Nachrichten Oktober 2012


GESCHICHTE: Bart van der Boom erhält Libris Geschiedenis Prijs 2012

Amsterdam. MWE/NOS/NRC/TR. 30. Oktober 2012.


Im Rahmen der Nacht der Geschichte, bei der verschiedene kulturelle Institutionen ein abwechslungsreiches Programm mit Debatten, Musik und Filmen organisieren, wurde am Samstagabend im Rijksmuseum in Amsterdam zum sechsten Mal der Libris Geschiedenis Prijs verliehen. Der Historiker Bart van der Boom gewann mit seinem Werk ‚Wij weten niets van hun lot‘. Gewone Nederlanders en de Holocaust (dt. ‚Wir wissen nichts von ihrem Schicksal‘. Der durchschnittliche Niederländer und der Holocaust) den mit 20.000 Euro dotierten Preis.

In ihrer Rede nannte die Jury das Buch von Bart van der Boom gewissenhaft, bemerkenswert und mutig, da Van der Boom einen unpopulären Standpunkt einnimmt. Er widerlegt die These, dass die meisten Niederländer ihre Kenntnisse über das Schicksal der deportierten Juden verdrängten. Stattdessen stellt Van der Boom fest, dass die vielen ermordeten niederländischen Juden nichts über die Schuld der Umstehenden aussagten. Damals sei es vielfach nicht möglich gewesen über alle Informationen, die man heute zu einem umfassenden Gesamtbild zusammenfügen kann, zu verfügen beziehungsweise die Grenzen zwischen Wahrheit, Lüge und Propaganda zu erkennen.

Van der Boom, Dozent für Moderne Niederländische Geschichte an der Universität Leiden, hatte für sein Buch 164 Tagebücher von Zeitzeugen „geduldig und liebevoll analysiert“, wie die Jury es ausdrückte, und sich dem schwierigen und sensiblen Thema auf diese Weise genähert. Neben dem verständlichen Schreibstil und dem ruhigen Aufbau, lobte die Jury, deren Entscheidung einstimmig ausfiel, auch den wichtigen Beitrag, den das Buch zur historischen Debatte über einen ebenso wichtigen wie umstrittenen Zeitraum der niederländischen Geschichte leiste.

Aus über 300 Geschichtsbüchern nominierte die siebenköpfige Jury neben Van der Boom auch Jos Palm (Moederkerk. De ondergang van rooms Nederland), Peter Raedts (De ontdekking van de Middeleeuwen. Geschiedenis van een illusie), Jan Willem Stutje (Ferdinand Domela Nieuwenhuis. Een romantische revolutionair) und H.L. Wesseling (De man die nee zei. Charles de Gaulle, 1890-1970). Der Libris Geschiedenis Prijs wird jährlich verliehen. Die Kriterien für „das beste historische Buch des vergangenen Jahres“ sind neben einer guten Lesbarkeit auch, dass das Werk ein breites Publikum anspricht und auf einer gründlichen historischen Analyse basiert.

Lesen Sie hier eine Rezension des Buches von Prof. Dr. Friso Wielenga.