Nachrichten März 2013


TERROR: Bedrohungsniveau nun auf zweithöchster Stufe

Den Haag. /NOS/NRC/RD/RVD. 14. März 2013.


Der nationale Koordinator für Terrorismusbekämpfung und Sicherheit (NCTV) in den Niederlanden, Dick Schoof, hat am Mittwoch veranlasst, die Terrorwarnstufe im ganzen Land zu erhöhen. Anlass dafür sind Signale, die auf eine höhere Wahrscheinlichkeit von Terroranschlägen hinweisen. Verantwortlich dafür seien vor allem eine erhöhte Zahl radikalisierter Jugendlicher sowie eine Zunahme an sogenannten „Dschihad-Reisenden“ nach Syrien.

Die Terrorwarnstufe in den Niederlanden ist seit gestern von „begrenzt“ auf die zweithöchste Stufe „erheblich“ verändert worden. Dies bedeutet in erster Linie, dass staatliche Gebäude des Landes im In- und Ausland strenger bewacht werden. Auf der Straße wird von der erhöhten Bedrohungsstufe jedoch nichts zu merken sein. Bestimmte Moslemgruppierungen müssen jedoch stärker alarmiert sein, da ihnen die Polizei erhöhte Aufmerksamkeit schenken wird.

Anlass für die erhöhte Terrorstufe ist eine aktualisierte Analyse des nationalen Terrorismus-Koordinators, die mehrmals pro Jahr herausgegeben wird. Danach gibt es zwar keine konkreten Hinweise für Anschläge, wohl aber wird seit einiger Zeit beobachtet, dass aus den Niederlanden und anderen EU-Ländern vermehrt Jugendliche mit islamitischem Hintergrund in afrikanische Länder oder nach Syrien gehen, um sich zu Dschihad-Kämpfern ausbilden zu lassen. Aufmerksam geworden sind die niederländischen Behörden hierauf wohl vor allem durch eine vermehrte Anzahl von Anzeigen bei der Polizei, mit denen Eltern ihre Kinder als vermisst meldeten. „Davon sind die Sicherheitsdienste aufgeschreckt worden“, so Terrorismusexpertin Prof. Dr. Beatrice de Graaf von der Universität Leiden in einem Interview mit dem NRC Handelsblad. Die Dschihadisten könnten radikalisiert, traumatisiert und mit großer Gewaltbereitschaft in die Niederlande zurückkehren, so die Aussage der Behörden. Mehrere Dutzend von ihnen seien nach Aussage des Terrorismuskoordinators Dick Schoof bereits jetzt in die Niederlande zurückgekehrt und eventuell bereit, in den Niederlanden Anschläge zu verüben.

Die Geheimdienste erhöhen nach Aussage einer offiziellen Presseerklärung neben der Alarmbereitschaft auch ihre personellen und materiellen Ressourcen, um die rückkehrenden Dschihad-Kämpfer aufzuspüren. Dafür arbeitet das zuständige Ministerium für Sicherheit und Justiz eng mit den Polizeibehörden, dem Geheimdienst AIVD sowie anderen westlichen Ländern zusammen. Zudem, so teilte Minister Ivo Opstelten dem Parlament mit, seien die Bürgermeister der vier großen Städte des Landes durch sein Ministerium über die neuesten Entwicklungen informiert worden. Ihnen wurde berichtet, dass es sich um „Jugendliche mit marokkanischen, türkischen oder kurdischen Wurzeln handelt. Oftmals sind sie zwischen 20 und 25 Jahren alt, aber es gibt auch Beispiele von 15- bis 20-Jährigen. Faktisch also Kinder“, konstatiert Terrorexpertin Beatrice de Graaf.

Hintergrundinformationen zum Thema gibt es in unserem Dossier zu Terrorismus und Terrorismusbekämpfung in den Niederlanden.