Nachrichten März 2012


FRAUENTAG: „101 Years of Sisterhood“

Niederlande. AF/8maartamsterdam.nl/8maartfestival.nl/KH/RUG/VK/womeninc.nl. 08. März 2012.

Der 8. März wird weltweit als Internationaler Frauentag gefeiert. Auch in den Niederlanden organisieren verschiedene Frauenverbände heute Konferenzen, Workshops, Demonstrationen, Filmabende oder Festivals. Von Groningen bis Maastricht – überall im Land stehen heute die Frauen im Mittelpunkt – dabei forderte die Journalistin Jessica de Jong gestern noch polemisch die Abschaffung des Frauentages in den Niederlanden.

Bereits seit dem 1. März feiern die Frauen in Den Haag das 8maart-Festival (8. März-Festival). Höhe- und Endpunkt der Festivalwoche bildet das Super Netwerk Buffet heute Mittag, an dessem Ende der Kartini-Preis – ein jährlicher Emanzipationspreis der Gemeinde Den Haag verliehen wird. Jede Person, Gruppe oder Firma, die einen positiven Beitrag zur Gleichstellung von Männern und Frauen in Den Haag geliefert hat, kann den Preis gewinnen. Nominiert sind dieses Jahr Fatma Kaya, Haimanot Belay und Mulki Hassan Mohamed.

Ein weiterer Preis, der in den Niederlanden jedes Jahr am 8. März verliehen wird, ist der Aletta Jacobs-Preis der Rijksuniversiteit Groningen. Dieser geht an eine Akademikerin, die eine entscheidende Rolle in der Emanzipation der Frau spielt und damit eine Vorbildfunktion für andere Frauen innehat. Dieses Jahr erhält den Preis, der nach der niederländischen Frauenrechtlerin Aletta Jacobs benannt wurde, die ehemalige Gesundheitsministerin Els Borst (D66) für die nuancierte Art und Weise mit der sie ethische Fragen in der Medizin in der öffentlichen Debatte behandelt hat. Unter ihrer Ägide wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Sterbehilfe unter bestimmten Bedingungen nicht mehr unter Strafe stellt.

Auch Prinzessin Máxima und Außenminister Rosenthal feiern den Frauentag

Vor dem eigentlichen Frauentag, nämlich schon am 6. März, hatte Prinzessin Máxima den Startschuss für das neue landesweite Projekt der Plattform Women Inc. gegeben, das bildungsferne Frauen in die Erwerbstätigkeit helfen soll. Wie Untersuchungen des Bildungsministeriums ergeben haben, haben in den Niederlanden rund eine Millionen Frauen mit geringer Bildung keinen Job und empfangen auch keine Sozialhilfe. Mit dem Projekt De tafel van één möchte Women Inc. zusammen mit dem Bildungsministerium, verschiedenen Gemeinden und lokalen Organisationen die Chancen zur ökonomischen Selbständigkeit für diese Frauen erhöhen.

Dem Thema ökonomische Selbständigkeit von Frauen widmet auch das 8. März-Komitee Amsterdam unter anderem den für heute geplanten Frauen-Fackelzug vom Dam zum Weteringcircuit. Zudem soll mit der Demonstration auch auf die steigende Armut in den Niederlanden, die schwierige Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie (sexuelle) Diskriminierung hingewiesen werden. Weiterhin ruft das Komitee zur internationalen Frauensolidarität auf. „Unser Problem ist ein weltweites, also ist unser Kampf auch ein weltweiter“, heißt es im Flyer.

Im Zeichen weltweiter Solidarität stand auch das Treffen des Außenministers Uri Rosenthal (VVD), der sich gestern im niederländischen Informations- und Forschungszentrum für Gender, Familie und Diversität E-Quality, mit arabisch-stämmigen Frauen und Männern aus den Niederlanden traf, um über mögliche Strategien zur politischen Partizipation von Frauen in arabischen Ländern zu sprechen.

Unpolitisch und nicht-aktivistisch hingegen erklärt sich das heute Abend stattfindende Festival Women in Paradise. Zum siebten Mal findet es im berühmten Konzert- und Veranstaltungssaal Paradiso in Amsterdam unter dem Motto „101 Years of Sisterhood“ statt. Für Musik sorgen neben den Bands Mama DC und Bumba Amsterdam die Sängerin Kirsten Schneider sowie die Sopranistin Laura Stavinoha.

Frauentag abschaffen?

Die einzige, die querschießt, schien gestern Journalistin Jessica de Jong zu sein. In der Tageszeitung de Volkskrant forderte sie: Schafft den Frauentag morgen ab! In ihrem provokant gemeinten Artikel hieß es: „Vielleicht ist es Zeit, den Internationalen Frauentag abzuschaffen. Hundert Jahre nachdem in den Niederlanden der erste Frauentag […] gefeiert wurde, hat kein einziges europäisches Land so wenige Frauen in Führungspositionen. So lange Frauen nicht auf dem höchsten Niveau in unserer Gesellschaft mitmischen, gibt es keinen Grund zur Freude.“ Auf ihrer Twitter-Account erklärte sie: „Mein Artikel soll provozieren, ein wake-up call. Kommt schon, lasst uns das Problem ein für allemal lösen und dann groß feiern!“

In ihrem Buch Vrouwen zijn gelijk aan mannen – behalve in de directiekamer (dt.: Frauen sind den Männern gleichgestellt – außer im Direktionszimmer), das bereits März 2011 erschien, schreibt De Jong über das strukturelle Problem der „gläsernen Decke“, an die Frauen im Laufe ihrer Karriere stießen, weshalb ihnen die höchsten Positionen verwehrt blieben.

Doch Änderungen sind in Sicht. 2010 hat die Regierung eine Frauenquote eingeführt, wonach bis zum Jahr 2016 rund 30 Prozent der Vorstandsmitglieder großer Firmen weiblich sein sollen. Noch ist man hiervon weit entfernt, doch erst im Februar dieses Jahres kamen zwei neue Managerinnen in niederländischen Großunternehmen hinzu (NiederlandeNet berichtete). Wenn das kein Grund zum Feiern ist!