Nachrichten Mai 2012


AUSZEICHNUNG: Ayaan Hirsi Ali mit Axel-Springer-Ehrenpreis bedacht

Berlin. TM/axelspringer.de/BZ/Elsevier/HA/NOS/Welt Online. 11. Mai 2012.

Am gestrigen Donnerstag bekam die bekannte niederländische Islamkritikerin, Buchautorin und ehemalige Politikerin Ayaan Hirsi Ali im Axel-Springer-Haus in Berlin den Axel-Springer-Ehrenpreis überreicht. Die Preisübergabe fand vor rund 400 geladenen Gästen aus Medien, Kultur und Politik und im Rahmen der 21. Verleihung des Axel-Springer-Preises für junge Journalistinnen und Journalisten statt. Der Ehrenpreis, der anlässlich des 100. Geburtstages des 1985 verstorbenen deutschen Journalisten und Verlegers Axel Springer verliehen wurde, war mit 25.000 Euro dotiert und wurde von der Springer-Witwe Friede Springer gestiftet. Die Laudatio hielt der niederländische Schriftsteller Leon de Winter.

Laut der Veranstalter kam die 42-jährigen Publizistin und Islamkritikerin Hirsi Ali aufgrund ihres besonders couragierten Engagements als Preisträgerin in Betracht. Sie wurde ausgezeichnet für ihre der Freiheit verpflichtete Haltung als Frauenrechtlerin und Islamkritikerin sowie „für ihren Mut, eine unangepasste Meinung zu äußern, auch wenn dies mit persönlichen Risiken verbunden ist“, so die Veranstalter. Wie der Direktor der Axel Springer Akademie, Marc Thomas Spahl, ergänzte, soll die Preisträgerin „jungen Journalisten mehr als ein Vorbild sein, soll sie daran erinnern, dass sich ihr Einsatz lohnt und sie etwas bewegen können“. Der Preis sollte ein Zeichen für die Meinungs- und Pressefreiheit setzen und junge Journalistinnen und Journalisten dazu ermutigen, ihre eigene Meinung standhaft zu vertreten.

Dankesrede

Ayaan Hirsi Ali wandte sich in ihrer Dankesrede an die „‚Anwälte des Schweigens‘ [denen sie] ihre Philippika entgegenschleuderte“, so das Hamburger Abendblatt. Man soll der Freiheit endlich ins Gesicht sehen und begreifen, dass der Islam mit der liberalen Gesellschaft, wie sie sich im Gefolge der Aufklärung herausgebildet habe, nicht vereinbar ist. Hirsi Ali, die seit ihrer Arbeit als Drehbuchautorin an dem Film „Submission“ (engl. für Unterdrückung) des 2004 ermordeten Filmemachers Theo van Gogh regelmäßig mit dem Tod bedroht wird, betonte in ihrer hoch politischen Rede die Wichtigkeit der freien Meinungsäußerung und sagte, dass die Menschen ihre Freiheit verlieren würden, wenn sie schweigen. Sie sei froh darüber, so Hirsi Ali weiter, dass zuletzt mehrere europäische Regierungschefs das Ende des Multikulturalismus verkündet hätten.

In einem Radiointerview mit dem niederländischen Nachrichtensender NOS bezeichnete Ayaan Hirsi Ali die Integration von radikalen Moslems „noch immer als eines der größten Probleme Europas“. Es habe sich wohl viel verändert, aber in Ländern wie etwa Deutschland sei dieses Thema noch stets tabu, konstatierte die Preisträgerin. Dies hänge ihrer Meinung nach vor allem der der deutschen Vergangenheit zusammen: „Menschen die sagen, lasst uns hier nicht drüber sprechen, verweisen stets auf den zweiten Weltkrieg, auf die Situation von Juden, Homosexuellen, etc. Und wenn man diese Dinge zur Diskussion bringt, werden echte Fremdenhasser da Missbrauch von machen. In Ländern, die dieses Problem wie etwa Dänemark öffentlich diskutiert haben, geht es mit der Integration besser als anderswo. Und auch in den Niederlanden hat der Einsatz von Geert Wilders, Pim Fortuyn oder etwa dem liberalen Frits Bolkestein dazu geführt, dass es nicht zu Gewaltausbrüchen gegen die islamitische Minderheit kommt.“

Laudatio von Leon de Winter

Als Gastredner hielt am Donnerstag kein geringerer als der niederländische Schriftsteller Leon de Winter die Laudatio auf die Preisträgerin. Er würdigte Ayaan Hirsi Ali darin für ihren Einsatz und ihre Sicht auf die Welt: „Ich kenne Ayaan Hirsi Ali nun zehn Jahre. In dieser Zeit ist aus einem unbekannten, neugierigen Mädchen eine weltberühmte Aktivistin geworden. Es hat sich viel verändert in ihrem Leben, aber sie ist noch immer die Beobachterin, die sich nie zufrieden gibt, mit der Oberfläche oder dem Klischee von etwas, das Menschen als wahr bezeichnen. Sie denkt die Dinge bis zum Ende“, so De Winter in seiner Rede.

Der auch in Deutschland sehr erfolgreiche Buchautor erzählte weiter von seiner Erinnerung an eine niederländische Talkshow, nach dessen unmittelbarem Ende Ayaan Hirsi Ali, die dort aufgetreten war, mit dem Tod bedroht wurde: „Der Weg, den Ayaan hinter sich hat, ist enorm lang. Sie war in ihrer Kindheit in Kenia eine Fundamentalistin, wie sie selbst sagt. Ihre Grundeinstellungen unterschieden sich nicht wesentlich von denen eines Osama bin Laden. Und doch machte sie eines Tages im Jahr 2002 in einer niederländischen Talkshow bekannt, dass sie sich selbst nicht mehr als Muslima bezeichne. Aus einer radikalen Gläubigen war eine Freiheitskämpferin geworden. […] Sie erkannte nicht mehr die Macht des Mannes, des Meisters, des Gläubigen an. […] Sie sagte, was sie dachte, und das war: Der Islam sei eine rückständige Religion, zumindest zurückgeblieben.“ Nach Ansicht De Winters stelle Ayaan Hirsi Ali jedoch für niemanden eine Bedrohung dar: „Sie ist nicht bewaffnet, sie will niemanden töten. Trotzdem gibt es Millionen Menschen, die sie hassen und die für immer zum Schweigen bringen wollen. Denn sie schreibt und spricht mit einem vollkommen unabhängigen Geist.“

Ayaan Hirsi Ali

Die heute 42-Jährige Ayaan Hirsi Ali kann bereits jetzt auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Geboren wurde sie am 13. November 1969 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu als Tochter eines Oppositionspolitikers. Kurz vor ihrer anstehenden Zwangsverheiratung floh sie jedoch in die Niederlande, studierte dort Politikwissenschaften und engagierte sich politisch. Von 2003 bis zum Jahr 2006 saß sie etwa für die niederländische liberale Partei VVD im Parlament. Sie betätigte sich ferner als Autorin für Bücher (etwa: „Ich klage an: Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen“) und Drehbücher (etwa: „Submission“ von Theo van Gogh). Seit dem Mord an dem Filmemacher Van Gogh war Hirsi Ali aufgrund von Morddrohungen an ihre Person bis Mitte Januar 2005 unter anderem in den USA untergetaucht. Seit 2006 hat sie ihren festen Wohnsitz dorthin verlagert, ist mit dem britischen Autor und Moderator Niall Ferguson verheiratet, hat eine Sohn und arbeitet für den rechtskonservativen Denktank American Enterprise Institute in Washington D.C.

Mehr über die Person Ayaan Hirsi Ali erfahren Sie in unserem Personen A-Z.

Auszüge aus der Laudatio von Leon de Winter können bei der Berliner Zeitung nachgelesen werden.