Nachrichten Juli 2013


GEDENKEN: Sklaverei vor 150 Jahren abgeschafft

Amsterdam. MWE/koninklijkhuis.nl/NOS/welt.de/zeit.de. 03. Juli 2013.

Vor 150 Jahren wurde die Sklaverei in den niederländischen Kolonien abgeschafft. An der Gedenkfeier im Oosterpark in Amsterdam am vergangenen Montag nahmen auch König Willem-Alexander und Königin Máxima teil und unterstrichen mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung des Gedenkens.

Der stellvertretende Ministerpräsident Lodewijk Asscher (PvdA), der ebenfalls zugegen war, bedauerte im Namen der niederländischen Regierung zutiefst die Beteiligung der Niederlande an Sklaverei und Sklavenhandel. Dies sei ein Schandfleck in der niederländischen Geschichte. Auch Eberhard Van der Laan (PvdA), der Bürgermeister von Amsterdam, hielt eine Ansprache und erinnerte daran, dass ein Großteil des Grachtengürtels in Amsterdam mit den Einkünften aus dem Sklavenhandel finanziert worden sei. Neben König Willem-Alexander und Königin Máxima wohnten auch prominente Gäste aus Surinam, Ghana, Aruba und Curaçao der Gedenkfeier bei.

Im Anschluss an die Reden wurden Kränze am Sklavereidenkmal niedergelegt, welches 2002 von Königin Beatrix enthüllt worden war. Das Königspaar legte keinen Kranz nieder. Der Historiker Leo Balai bedauerte dies und sagte, dass man dadurch den Worten des stellvertretenden Ministerpräsidenten Asscher noch mehr Gewicht hätte verleihen können. In einer Reihe von großen Veranstaltungen in diesem Jahr – unter anderem 400 Jahre Grachten und 200 Jahre Monarchie – fällt das Ende der Sklaverei vor 150 Jahren eher unter den Tisch, befürchten viele Nachfahren von Sklaven. Zudem vermuteten sie, dass mit Ablauf der Veranstaltungen am offiziellen Gedenktag vieles wieder vergessen sei, obwohl in der niederländischen Hauptstadt noch viele Spuren der Kolonialzeit und der Sklaverei zu finden sind: Verzierungen an Hausgiebeln zeigen Indianer mit Pfeil und Bogen oder schwarze Jungen mit Halsring.

Im Anschluss an die Gedenkfeier wurde mit dem Keti Koti Festival die Abschaffung der Sklaverei gefeiert. Keti Koti bedeutet in der ehemaligen niederländischen Kolonie gesprochenen Kreolsprache Sranantongo „zerbrochene Ketten“ und steht für das Ende des Menschenhandels. Neben dem Metropole Orkest trat auch eine bekannte surinamische Band namens Aptijt auf. Neben Musik und Filmen erinnerten aber auch Ausstellungen und Aufführungen an die Sklaverei und ein Markt bot traditionelle Gerichte aus den ehemaligen niederländischen Kolonien.

Als eines der letzten europäischen Länder schafften die Niederlande nach rund 200 Jahren am 1. Juli 1863 die Sklaverei ab. Historiker schätzen, dass zwischen 1600 und 1863 rund 550.000 Afrikaner in die Kolonien transportiert wurden. 1863 erhielten 33.000 Menschen in Surinam und 12.000 auf den niederländischen Antillen ihre Freiheit. Erst 150 Jahre später sollte die niederländische Regierung zum ersten Mal Bedauern und Reue über den Menschenhandel äußern.