Nachrichten Juli 2013


AUSLAND: Niederländischer Rückzug aus Afghanistan hat begonnen

Den Haag. AF/defensie.nl/NRC/tweedekamer.nl/VK. 02. Juli 2013.

Zwei Jahre hat die niederländische Polizeitrainingsmission in der durch die Deutschen kontrollierten afghanischen Provinz Kunduz gedauert. Am Montag wurde nun mit dem Rückzug aus Afghanistan begonnen. Anlass für die niederländischen Medien, den gesamten Afghanistaneinsatz noch einmal kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Vier Monate Zeit für den Rückzug

Bis zum 1. November 2013 soll „die niederländische Anwesenheit auf der deutschen Basis in Kunduz“ beendet sein, heißt es im offiziellen Dossier „Polizeitrainingsmission Afghanistan“ der niederländischen Zweiten Kammer. Dennoch laufe das Programm zur Verbesserung des afghanischen Rechtsstaats bis 2014 weiter. Zuständig für seine Ausführung seien dann Nichtregierungsorganisationen, die nicht von der Anwesenheit Deutschlands oder der Niederlande abhängig sind.

Des Weiteren blieben circa 25 niederländische Polizeifunktionäre und 10 zivile Experten Teil der europäischen Polizeimission in Kabul. Dort sollen außerdem 90 Soldaten des Deutsch-niederländischen Korps aus Münster zwischen Juli 2013 und Januar 2014 das Hauptquartier der ISAF unterstützen. Auch vier niederländische F-16-Kampfjets werden zum Schutz der internationalen Truppen an der Militärbasis Mazar-e-Sharif verbleiben. Bis 2017 werden sich die Niederlande auch finanziell weiter in Afghanistan engagieren.

Greifbares Erbe in Afghanistan hinterlassen

Dennoch, die offizielle Mission ist seit gestern vorbei. Die niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert (VVD) besuchte aus diesem Anlass gestern und vorgestern zusammen mit dem Kommandanten der Streitkräfte, Tom Middendorp, die niederländischen Truppen in Mazar-e-Sharif und Kunduz. Im Camp Windmill in Kunduz wohnten sie der Abschlusszeremonie der niederländischen Polizeitrainingsmission bei.

Im Hinblick darauf, dass die Polizeiausbildung in Kabul auch nach dem Abzug der niederländischen Truppen weiterhin nach niederländischem Vorbild stattfinden wird, lobte Hennis-Plasschaert die Soldatinnen und Soldaten: „„Dank Ihres Einsatzes und dank des Einsatzes ihrer Vorgänger hinterlassen die Niederlande ein greifbares Erbe in ganz Afghanistan. Das ist etwas, worauf wir mit Recht stolz sein können.“

Teure Polizisten

In den Kommentarspalten der niederländischen Medien ist die Bilanz des Einsatzes durchwachsener. Für einen Betrag von grob geschätzt 300 Million Euro hätten die Niederlande nur rund 800 Polizisten ausgebildet. „Sehr teure Polizisten“, so das NRC Handelsblad.

Der erste niederländische Militäreinsatz in Afghanistan fand Anfang 2002 statt. Damals unterstützte das Land die Operation Enduring Freedom, die eine Reaktion auf die Anschläge des 11. September war. Im Jahr 2006 bekamen die Niederlande dann im Rahmen der ISAF-Mission der NATO das Kommando in der südlichen Provinz Uruzgan. Ursprünglich waren zwei Jahre Uruzgan geplant. Daraus wurden letztlich vier Jahre.

Während dieses Einsatzes, der in der Planungsphase noch als „Aufbaumission“ umschrieben wurde, verloren 25 niederländische Soldaten das Leben – „Eine Zahl, die das Risiko der Operation spiegelte“, so das NRC Handelsblad. Die Frage, ob der Uruzgan-Einsatz verlängert werden sollte, richtete sich nicht nach außenpolitischen Anforderungen, sondern hatte vor allem innenpolitische Gründe. In der Folge zerbrach an dieser Diskussion das damalige niederländische Kabinett. Diese Militärmission endete deshalb etwas unrühmlich am 1. August 2010.

Die Polizeitrainingsmission sieht das NRC Handelsblad deswegen auch als einen etwas glanzlosen Versuch der Politik, die Niederlande wieder ins internationale Mächtespiel einzubringen. „Wenn eine Lehre aus den Erfahrungen mit Afghanistan gezogen werden kann, dann diese: Wer international Verantwortung übernehmen will, darf die internationale Dimension nicht aus dem Blick verlieren. Schwierig bei dem Mikro-Management der Regierung in Den Haag“, so der Kommentar.