Nachrichten März 2012


Anne Frank-Haus: Ausstellung über Flucht der Familie Frank aus Deutschland

Amsterdam. RH/Anne Frank-Haus/ED/Focus/HP. 27. März 2012.

Vergangenen Montag  wurde eine neue Ausstellung mit dem Titel „Misschien trekken we nog verder“ (dt. „Vielleicht ziehen wir noch weiter“) im Anne Frank Haus in Amsterdam eröffnet. Sie beschreibt die Flucht der Familie Frank aus Deutschland in die Niederlande. Neben der Familie Frank rückt die Ausstellung auch zwei weitere jüdische Familien ins Zentrum des Interesses, die im berühmten Hinterhaus an der Prinsengracht 263 untergetaucht waren. Die Überlebende des Holocausts und Stieftochter Otto Franks, Eva Schloss-Geiringer, eröffnete die Ausstellung.

Zu diesem Anlass erzählt die 82-Jährige von ihrem eigenen Leben in Amsterdam, nachdem sie 1938 mit ihren Eltern und ihrem Bruder aus Österreich geflüchtet war. Ihr Vater und Bruder überlebten das Martyrium nicht. Evas Mutter heiratete Jahre später Otto Frank, den Vater Anne Franks. Schloss-Geiringer berichtet heute regelmäßig in Bildungseinrichtungen über ihre Erlebnisse im Holocaust. Sie ist zudem Mitgründerin des Anne Frank Trust in Großbritannien. Für ihren Einsatz zeichnete die Universität von Northumbria Eva Schloss 2001 mit der Ehrendoktorwürde aus.

1933 war die Familie Frank aus Deutschland in die Niederlande geflüchtet. Im Jahr 1942 tauchten sie mit zwei anderen jüdischen Familien im Hinterhaus in Amsterdam unter, wo Anne ihr berühmtes Tagebuch verfasste. In einem Brief an eine Freundin schrieb Annes Mutter Edith am 24. Dezember 1937: „Vielleicht ziehen wir auch weiter.“ Der ursprüngliche Plan der Familie war es, weiter nach Großbritannien, in die Vereinigten Staaten oder Kuba zu ziehen. Die zwei anderen Familien, die sich im Hinterhaus vor den Nazis versteckten, wollten ebenfalls weiterziehen. Familie Van Pels hatte geplant jenseits des Atlantiks, also in Amerika, Zuflucht zu suchen und Familie Pfeffer wollte gleich ans andere Ende der Welt, nach Australien. Alle Pläne scheiterten jedoch. Bereits zwei Jahre später wurden sie verraten und in verschiedene Konzentrationslager gebracht. Anne starb im März 1945 kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen an Typhus. Ihr Vater Otto Frank überlebte der einziger der Familien den Holocaust.

Die Ausstellung zeigt Fotos, Briefe und andere ausgewählte Dokumente der missglückten Versuche der jüdischen Familien, fernab des Terrors ein friedliches Leben führen zu können. Die Ausstellung, die noch bis zum 15. September stattfindet, erzählt am Schicksal der Familie Frank die Geschichte von 410.000 Juden, die zwischen 1933 und 1941 aus Deutschland und Österreich Geflüchtet waren. Zehntausende emigrierten in die Niederlande, für viele war es aber nur eine Zwischenstation.

Weitere Informationen zur neuen Ausstellung im Anne Frank-Haus finden Sie hier.

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