Nachrichten Oktober 2012


RADSPORT: Team Rabobank verliert Sponsor

Utrecht. MWE/NOS/NRC/TR. 22. Oktober 2012.

Am Freitag gab die niederländische Rabobank bekannt, dass sie sich aus dem Sponsoring des niederländischen Radsports zurückzieht und sich von ihrer Profimannschaft trennt. Damit zieht die Bank die Konsequenzen aus der Dopingaffäre um Lance Armstrong und den in diesem Zusammenhang aufgetauchten Vorwürfen gegen einzelne Fahrer sowie das gesamte Team Rabobank.

Der Direktor der Rabobank, Bert Bruggink, sagte am Freitagmorgen in einer Pressekonferenz, dass die Veröffentlichung des Strafdossiers der amerikanischen Antidopingbehörde Usada gegen Lance Armstrong zu dieser Entscheidung geführt habe: „Der Usada-Bericht ist schockierend. Wir sind erschrocken über die vielen Details zu den weitverbreiteten Missständen im Radsport. Das Maß ist jetzt voll.“ In dem besagten Dossier äußerte sich unter anderem Radrennfahrer Levi Leipheimer, der von 2002 bis 2004 für das Team Rabobank fuhr, zu einem angeblichen Dopingprogramm der niederländischen Mannschaft und auch die Namen der ehemaligen Mannschaftskapitäne des Teams, Denis Mensjov und Carlos Barredo, tauchen im Zusammenhang mit Dopingermittlungen auf.

Bisher hatte das Team Rabobank, das sich seit seiner Gründung 1996 zu einem der bedeutendsten Radsportteams der Welt entwickelt hatte, immer ein sauberes Image gehabt, dem auch einige Affären nichts anhaben konnten. Laut Bruggink sei der internationale Radrennsport aber mittlerweile so vergiftet, dass keine Aussicht auf Verbesserung bestünde. Harald Knebel, Direktor der Rabobank Mannschaften, sagte, dass man nun schauen müsse, wie es weitergehe. Knebel hat bereits Gespräche mit dem Fahrradhersteller Giant geführt, der möglicherweise als Hauptsponsor für die Profimannschaft zur Verfügung steht. Das Unternehmen aus Taiwan glaube an das Team sowie an seine „Riesentalente“, wie Lars Boom, Robert Gesink und Bauke Mollema und habe Vertrauen in die Mannschaft.

Die Rabobank will ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen, sodass sowohl die Männer- als auch die Frauenmannschaft noch bis Ende des kommenden Jahres fahren können. Allerdings ohne das Rabobank-Shirt und nicht mehr unter dem Namen Team Rabobank, da die Bank nicht mehr mit der Mannschaft in Verbindung gebracht werden will. Die Finanzierung der Radsportjugend bleibe weiterhin bestehen, so Bruggink, und auch dem olympischen Traum von Marianne Vos wolle man nicht im Weg stehen. Sie werde weiterhin finanziell unterstützt.

Seit 1996 hatte die Rabobank einen Sponsorenvertrag mit dem niederländischen Radsportteam und insgesamt 175 Millionen Euro in die Mannschaft investiert. Damit hauchte sie dem niederländischen Radsport neues Leben ein und profitierte durch Wachstum und einen steigenden Bekanntheitsgrad auch selbst von den Erfolgen der niederländischen Radrennfahrer.

Die Reaktionen auf den Rückzug der Rabobank aus dem Radsport fielen unterschiedlich aus. Viele überraschte und enttäuschte die Entscheidung, einige konnten die Entscheidung aber auch verstehen und respektieren, während vor allem ehemalige Radsportler die Rabobank kritisierten und ihr fehlendes Vertrauen in die Mannschaft und Angst vor dem eigenen Imageverlust vorwarfen. Vor allem die Träume junger Sportler würden auf diese Weise zerstört.