Nachrichten November 2013


GESUNDHEIT: Niederländer sind das depressivste Volk in Europa

Brisbane. MWE/plosmedicine.org/VK/who.int. 06. November 2013.

Die Niederländer sind die Schwarzmaler unter den Europäern. Dies kann einer Studie entnommen werden, in der acht Forscher der Universitäten Queensland und Washington die Global Burden of Disease Study 2010 hinsichtlich des Krankheitsbildes Depression noch einmal unter die Lupe nahmen. Bei der Interpretation der Ergebnisse spielt jedoch auch der kulturelle Kontext eine Rolle.

Die Global Burden of Disease Study 2010 gilt als die ausführlichste Studie zu Krankheiten und Beschwerden. Sie rechnet die Belastung durch Krankheiten in Lebensjahre um, in denen man mit einer Krankheit lebt. Insgesamt ist die Zahl der Lebensjahre, in denen Menschen an Depressionen erkrankt sind, seit 1990 um rund 37 Prozent gestiegen. Da 10 Prozent aller Lebensjahre, die 2010 weltweit in Krankheit verbracht wurden auf das Konto von Depressionen geht, schien es den Forschern angebracht, das Krankheitsbild Depression einmal näher zu betrachten. In der gestern veröffentlichten Studie wurde die Belastung durch Depressionen je Land, Region, Alter, Geschlecht und Jahr gemessen. Zusätzlich wurden die Risiken, die von Depressionen ausgehen, bezüglich Selbstmord oder Herzerkrankungen untersucht.

Mit 16 Prozent „kranker Lebensjahre“, die Depressionen zuzuschreiben sind, liegen die Niederländer deutlich über dem weltweiten Mittelwert. 1.850 Lebensjahre von insgesamt 100.000 Jahren leben Niederländer mit Depressionen und sind damit Spitzenreiter in Europa. Der Psychiater Jan Swinkels, Professor an der Universität von Amsterdam, will diesem Wert allerdings nicht zu viel Bedeutung beimessen: „Es geht vor allem um die Wahrnehmung. Kultur spielt eine wichtige Rolle. Wir sind ein trübsinniges Volk, aber das heißt nicht, dass wir mehr Hilfe brauchen als Deutsche oder Belgier. Es hängt auch viel vom individuellen Kontext ab.“

Weltweit steht Afghanistan mit 4.800 depressiven von 100.000 Lebensjahren an erster Stelle. Die geringste Anzahl depressiver Lebensjahre haben die Forscher in Japan feststellen können. Der Grund dafür ist auch hier wieder der kulturelle Kontext, da die japanische Kultur vorschreibt, dass Japaner nicht depressiv sein dürfen, so Swinkels. Deutschland liegt mit einem Wert von 1.230 bis 1.285 Lebensjahren im Mittelfeld.

Die Studie Burden of Depressive Disorders by Country, Sex, Age, and Year: Findings from the Global Burden of Disease Study 2010 finden Sie auf PLOS Medicine.