Nachrichten September 2012


KULTUR: Nationaal Historisch Museum wird in Freilichtmuseum Arnheim integriert

Arnheim. IW/ND/NOS/NRC/VK/RVD. 21. September 2012.

Im letzten Jahr waren Pläne für ein nationales niederländisches „Haus der Geschichte“ aufgrund von Unstimmigkeiten über das Konzept und gestiegener Kosten endgültig gescheitert. Nun soll das zunächst angedachte Projekt eines Nationaal Historisch Museums (NHM), das den Menschen die Geschichte der Niederlande auf der Grundlage des Niederländischen Geschichtskanons auf eine zeitgemäße Art mit modernen Mitteln näherbringen sollte, als Teil des historischen Freilichtmuseums in Arnheim wieder aufleben.

Wie Königin Beatrix am vergangenen Dienstag in ihrer Thronrede erklärte, werden dem Freilichtmuseum in Arnheim finanzielle Mittel zur Einrichtung einer neuen Abteilung zur Verfügung gestellt, welche den niederländischen Geschichtskanon präsentieren soll. Das Museum soll schon am 1. Januar 2013 mit einer Ausstellung beginnen und in den nächsten vier Jahren – mit einem Budget von jährlich zwei Millionen Euro – einen Querschnitt durch die niederländische Geschichte präsentieren. Die Inhalte sollen den Besuchern in Form einer Rallye mit Aufgaben interaktiv näher gebracht werden. Eine Ausstellung mit Artefakten der jeweiligen Zeitperiode, die vom Rijksmuseum Amsterdam entliehen werden, soll die digitale Welt ergänzen. Das Konzept der Ausstellung ist es, „große Geschichte über kleine Geschichten“ sichtbar zu machen.

Mit der aktuellen Entscheidung sind gleichzeitig aber auch die seit gut zehn Jahren immer konkreter gewordenen Pläne endgültig gescheitert, die den Bau eines eigenständigen Nationaal Historisch Museum vorsahen. Das jetzige Vorhaben des Freilichtmuseums Arnheim kann vielmehr mit jenen ersten Ideen des ehemaligen niederländischen Ministers für Bildung, Kultur, und Wissenschaft, Loek Hermans (VVD) aus dem Jahr 2002 verglichen werden. Hermans wollte seinerzeit eine „Straße der aktuellen Vergangenheit“ einrichten, auf der sowohl politische wie auch historische Aspekte aufgenommen werden sollten. Der Hintergrund dieser Überlegungen war die Tatsache, dass die Kenntnisse der Niederländer über ihre eigene Geschichte offensichtlich zu gering waren. 2003 gründete man für das Vorhaben eine eigene Stiftung.

Aus diesen ersten Plänen entwickelte sich 2005 das Vorhaben, ein eigenes Zentrum für Geschichte und Demokratie (nl. Het Centrum voor Geschiedenis en Democratie) aufzubauen, welches aus einer Zusammenlegung der „Straße der aktuellen Vergangenheit“ und dem Haus der Demokratie (nl. Huis voor de Democratie) entstehen sollte. Als Vorbild diente das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Konkret wurden die Pläne im Jahr 2006, als die beiden Parlamentarier Maxim Verhagen (CDA) und Jan Marijnissen (SP) erfolgreich einen Antrag über die Einrichtung eines nationalen Hauses der Geschichte ins Parlament einbrachten. Das Haus der niederländischen Geschichte sollte durch eine Mischung aus Bildung und Aktion die Niederländer – und hier vor allem die Jugend – an die Geschichte des eigenen Landes heranführen. Der Parlamentsbeschluss war definitiv und sah erstmals den Bau eines eigenständigen NHM vor.

Etwa zeitgleich mit der Entscheidung im Parlament wurde 2006 auch der Kanon der niederländischen Geschichte (der Canon van Nederland) veröffentlicht – ein repräsentativer Querschnitt der niederländischen Geschichte durch die Jahrhunderte. Er sollte als Basis für das NHM dienen. Wegen der vielen vorhandenen Attraktionen und kulturellen Einrichtungen wurde Arnheim als Standort für das Museum gewählt. 2008 folgte dann auch die Gründung der Stiftung NHM, es wurden Direktoren berufen und mit der Entwicklung des endgültigen Konzepts begonnen. Von Beginn an zeigten sich jedoch immer wieder Meinungsverschiedenen zwischen den Verantwortlichen und der Politik. So wollten sich die Verantwortlichen beim NHM auf einmal nicht mehr auf den Canon van Nederland als Richtschnur festlegen, sondern sie verfolgten eigene Ansätze für die Themenauswahl des Museums.

Im Juni 2010 wurde dann deutlich, dass allein der Bau der Tiefgarage die für die gesamten Baumaßnahmen veranschlagten 50 Millionen Euro verschlingen würde. Daraufhin zog das niederländische Kulturministerium im Oktober 2010 seine Finanzierungszusage mit der Begründung zurück, dass in der schwierigen Haushaltslage mit den notwendig gewordenen Kürzungen im Kulturbereich solche Ausgaben nicht mehr zu verantworten seien. Als Kompromiss wurden die bisher erarbeiteten Themen in einer Ausstellung in der Zuiderkerk in Amsterdam zusammengestellt, in der sie – so war es geplant – ab Januar 2011 für fünf Jahre zu sehen sein sollten.

Im Juni 2011 kam dann jedoch das endgültige Aus für das NHM und zum 1. Januar 2012 wurden alle Mitarbeiter entlassen und das NHM aufgelöst. Lediglich die Stiftung NHM blieb bestehen. Sie wurde mit Mitteln ausgestattet, um das erfolgreiche Projekt „Monat der Geschichte“ weiterzuführen, das als Nachfolger der „Woche der Geschichte“ jedes Jahr im Oktober stattfindet. Im Oktober werden überall im Land unter einem zuvor festgelegten Thema Aktionen durchgeführt, die Bezug zur niederländischen Geschichte haben und ihren Höhepunkt in der „Nacht der Geschichte“ finden. In diesem Jahr lautet das Thema „Arm und Reich“. Im Rahmen der Veranstaltung öffnet auch das Rijksmuseum in Amsterdam, das nach umfangreichen Baumaßnahmen seinen regulären Betrieb erst im April 2013 wieder aufnimmt, am 27. Oktober einmalig seine Türen.