und Rivierenbuurt zu diesem Ghetto gerechnet.

Laut VBV gab es bereits früher rund 1.200 Anmeldungen für Entschädigungs-zahlungen, die allerdings abgewiesen wurden, da die entsprechenden Gebiete bislang nicht als Ghettos anerkannt worden waren. Diese müssen nun erneut geprüft werden.

„Niederländische Juden erhielten während des Kriegs Berufsverbot und wurden in diesen Ghettos kaserniert bevor sie in die Konzentrationslager deportiert wurden. In den Amsterdamer Ghettos hielten sie sich und ihre Familien häufig mit Arbeiten wie dem Nähen von Taschen über Wasser. Das war keine Zwangsarbeit, aber sie waren gezwungenermaßen im Ghetto, also war es auch keine freiwillige Arbeit“, so Flory Neter, die Vorsitzende des VBV. Neter rechnet damit, dass die Zahl der Entschädigungsanträge noch steigen wird, da unter den Antragsstellern auch Personen seien, die als Kinder im Ghetto gearbeitet hätten.

Mehr über die Lebensbedingungen der niederländischen Juden während der deutschen Besatzungszeit erfahren Sie in unserem Dossier Die Judenverfolgung in den Niederlanden 1940-45