Nachrichten August 2014


EUTHANASIE: Sterbehilfe-Sprechstunden in den Niederlanden

Den Haag. AF/CBS/NRC/NVVE/zorghulpatlas.nl. 06. August 2014.

Die Niederländische Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende (NVVE) bietet seit vergangenem Wochenende sogenannte Sterbehilfe-Sprechstunden an. Die rund 100.000 Mitglieder der NVVE können in über 30 Orten im Land mit geschulten Beratern kostenlos über alle Fragen zum Thema Sterbehilfe sprechen. Das Interesse ist groß, berichtete das NRC Handelsblad am Dienstag, in Den Haag seien bereits jetzt alle Termine bis zum Jahresende ausgebucht.

In persönlichen Gesprächen werden NVVE-Mitglieder in der Sprechstunde über allgemeine Fragen zum Thema Sterbehilfe beraten. Hilfestellung bietet die Vereinigung zudem beim Ausfüllen der Willenserklärung, mit der schriftlich fixiert werden soll, in welchen Situationen eine Person Sterbehilfe wünscht, oder nicht weiter behandelt oder reanimiert werden will. Auch kann in dem Dokument geregelt werden, wer die Entscheidungen über Leben oder Tod treffen soll, wenn der Patient es selbst nicht mehr kann. Viele Menschen ließen die Willenserklärung jedoch aus Angst unausgefüllt in der Schublade liegen, so Petra de Jong von der NVVE. „Wir merken, dass viele Menschen es sehr schwierig finden, ihre letzten Wünsche gut zu formulieren.“

Mit zunehmendem Alter steigt die Angst vor Demenz oder Inkontinenz. Wird man bald die eigenen Kinder nicht mehr erkennen oder aggressives Verhalten gegenüber pflegenden Angehörige zeigen? Demenz, soziale Desorientierung oder Verlust über die Kontrolle der eigenen Körperfunktionen seien die meistgenannten Gründe in Willenserklärungen, so das NRC Handelsblad. Laut Statistikbüro CBS war im Jahr 2010 in acht von zehn Sterbehilfefällen eine Krebserkrankung der Grund für die Entscheidung, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Bei rund 3.800 Personen in den Niederlanden wurde 2010 Sterbehilfe geleistet, also bei rund 2,8 Prozent aller Verstorbenen.

Die NVVE wurde 1973 gegründet, um das Thema Sterbehilfe auf die politische Agenda zu setzen und dort zu halten. Der Verein informiert Öffentlichkeit und Patienten über Sterbehilfe, diskutiert mit Ärzten und Pflegeeinrichtungen und ist Gesprächspartner für Politik, Wissenschaft und Presse.

Dokument des niederländischen Außenministeriums: FAQ zum Thema Sterbehilfe (engl)

Mehr in unserem Dossier Sterbehilfe in den Niederlanden