Nachrichten November 2013


RASSISMUSDEBATTE: Jubel und Protest bei Einzug des Sinterklaas

Amsterdam. AF/AD/NOS/pietitie.nl/TG/VK. 18. November 2013.

Der Einzug des Sinterklaas (dt. St. Nikolaus) und seinen Helfern, den Zwarte Pieten ist in den Niederlanden jedes Jahr ein großes Ereignis. Ihre Ankunft in Amsterdam am Sonntag wurde dieses Jahr sogar weltweit von den Medien verfolgt: Der seit Langem bestehende Vorwurf, die Darstellung der schwarzen Helfer sei rassistisch hatte im Oktober neue Nahrung erhalten als eine UN-Arbeitsgruppe erklärt hatte, sie wolle untersuchen, inwieweit die Figur des Zwarte Piet in seiner Rolle als „Dummkopf und Diener“ das stereotype Bild von Afrikanern als „Bürger zweiten Ranges“ bedienen würde.

Seit Jahren klagen Kritiker, die niederländische Version des Knechts Ruprechts mit schwarzem Gesicht, roten Lippen, krausen Perücken und goldenen Ohrringen sei rassistisch (NiederlandeNet berichtete). Diese Kritik hatte Anfang des Jahres erstmals die Landesgrenzen der Niederlande verlassen, als der niederländische Staat einen Brief von vier UNO-Berichterstattern für Menschenrechte, kulturelle Rechte, Minderheitenrechte und Rassismus bekam. Man wolle klären, inwieweit das niederländische Nikolausfest rassistische Züge enthalte und zu einer nicht gewünschten Stereotypenbildung beitrage (NiederlandeNet berichtete).

Deshalb wurde der diesjährige Einzug des Heiligen Nikolaus mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Einen Tag vor dem Einzug in Amsterdam protestierten hunderte Demonstranten auf dem Beursplein gegen die Figur Zwarte Piet. Überall waren Plakate mit Aufschriften wie „Zusammen feiern mit mehr Farbe und weniger Rassismus“, „Free Piet“, oder „Zwarte Piet ist koloniale Symbolik“ zu sehen. Auch Sprechchöre mit der Losung „Zwarte Piet kan niet!“ (dt.: Schwarzer Piet geht nicht!“) wurden angestimmt.

Goldene Ohrringe verboten

Um den Kritikern entgegenzukommen, wurde die Darstellung der Zwarte Pieten dieses Jahr zum Teil variiert. Goldene Ohrringe waren verboten, die Lippenstiftfarbe sowie die Haartracht waren frei wählbar.

Am Sonntag selbst zog der Heilige Nikolaus unter dem Jubel tausender Kinder und ihrer Eltern mit seinen Helfern in Amsterdam ein. Neben der Freude über die Ankunft des Heiligen Nikolausʼ gab es auch Proteste: Demonstranten mit dem Aufdruck „Schwarzer Piet ist Rassismus“ auf dem T-Shirt kehrten dem Sinterklaas beim Einzug den Rücken zu. Auch abseits des Umzugs wurde dem Unmut Luft gemacht: Im Oosterpark in Amsterdam verkleidete eine Aktionsgruppe die Statuen des Mahnmals zu niederländischen Sklavereivergangenheit als Zwarte Pieten.

Doch es gibt auch viele Niederländerinnen und Niederländer, die das Sinterklaas-Fest unverändert beibehalten wollen. Die Initiative pietitie.nl – eine Kombination aus den Worten „Piet“ und „Petition“ – hat inzwischen schon 2,2 Millionen Gefällt-mir-Angaben auf Facebook. Rund 331.000 Personen haben die zugehörige Online-Petition die die Beibehaltung der Figur Zwarte Piet fordert, unterschrieben.