Nachrichten Mai 2013


DIPLOMATIE: Der niederländische Botschafter in Berlin radelt Anfang August Richtung Heimat

Berlin. LK/nlbotschaft.org/pm.nl/Sportsfreund/stiftungzukunftberlin.eu/TS. 17. Juli 2013.

Über 1.000 Kilometer will der niederländische Botschafter Marnix Krop von Berlin bis Den Haag auf dem Fahrrad hinter sich bringen. Es soll eine Abschiedstour werden, denn der 64-Jährige verlässt Anfang August seinen Posten in der diplomatischen Vertretung, den er seit 2009 inne hat, und kehrt zurück in seine Heimat. Der passionierte Radler warb als Botschafter auch in Berlin fürs Radfahren, als er in seiner Hauptstadtrede den Freiheitsdrang der Niederländer eng mit dem Pedaltreten in Verbindung brachte.

Krop studierte Jura und Internationale Beziehungen. Recht früh in seiner Karriere zeichnete sich sein Engagement für die deutsch-niederländischen Beziehungen ab. In den siebziger Jahren arbeitete er im wissenschaftlichen Büro der Wiardi-Beckman-Stichting, der politischen Stiftung der sozialdemokratischen PvdA. In der Partei gab es seinerzeit viele kritische Stimmen zur deutschen Innenpolitik – speziell zum Radikalenerlass und dem Umgang mit der RAF. Krop regte damals die Veröffentlichung eines Buchbandes an, in dem er eine differenzierte und nuancierte Sicht auf Deutschland geben wollte. Burengerucht - Opstellen over Duitsland (dt.: Lärmende Nachbarn – Positionen gegenüber Deutschland) erschien 1978. Als Quereinsteiger im Außenministerium schrieb er Ende der achtziger Jahre die Reden für den Minister und war maßgeblich an der sehr nuancierten Meinungsbildung über die deutsche Einheit im Ministerium beteiligt. Als Gesandter in Paris (1998-2002) und Botschafter in Warschau (2006-2009) sammelte er wertvolle Erfahrungen, die er auch in Berlin für sich nutzen konnte. Die Arbeit als Botschafter in der deutschen Hauptstadt kann als Höhepunkt seiner Karriere gesehen werden.

Als Botschafter in Berlin hat Marnix Krop sich stets dafür ausgesprochen, in die nachbarschaftlichen Beziehungen zu investieren. In der Reihe der Hauptstadtreden der Stiftung Zukunft Berlin hob Marnix Krop unter dem Titel „Freiheit, Freundschaft und Fahrrad – wie Niederländer Berlin erfahren“ die gemeinsamen Beziehungen der beiden Länder in der Geschichte, Kunst, Architektur und Literatur hervor. Aber auch wirtschaftlich maß er den Niederländern eine große Bedeutung für Berlin bei. Die Niederländer seien unter Berlins ausländischen Touristen die zweitgrößte Nationalität und unter den ausländischen Direktinvestoren mit über 400 niederländischen Unternehmen und einem investierten Kapital von fast vier Milliarden Euro sogar die größte Gruppe. Inmitten der vielen Alt- und Neuberliner leisteten auch die über 4.000 niederländischen Ansässigen ihren Beitrag zur Stadtkultur.

Sich selbst bezeichnete Krop als Botschafter eines Fahrradlandes und als dieser sprach er sich für eine bessere und sicherere Eingliederung der Radfahrer in den Straßenverkehr aus. Im Vergleich zu Amsterdam sieht er hier Nachholbedarf in Berlin. Gegenüber dem Vorhaben des Berliner Senats, dank einer Radverkehrsstrategie den Anteil der Fahrräder bis 2025 von dreizehn auf zwanzig Prozent zu steigern, ist er skeptisch. Abgesehen von den notwendigen Wegen läge der Anfang eines erfolgreichen Projekts in der Mentalität und im Willen der Städter. Aus diesem Grund veranlasste die niederländische Botschaft im November 2012 ein deutsch-niederländisches Fahrradsymposium, an dem Amsterdamer und Berliner Experten teilnahmen. Symbolisch für diese Zusammenarbeit fuhren schon 2009 der damalige niederländische Europaminister Frans Timmermans (PvdA) und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit einer Gruppe deutscher und niederländischer Jugendlicher einen Teil des Berliner Mauerwegs mit dem Fahrrad ab.

Aber auch über Berlins Grenzen hinaus äußerte sich Marnix Krop zur Rolle Deutschlands. Eine starke Position in der internationalen und europäischen Politik ergebe Chancen für die Niederlande als traditionelle Handelsmacht, so Krop in einer Rede vom 12.Dezember 2012 in Amsterdam. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Den Haag und Berlin finde die niederländische Regierung Gehör in Berlin. Dies seien Gründe, die europäische und internationale Politik der Niederlande auf Deutschland zu orientieren. Gegenüber dem Tagesspiegel machte er aber auch darauf aufmerksam, dass die Beziehung der sich kulturell ähnelnden Länder nicht zu einem Selbstläufer werden solle, da auch die kleinen Unterschiede für den Austausch wichtig seien.

Mit dem Fahrrad Berlin zu verlassen, passt zum Image des Landes, das er vertritt. Dem Magazin Sportsfreund gegenüber sagte Marnix Krop jedoch, dass ihm diese Wahrnehmung etwas zu weit ginge. Die Idee stamme von seiner Frau, die eine Radwanderung als sanften Abschied verstehe. Nicht mit einem modernen Fahrrad, wie es ihm von einem Berliner E-Bike-Hersteller geschenkt wurde, sondern mit dem Hollandrad wird er die Heimreise zusammen mit seiner Frau antreten. Ein Geschenk dürfe er in seiner Position sowieso nicht annehmen, daher werde er es dem Fuhrpark der diplomatischen Vertretung überlassen. Die über 1.000 Kilometer nach Den Haag werden über Brandenburg an der Havel, Magdeburg, Wolfenbüttel, Hameln und Detmold in Richtung niederländischer Grenze führen. Bei einem Tagespensum von 70 Kilometern rechnet das Paar mit der Ankunft am Ziel nach rund zwei Wochen.

Krops Nachfolgerin wird die derzeitige stellvertretende Generalsekretärin des Außenministeriums und Generaldirektorin für konsularische Angelegenheiten und Betriebsführung Monique van Daalen. Die gebürtige Amsterdamerin studierte Moderne Asiatische Geschichte, Internationales Recht, Kunstgeschichte und Archäologie. Bevor sie in Den Haag in der Politik mitwirkte, arbeitete sie als Generalkonsulin in Miami und Washington und war Mitarbeiterin der ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen in New York. Dort machte sie Teil des Teams aus, das die erfolgreiche Kampagne für die niederländische Mitgliedschaft im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen 1999 führte.