Nachrichten August 2014


MH17: Ermittlungen und Identifizierungen kommen voran

Den Haag/Donezk. /NOS/VK. 01. August 2014.

Das Team von niederländischen und internationalen Experten, welches momentan den Absturz des Fluges MH17 über der Ostukraine untersucht, konnte heute einen Erfolg verbuchen. Zum ersten Mal seit dem Flugzeugabsturz am Nachmittag des 17. Juli erreichten rund 70 niederländische und australische Experten die Unglücksstelle, um nach den restlichen Opfern zu suchen und weitere Untersuchungen durchzuführen.

Bereits seit Tagen versuchte ein Team von Forensikexperten und Polizisten aus den Niederlanden und anderen Nationen vergeblich, die Stelle zu erreichen, an der Flug MH17 der Gesellschaft Malaysia Airlines abgestürzt war. Immer wieder musste das internationale Team umkehren, da Kämpfe zwischen ukrainischem Militär und prorussischen Separatisten ein Durchkommen unmöglich machten (NiederlandeNet berichtete) berichtete. Gestern nun konnte ein Vorab-Kommando über einen großen Umweg erstmals von Charkow bis zur Unglücksstelle durchkommen. Heute folgten – begleitet von OSZE-Einheiten – 70 niederländische und australische Experten, um zwischen den Wrackteilen nach menschlichen Überresten zu suchen: „Nach der erfolgreichen Erkundung gestern ist es uns heute gelungen, unsere Experten ans Ziel zu bringen. Wenn diese während der Erkundungen sterbliche Überreste finden, werden diese direkt mitgenommen”, so der niederländische Missionschef Pieter-Jaap Aalbersberg heute Vormittag.

Opfer geborgen und identifiziert

Gestern konnten die Experten bereits einen weiteren Schritt hin zur Identifizierung und Rückführung aller Opfer in die Niederlande gehen: Die Forensikexperten bekamen von Unbekannten 25 Proben mit DNA-Material von Opfern sowie persönliche Gegenstände von 27 Opfern überreicht. Und auch heute konnte das Vor-Ort-Team vier Stunden lang wichtige Spuren sowie menschliche Überreste an der Unglücksstätte sichern und für die Überführung mit Kühlwagen nach Charkow und von dort in die Niederlande auf den Weg bringen: „Wir sind froh, dass wir dafür sorgen können, dass diese sterblichen Überreste jetzt in die Niederlande überführt werden können. Wir hoffen, dass dies für die Hinterbliebenen ein Trost sein wird. Für unsere Leute ist es eine Erleichterung, dass sie jetzt ihre Arbeit machen können“, so Aalbersberg am Nachmittag.

Die Zahl der niederländischen Opfer ist in den vergangenen Tagen immer wieder weiter nach oben korrigiert worden. Stammten vor gut einer Woche noch 192 der 298 Toten aus den Niederlanden, vermeldete man gestern, dass das Land 196 Opfer zu beklagen hat. Grund dafür sind in den meisten Fällen doppelte Nationalitäten der Verunglückten. So reiste das letzte gemeldete niederländische Opfer mit einem malaysischen Pass, besaß zudem aber auch die niederländische Nationalität.

Auch bei den Identifizierungsarbeiten in der Korporaal Van Oudheusdenkaserne in Hilversum, wohin alle sterblichen Überreste der Opfer verbracht werden (NiederlandeNet berichtete), konnten inzwischen mehrere Erfolge verzeichnet werden. Bereits in der vergangenen Woche wurde gemeldet, dass das dortige Team von 200 Spezialisten ein erstes Opfer aus den Niederlanden eindeutig identifizieren konnte. Heute wurde bekannt, dass auch die Identität eines zweiten Leichnams eindeutig bestimmt werden konnte. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine Person mit niederländischer Nationalität. Bis alle Opfer identifiziert wurden, kann es noch Monate dauern.

Im Moment arbeiten nach Schätzungen des niederländischen Nachrichtensenders NOS insgesamt rund 840 niederländische Polizisten an der Aufklärung des Absturzes. 750 davon sind in den Niederlanden stationiert, 90 in der Ukraine. Damit formen sie die größte strafrechtliche Untersuchung, welche je von den Niederlanden durchgeführt wurde.