Nachrichten Oktober 2012


BILDUNG: Pläne über neue Studienfinanzierung ärgern niederländische Studierende

Den Haag. AF/LSVb/NOS/NRC/VSNU 08. Oktober 2012.

Der landesweite Gewerkschaftsbund der niederländischen Studierenden (LSVb) ist wütend. Denn VVD und PvdA planen, das bisher übliche Grundstipendium zum Studium, die so genannte basisbeurs, abzuschaffen und durch einen „sozialverträglichen“ Studienkredit zu ersetzen. Damit treibe die neuentstehende Regierung „einen Dolch in den Rücken der niederländischen Wissenschaft“, so der LSVb.

Bis gestern waren viele niederländische Studierende noch Fan der neuentstehenden Regierung aus VVD und PvdA, da diese das erst kürzlich wirksam gewordene Bußgeld für Langzeitstudierende wieder einstampfen will (NiederlandeNet berichtete). Doch mit den aus den Koalitionsverhandlungen durchgesickerten Plänen zur Abschaffung des Grundstipendiums hat sich der Wind nun gedreht. „Es ist lächerlich, dass die Politik erst diese schöne Geste macht und das Bußgeld für Langzeitstudierende zurückzahlen will, und im nächsten Schritt den Studierenden diese Pläne vor den Latz knallt“, so Vize-Vorsitzender des LSVb Karlijn Ligtenberg. „An diesen Plänen ist nichts sozial. Die Studierenden werden am Ende ihres Studiums mit rund 12.000 Euro Schulden dastehen.“ Ein Studienkredit behindere den Zugang zur akademischen Ausbildung, fürchtet die Studierengewerkschaft.

Die bisher gültige basisbeurs für niederländische Studierende musste nicht zurückbezahlt werden, wenn innerhalb von zehn Jahren ein Studienabschluss erreicht wurde. Im neuen Finanzierungssystem müssen die Studierenden einen Kredit aufnehmen, der in jedem Fall zurückgezahlt werden muss. Die Pläne sollen zum September 2014 umgesetzt werden und ausschließlich Studierende betreffen, die dann ein Studium aufnehmen. Für die Studienkredite sollen günstige Zinskonditionen gelten. Und der Kredit muss erst zurückbezahlt werden, sobald die Kreditnehmer ihr Studium abgeschlossen und einen Arbeitsplatz gefunden haben.

Sowohl VVD als auch PvdA hatten in ihrem Wahlprogramm die Einführung eines „sozialverträglichen Kreditsystems“ und die Abschaffung des Grundstipendiums angekündigt. Während die liberale VVD hofft, die Studierenden dadurch zu einem höheren Studientempo zu motivieren, möchte die sozialdemokratische PvdA das steuerfinanzierte Basisstipendium für Studierende abschaffen, weil so „der Bäcker an der Ecke die Ausbildung des Anwaltsohns mitbezahlt.“

Das Geld, das bisher als Stipendium an die Studierenden ausbezahlt wurde, soll in Zukunft direkt in die Hochschulen investiert werden. Kein Wunder also, dass die niederländischen Universitäten auf das Vorhaben von VVD und PvdA im Allgemeinen sehr positiv reagierten. Sie hatten auch bereits die Pläne begrüßt, wonach das Bußgeld für Langzeitstudierende, welches zum unlängst begonnenen Semester erstmalig erhoben wurde, wieder abgeschafft werden soll. Viele Langzeitstudierende hatten sich aufgrund dieses Bußgeldes nicht für das neue Semester eingeschrieben – doch wie die Vereinigung aller niederländischen Universitäten (VSNU) mitteilte, kann dies jetzt noch – ohne Bußgeldentrichtung – nachgeholt werden. Bereits gezahlte Bußgelder werden schnellstmöglich zurücküberwiesen.