Nachrichten Oktober 2012


KUNSTRAUB: Diebe stehlen sieben Bilder aus Rotterdamer Museum

Rotterdam. TM/NOS/TR. 17. Oktober 2012.

In Rotterdam sind in der Nacht zum Dienstag sieben Gemälde aus der örtlichen Kunsthalle geraubt worden. Zwischen drei und vier Uhr hatten Diebe in den durch ein modernes Alarmsystem gesicherten Bau eingebrochen und unter anderem Werke von Monet und Picasso entwendet. Die durch die Alarmanlage automatisch herbeigerufene Polizei traf zu spät am Tatort ein und konnte nur noch die leeren Wände bestaunen. Der Wert der gestohlenen Kunstwerke wird auf 50 bis 100 Millionen Euro geschätzt.

„Trotz eines Sicherheitssystems, welches auf dem aktuellen Stand der Technik ist“, so Museumsdirektorin Emily Ansenk in einer Pressekonferenz des Museums am gestrigen Nachmittag, „sind sieben Topwerke gestohlen worden“. Konkret handelt es sich dabei um zwei Werke von Claude Monet und jeweils eins von Pablo Picasso, Henri Matisse, Lucian Freud, Meijer de Haan und Paul Gauguin. „Was passiert ist, ist ein Alptraum für jeden Museumsdirektor“, sagte die sichtbar getroffene Direktorin weiter. „Diese Tat ist wie eine Bombe in die Museumswelt eingeschlagen. Aber auch bei der Gemeindeverwaltung in Rotterdam. Diese hat uns alle denkbare Unterstützung zugesagt.“ Ansenk hatte die Nachricht vom Einbruch in ihrem Museum in Istanbul erreicht und hatte direkt den nächsten Flug in die Niederlande genommen. Trotz des Verlustes der wertvollen Gemälde haben die Verantwortlichen gestern beschlossen, dass die Ausstellung am heutigen Mittwoch wieder ihre Tore öffnet. „Alle Betroffenen wollen, dass die Öffentlichkeit diese besondere Kunstsammlung auch weiterhin bewundern kann“, so Museumsdirektorin Ansenk. Die Ausstellung läuft offiziell noch bis zum 20. Januar 2013.

Die sieben geraubten Gemälde waren Teil der gerade frisch eröffneten Ausstellung „Avant-gardes“, die seit dem 7. Oktober in der Rotterdamer Kunsthal zu sehen ist. Sie umfasst die Kollektion der Triton-Stiftung des 2011 verstorbenen ehemaligen Rotterdamer Hafenbarons und Kunstsammlers Willem Cordia und seiner Frau Marijke. Die aktuelle Ausstellung bringt zum ersten Mal derart viele Topkunstwerke der Sammlung Cordia öffentlich an einem Ort zusammen. Insgesamt umfasst die Sammlung der Triton Collection 250 Gemälde, Zeichnungen und Bilder von 170 verschiedenen Künstlern. Willem und Marijke Cordia begannen in den 1970er Jahren mit dem Sammeln von Kunstwerken. Erst waren es Werke aus der Den Haager Schule, später dann internationale Topgemälde.

Nach dem Millionendiebstahl bleibt den Betroffenen nun wohl nur noch die Hoffnung, dass die Beute wie bei den meisten Kunstrauben schnell wiedergefunden wird. In den Niederlanden war dies zuletzt bei einem Kunstraub im Mai 2011 der Fall, als Monate nach der Tat im Leerdamer Museum die beiden gestohlenen Gemälde wieder auftauchten. Nach Ansicht von Kunstexperten gilt die jetzt entwendete kostbare Beute in den kommende Jahren als unverkäuflich, da die Kunstwerke auf dem Markt bekannt sind und sie ein potentieller Käufer nie öffentlich zeigen können wird. Schon eher denkbar wäre, dass man die Bilder in den kommenden Wochen der Versicherung zum Kauf anbietet.

Mehr zum Thema Malerei in den Niederlanden erfahren Sie in unseren Kunst-Dossiers zur Malerei des 17. Jahrhunderts sowie den Anfängen der niederländischen Tafelmalerei.