Nachrichten Mai 2012


POLITIK: 10. Jahrestag des Mordes an Pim Fortuyn

Den Haag. AF/tvgids.nl/prodemos.nl/rijksoverheid.nl/VK/Welt Online. 04. Mai 2012.

Am 6. Mai dieses Jahres jährt sich die Ermordung Pim Fortuyns zum zehnten Mal. Welche Bedeutung der Mord an dem  homosexuellen, islamkritischen Politiker noch heute in den Niederlanden hat, zeigen neben der Vielzahl von Kommentaren in den überregionalen Tageszeitungen, die Sondersendungen im niederländischen Fernsehen sowie die im Vorfeld erschienenen Publikationen.

Am 6. Mai 2002 wurde Pim Fortuyn in Hilversum von dem radikalen Tierschützer Volkert de Graaf erschossen. Der erste politische Mord in den Niederlanden seit über 400 Jahren schockierte die Öffentlichkeit und führte zu massenhaften Solidaritätsbekundungen. Seine Wahl zum „größten Niederländer aller Zeiten“ durch eine telefonische Abstimmung im Fernsehen im November 2004 war ein Ausdruck dieser Stimmung und der Rolle Fortuyns als Provokateur des Establishments.

Das zehnjährige Jubiläum seines Todestages wird von den niederländischen Fernsehsendern zum Anlass für verschiedene Sendungen über den Politiker genutzt. Bereits am 6. März strahlte der Sender Nederland 2 die Dokumentation „Der Tag and dem Pim Fortuyn gewann“ aus, um an Fortuyns Sieg bei den Gemeinderatswahlen in Rotterdam 2002 zu erinnern. Auch die politische Talkshow Pauw & Witteman widmete an diesem Tag ihre Senezeit dem Politiker. Nederland 3 schickte den Neffen Pim Fortuyns, Edwin Fortuyn, ganze vier Wochen durch die Niederlande, auf der Suche nach den vielen Gesichtern seines Onkels. Und HollandDoc 24 wird am Todestag eine Dokumentation mit dem Titel „Der Messias, eine Sicht auf Pim Fortuyn“ senden.

Rotterdam wird einen Platz nach Fortuyn benennen und seiner mit zwei Schweigeminuten gedenken; die parteiunabhängige Organisation ProDemos organisiert am 6. Mai ein Pim-Fortuyn-Symposium, um sich „mit seiner Bedeutung zu beschäftigen“ und die Kommentatoren der Tageszeitung de Volkskrant streiten seit Anfang Mai darüber, ob Pim Fortuyn, beziehungsweise der „schockierende Mord“ an ihm, ein Bruch in der niederländischen Politik war.

„Er sprach vor allem Bürger an, die das Interesse und den Glauben an die Politik verloren hatten. Das machte er, indem er Themen auf die Tagesordnung setzte, welche die etablierten Parteien bis dahin ignoriert hatten: Gentrifizierung, Sicherheit, Immigration […] Jetzt, zehn Jahre später zeigt sich, wie vorausschauend Fortuyn bereits damals war. Sicherheit und Immigration stehen inzwischen ganz oben auf der politischen Agenda und seine Art, Politik zu machen, sozusagen „die Rotterdamer Herangehensweise“ ist inzwischen beinahe überall zu finden“, so Sicherheits- und Justizminister Ivo Opstelten (VVD) am 18. April 2012 als ihm bei einer Präsentation das Buch „Zehn Jahre ohne Pim“ überreicht wurde. Joost Eerdmans und Martijn van Winkelhof, Ex-Parteigenossen von Fortuyn, befragen darin prominente Niederländer über die politische Bedeutung Pim Fortuyns. Diese scheint zehn Jahre nach seinem Tod größer denn je.

Mehr über Pim Fortuyn erfahren Sie hier und in unserem Dossier „Das Phantom Fortuyn“