Nachrichten Juli 2013


GESELLSCHAFT: Niederländer verlieren Vertrauen in Wirtschaft und Politik

Den Haag. /NRC/SCP/VK. 01. Juli 2013.

Nur die Hälfte der Niederländer ist mit der momentanen Wirtschaftslage ihres Landes zufrieden. Auch der eigenen Regierung sprechen immer weniger Menschen das Vertrauen aus. Dies zeigen Umfrageergebnisse des Sociaal en Cultureel Planbureaus (SCP), die vergangenen Freitag publiziert wurden.

Die Sicht der Bürger zur aktuellen gesellschaftlichen Lage wird in den Niederlanden viermal im Jahr abgefragt. Der aktuelle „Bürgerperspektive“-Report – so der Name dieser Quartalsberichte – zeichnet ein düsteres Bild. Waren 2008 noch 81 Prozent der niederländischen Bevölkerung mit der Wirtschaftslage im Land zufrieden, sind es jetzt nur noch 53 Prozent. Die Gruppe, die erwartet, dass die Situation sich im kommenden Jahr noch verschlechtern wird, ist mit 54 Prozent sogar noch ein wenig größer. Nur 13 Prozent der Bevölkerung glaubt daran, dass in den nächsten zwölf Monaten eine Verbesserung der Wirtschaftslage zu erwarten ist.

„Typisch niederländischer Pessimismus“, zitiert das NRC Handelsblad den emeritierten Professor für Wirtschaftspsychologie Fred van Raaij in diesem Zusammenhang. „Wir haben eine Klagekultur, obwohl es uns im Vergleich mit anderen Ländern doch eigentlich recht gut geht.“ Tatsächlich zeigt die Umfrage, dass nur 17 Prozent der niederländischen Bevölkerung ihre eigene finanzielle Situation als schlecht bewerten: einer der niedrigsten Werte im europäischen Vergleich. Gleichzeitig denken drei von zehn Niederländern, dass sich ihre finanzielle Situation in Zukunft verschlechtern wird – ein bemerkenswert hoher Wert im mittel- und westeuropäischen Vergleich.

Die negativen Zukunftserwartungen der Niederländer lassen sich in einer historisch niedrigen Binnennachfrage ablesen (NiederlandeNet berichtete). Die Bevölkerung spart ihr Geld. Nach Auskunft des Nationalen Statistikamtes CBS war das Sparvermögen der niederländischen Bevölkerung im März dieses Jahres mit 330 Milliarden Euro auf einem Rekordhoch.

Die niederländische Politik reagiert auf diese Negativspirale etwas hilflos. Das Kabinett selbst muss weitere Einsparungen in Milliardenhöhe durchführen um die Brüsseler Konvergenzkriterien zu erfüllen (NiederlandeNet berichtete), gleichzeitig verlangt es von seiner Bevölkerung, die Wirtschaft durch Konsum anzukurbeln. Im April rief Premier Mark Rutte (VVD) die Bevölkerung dazu auf, mit der „Schwarzseherei“ aufzuhören. Auch Koalitionspartner Diederik Samsom (PvdA), erklärte vergangene Woche, die Regierung müsse die Bürger dazu verführen, ihr Geld auszugeben.

Doch es ist anzunehmen, dass dieser Aufruf zum Konsum in der Bevölkerung auf taube Ohren stoßen wird. Nur 48 Prozent der Niederländer gaben in der Bürgerumfrage an, Vertrauen in die eigene Regierung zu haben. Kurz nach der Parlamentswahl im vergangenen Oktober waren dies noch 57 Prozent. Nach den Gründen für das abnehmende Vertrauen gefragt, antworteten die Befragten, das Kabinett verhielte sich sehr zögerlich, wankelmütig und unsicher. Klare Ansagen aus Den Haag fordert deshalb auch das NRC Handelsblad. Dies sei die einzige Möglichkeit, um die Niederländer von ihrem Pessimismus zu befreien.

Den vollständigen Bericht des Sociaal en Cultureel Planbureaus finden Sie hier: Burgerperspectieven 2013/2