Nachrichten November 2013


BILDUNG: Initiative für Erhalt des Deutschunterrichts an niederländischen Berufsschulen

Nimwegen. /dG/DT/fg/l1. 20. November 2013.

Mit Beginn des kommenden Jahres verschwindet Deutsch als verpflichtetes Unterrichtsfach komplett aus dem Lehrplan des berufsbildenden Sekundarunterrichts in den Niederlanden. Hiergegen setzten sich jetzt viele Bürgermeister aus der Grenzregion zur Wehr. Mit einem gemeinsamen Brief an die niederländische Bildungsministerin wollen sie die Regierung in Den Haag davon überzeugen, dass in den Berufsschulen in der Grenzregion sogar mehr Deutschunterricht als bisher stattfinden sollte. Die Regierungspläne sehen seit 2012 jedoch vor, dass Englisch und Mathematik als Pflichtfächer in Zukunft eine größere Bedeutung haben sollen; was oftmals zur Folge hat, dass die Schülerinnen und Schüler wenig motiviert sind, mit Deutsch eine zweite Fremdsprache zu belegen.

Amtskollegen aus zehn anderen Grenzgemeinden hat Nimwegens Bürgermeister Hubert Bruls schon mit ins Boot holen können. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen schreibt der Initiator jetzt an einem Protestbrief an die niederländische Bildungsministerin Jet Bussemaker, der in der kommenden Woche verschickt werden soll. Bis dahin hofft Hubert Bruls von Maastricht bis Groningen noch weitere Kollegen aus dem Grenzgebiet mit für seine Sache gewinnen zu können. Konkret befürchten die niederländischen Bürgermeister eine Marginalisierung des Deutschen im Berufsschulunterricht und bringen dabei dieselben Argumente vor, die 2011 schon eine vom niederländischen Bildungsministerium in Auftrag gegebene Studie anbrachte: Die Studie sprach von einem „besorgniserregenden Zustand“ des Schulfaches an niederländischen Bildungseinrichtungen (NiederlandeNet berichtete). Dabei bestätigten die Ergebnisse auch die seit Jahren geäußerte Meinung vieler leitender Verwaltungsangestellter, von Bildungsinstitutionen sowie Unternehmen, dass es nicht passe, dass die Kenntnis der deutschen Sprache in den Niederlanden als einem Land, welches stark von Deutschland abhängig ist, seit Jahren auf einem schlechten Niveau ist.

Nimwegens Bürgermeister Bruls ist der Ansicht, dass das Fach in den Berufsschulen der Grenzregion nicht abgeschafft werden dürfe. Grund dafür ist, dass man entlang der Grenze einfach nicht ohne die Sprache des direkten Nachbarlandes auskommen könne. Die schwindende Aufmerksamkeit für die deutsche Sprache bezeichnet er als eine „dramatische“ Entwicklung und verweist auf das enorme wirtschaftliche Potential des deutschen Hinterlandes für die niederländischen Grenzregionen. Die Niederlande erzielen gut 30 Prozent ihres Einkommens durch die deutschen Nachbarn. „Berufsschulen sind die größten Bezugsquellen von Fachkräften. Wenn die Jungen und Mädchen in Zukunft kein Deutsch mehr sprechen und schreiben können, dann ist das eine sehr schlechte Entwicklung.“ Venlos Beigeordneter Stephan Satijn spricht ebenfalls von einer besorgniserregenden Entwicklung und verlangt Besserung: „Daher fordern wir in diesem Brief für das Fachpersonal in den nach Deutschland orientierten Wirtschaftsbereichen bessere Deutschkenntnisse – insbesondere bei den vielen dieser Firmen, die im Osten der Niederlande angesiedelt sind.“

Neben den Bürgermeistern sind auch die Regionalen Berufsbildungszentren (ROCs) in der Provinz Gelderland der Meinung, dass das Fach Deutsch in der Grenzregion zu den Standardfächern gehören muss. Gemeinsam mit dem Goetheinstitut und den Fachhochschulen Arnheim und Nimwegen haben sie deshalb auch bereits einen „alternativen Lehrplan“ mit freiwilligen Lehrangeboten entwickelt. Wie die Regionalzeitung de Gelderlander berichtete, bietet das ROC Graafschap College in Doetinchem ab dem Schuljahr 2015/2016 allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Deutsch als Wahlfach zu belegen. Da Deutsch momentan lediglich bei Ausbildungsberufen in den Sektoren Wirtschaft und Dienstleistung als fester Unterrichtsbaustein vorhanden ist, würde die Neuregelung eine beträchtliche Ausbreitung des Angebots bedeuten.