Nachrichten November 2012


GESELLSCHAFT: Selbstmord von 20-jährigem Mobbingopfer bestürzt Niederlande

Tilligte. AF/NOS/Stern/TC/VK/Welt. 08. November 2012.

Traueranzeige Tim Ribberink
Traueranzeige zum Tod von Tim Ribberink als Nachdruck in de Volkskrant, Quelle: NiederlandeNet

„Lieber Papa, liebe Mama, ich wurde mein ganzes Leben lang verspottet, getriezt und ausgeschlossen. Ihr seid fantastisch. Ich hoffe, dass ihr nicht sauer seid. Auf Wiedersehen.“ Diese drei Sätze aus dem Abschiedsbrief des 20-jährigen Tim Ribberinks – zu lesen in seiner Todesanzeige – haben in den Niederlanden eine öffentliche Diskussion um Mobbing auf dem Schulhof und im Internet ausgelöst.

Am Montag war die Traueranzeige für Tim Ribberink in der im grenznahen Enschede erscheinenden Lokalzeitung De Twentsche Courant Tubantia erschienen. Vor schwarzem Hintergrund war neben der Bekanntgabe von Tims Tod in weißer Schrift ein Foto des jungen Mannes abgebildet: Grinsend schaut er direkt in die Kamera. Dieses fröhliche Bild ist beinahe nicht zu vereinbaren mit den Worten aus Tims Abschiedsbrief, die seine Eltern mit Bedacht direkt daneben veröffentlicht haben.

Sie wollen auf das Problem Mobbing aufmerksam machen. Zusätzlich zu der bestürzenden Traueranzeige, die viele Reaktionen im Internet und in den niederländischen Medien auslöste, gaben Tims Eltern gestern auf einer eigens einberufenen Pressekonferenz eine Presseerklärung ab. Darin heißt es: „Indem wir den Brief von Tim veröffentlicht haben, hoffen wir, dass das Problem Mobbing wirklich angegangen wird. Wir wollen, dass Selbstmord, vor allem aufgrund von Mobbing, nicht länger tabuisiert wird. […] Wir wollen Tim nun in aller Ruhe gedenken und hoffen, dass die Medien die gesellschaftliche Debatte weitertragen. Wir hoffen, dass die Täter, ob sie sich nun in Tilligte befinden oder anderswo, über die Konsequenzen ihres Verhaltens nachdenken.“

Vorgelesen wurde die Presseerklärung von Trauerbegleiter und Pastor Marinus van den Berg. Er rief das Kabinett dazu auf, die bereits angekündigten Pläne zur Mobbingbekämpfung an Schulen schnell umzusetzen. „Die Eltern hoffen, dass eine Debatte in Gang kommt, die hilft zu verhindern, dass noch mehr Kinder und Jugendliche Mobbingopfer werden“, so Van den Berg.

Tim Ribberink hatte während und auch noch nach seiner Schulzeit vor allem mit Cybermobbing zu kämpfen. Tims Peiniger nutzten selbst die Restaurant-Bewertungs-Plattform Dinner Judge dafür, ihn zu schikanieren. Bei den Bewertungen des Eissalons Happy Days, bei dem Tim jobbte, wurde Tim als „Loser“ und „Homo“ beschimpft. Bereits im September dieses Jahres hatte der sogenannte Facebook-Mord die niederländische Gesellschaft vor die Frage gestellt, wie Mobbing unter die Jugendlichen und die Rolle der sozialen Medien zu bewerten und zu behandeln ist (NiederlandeNet berichtete).