Nachrichten Oktober 2012


DESIGN: Linoleum aus Schneckenexkrementen – Die Dutch Design Week 2012

Eindhoven. AF/ddw.nl/HP/OB/VK. 23. Oktober 2012.

Kein niederländisches Produkt wurde in den vergangenen 20 Jahren so gerühmt und war so oft Gesprächsthema wie das „Dutch Design“. Wer Dutch Design jetzt live erleben will, der kann dies noch bis zum 28. Oktober  auf der Dutch Design Week (DDW) in Eindhoven tun.  Mehr als 1.800 Gestalterinnen und Gestalter präsentieren auf dem größten Designevent der Niederlande ihre ungewöhnlichen Entwürfe.

Bereits zur Eröffnung am vergangenen Wochenende wurden die international renommierten Dutch Design Awards, sozusagen die Oscars der Designerwelt, verliehen. Den Preis für die beste niederländische Formgebung, The Golden Eye, erhielt die Agentur Part of a Bigger Plan und deren Geschäftsführer Christian Borstlap für ihre Animation Louis Vuitton I.  Der kurze Film huldigt den Anfängen des Designers Louis Vuitton im 19. Jahrhundert in Paris.

Zukunftsorientierter zeigt sich der DOEN|Materiaalprijs für nachhaltige und innovative Materialnutzung. Dieser ging dieses Jahr an Marjan van Aubel für ihr farbenfrohes Geschirrservice The Energy Collection.  Das Glasgeschirr wandelt über lichtempfindliche Farbpigmente, die aus Spinat oder Heidelbeeren gewonnen werden, Licht in Strom um, welcher in einem zugehörigen Kasten gespeichert wird. Mit dem so erzeugten Strom kann eine Leselampe betrieben, oder ein Mobiltelefon aufgeladen werden. „Van Aubel bietet mit ihrem Entwurf eine neue Perspektive, die einer genaueren Untersuchung bedarf; nicht nur nach den weiteren technischen Möglichkeiten, sondern vor allem nach den neuen, noch unbekannten Einsatzmöglichkeiten dieses innovativen Materials“, lobte die Jury.

Darüber hinaus wurden viele weitere Preise –  unter anderem für das beste Alltagsprodukt, das beste Motion Design, den besten grafischen Entwurf, die beste (Innen-)Architektur und das beste freie Kunstwerk aus diesem Jahr – verliehen.  Der Nachwuchsdesignerpreis 2012 ging an den Modemacher Borre Akkersdijk. Er überzeugte die Jury mit seinem „frischen und eigensinnigen Stil“, in welchem Grafik, Animation und Mode zusammenflössen.

Die Werke aller Dutch Design Award-Finalistinnen und -Finalisten werden in einer gemeinsamen Ausstellung am Stadhuisplein in Eindhoven bis zum Ende der DDW gezeigt.  Daneben findet sich eine große Anzahl weiterer sehenswerter Ausstellungen. Die Zeitung de Volkskrant empfiehlt ihrer Leserschaft beispielsweise die Ausstellung der Dutch Design Graduates am Ketelhuisplein 10. Hier stellen junge niederländische Kunststudierende aus allen Disziplinen ihre Abschlussarbeiten vor. Kauflustige Designfans sollten das kleine Designkaufhaus Dutch Design Year am Smalle Haven 4 besuchen, welches Objekte junger Designer sowie Designklassiker und geschmackvolle Vintagemöbel im Angebot hat.

Auch die Ausstellung der Finalistinnen und Finalisten des DOEN|Materiaalprijs an der Bilderdijklaan 10 hat die Zeitung in ihre Routenempfehlung mitaufgenommen. Neben dem oben erwähnten stromproduzierenden Glasservice finden sich hier so faszinierende Produkte wie Linoleumboden aus farbigen Schneckenexkrementen.

Weitere Informationen über die Dutch Design Week erhalten Sie auf der offiziellen Homepage ddw.nl

Wer gerne noch mehr über Dutch Design an sich erfahren will, kann das anhand unseres Vertiefungstexts Dutch Design, geschrieben von der niederländischen Designhistorikerin Rosmarijn Hompe, hier tun.