Nachrichten AUGUST 2014


RASSISMUSDEBATTE: Zwarte Piet-Diskussion geht in eine neue Runde

Den Haag. /hema/NRC/Parool/TG/VK. 27. August 2014.

Die niederländische Warenhauskette Hema verbannt den Zwarte Piet aus ihrem Angebot, meldete die Amsterdamer Tageszeitung Het Parool am Dienstag. Das Warenhaus reagiere damit auf die Rassismus-Debatte um den Helfer des niederländischen Nikolaus, die vergangenen Dezember für viel Aufsehen gesorgt hatte. Die neue Meldung löste ebenfalls einigen Wirbel aus. Viele Twitter-Nutzer riefen dazu auf, Hema zu boykottieren.

„Für mich gilt ab sofort: kein Hema mehr!“, twitterte der rechtspopulistische Politiker Geert Wilders sofort nach Veröffentlichung der Meldung, Hema werde seine Sinterklaas-Artikel und -Dekorationen in Zukunft anpassen. Es sei schade, dass sich Hema am „politisch korrekten Terror der Nörgler (nl. : zeurpieten)“ beteilige und den Zwarte Piet verbanne, schrieb ein anderer Twitter-User. Der Hashtag #BoycotHema war Dienstagabend im niederländischen Twitter-Universum trending topic.

Das Unternehmen reagierte auf seiner Website: „Hema verbannt Piet nicht. In unserem Sortiment werden weiterhin Pieten zu finden sein. Wir verfolgen die gesellschaftliche Diskussion und werden die Vorschriften, die sich daraus ergeben werden, respektieren. Für den 5. Dezember ist bereits alles eingekauft und über kommendes Jahr können wir noch keine Aussagen treffen.“

Die Medien stürzten sich auf das Thema. Andere Warenhäuser wurden nach ihrer Strategie befragt. Blokker Holding, wozu Bart Smit, Intertoys, Blokker und Xenos gehören, war für einen Kommentar nicht erreichbar, so das NRC Handelsblad. V&D werde sein Sinterklaas-Dekorationsmaterial der vergangenen Jahre weiterhin nutzen, so ein Sprecher. „Wir werden nicht den Schmuck in allen Filialen ersetzen, das ist finanziell nicht zu schaffen.“ Bijenkorf am Amsterdamer Dam habe ebenfalls keine Pläne, die schwarzen Deko-Pieten, die zur Nikolauszeit an der Fassade des Warenhauses hinaufkletterten durch Regenbogenexemplare zu ersetzen. Dennoch passe man die Figur peu à peu an. So hätten die Zwarte Pieten bei Bijenkorf seit Jahren keine goldenen Ohrringe mehr und gäbe es bereits Pieten mit glattem Haar und geflochtenen Zöpfen.

Im Juli hatte das Amsterdamer Verwaltungsgericht geurteilt, dass die traditionelle Figur des Zwarte Piet ein negatives Klischee darstelle. Der Einzug des Sinterklaas mit den schwarzen Helfern sei demnach beleidigend für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Der Anwalt der Kläger, Frank King, erklärte nach dem Urteil der Richter habe „auf juristisch-fachmännische Art dem Zwarte Piet das Genick gebrochen“. Die Gemeinde Amsterdam legte gegen das Urteil Berufung ein. Nun beschäftigt sich der Raad van Staate, ein Verfassungsorgan zur Beratung der Regierung, mit dem Thema. Frank King teilte unterdessen mit, er werde sein Mandat niederlegen, da er Todesdrohungen erhalten habe.

Empfehlung der UN: Offene Debatte über diese Tradition

Seit Jahren klagen Kritiker, die niederländische Version des Knechts Ruprechts mit schwarzem Gesicht, roten Lippen, krausen Perücken und goldenen Ohrringen sei rassistisch (NiederlandeNet berichtete). Diese Kritik hatte Anfang des Jahres erstmals die Landesgrenzen der Niederlande verlassen, als der niederländische Staat einen Brief von vier UNO-Berichterstattern für Menschenrechte, kulturelle Rechte, Minderheitenrechte und Rassismus bekam. Man wolle klären, inwieweit das niederländische Nikolausfest rassistische Züge enthalte und zu einer nicht gewünschten Stereotypenbildung beitrage (NiederlandeNet berichtete).

Eine fünfköpfige UN-Expertengruppe gab in einem Statement im November 2013 dann die Empfehlung, in den Niederlanden eine offene Debatte über diese Tradition anzustoßen. „Es ist deutlich, dass viele Menschen, besonders Personen mit afrikanischen Wurzeln, der Ansicht sind, dass viele Aspekte des Zwarte Piet in unakzeptablen, kolonialen Einstellungen wurzeln, welche sie rassistisch und beleidigend finden.“