Nachrichten März 2012


KULTUR: Rückgabe von NS-Beutekunst in Leipzig

Leipzig. RH/DW/NRC/VK. 06. März 2012.

Die Niederlande haben am vergangenen Sonntag sechs Gemälde zurückerhalten, die vermutlich während des zweiten Weltkrieges von den Nazis aus den jüdisch-niederländischen Kunstsammlungen von Jacques Goudstikker und Nathan Katz entwendet wurden. Vertreter beider Staaten unterzeichneten eine Vereinbarung zur Rückgabe der niederländischen Werke aus dem 17. Jahrhundert. Die Kunstwerke wurden Marnix Krop, dem niederländischen Botschafter in Deutschland im Museum für Bildende Künste in Leipzig überreicht.

Die Rückgabe erfolgt laut Auswärtigem Amt gemäß der Washingtoner Prinzipien. Darin bekennen sich die Staaten zu dem Grundsatz, dass alle Anstrengungen unternommen werden sollen, um vom NS-Regime bis 1945 geraubtes Kulturgut an die Erben zurückzugeben.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert in deutschem Besitz, sind die Werke nun wieder in niederländischer Hand. Ihre Rückkehr ist in erster Linie von symbolischer Bedeutung, da der finanzielle und kunsthistorische Wert der Werke wahrscheinlich relativ gering ist. „Die sechs Gemälde erinnern uns schmerzlich an das Unglück, das viele Niederländer während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg erlitten haben“, sagte Uwe Heye vom Auswärtigen Amt. Mit der Rückgabe nach mehr als 60 Jahren wird nun ein Stück Unrecht wieder gutgemacht, erläutert der niederländische Botschafter Marnix Krop.

Bei den geraubten Werken handelt es sich um Malereien der Künstler Hendrick Gerritszoon Pot („Bärtiger Trinker“), Dominicus van Tol („Junge mit Hund“), Pieter van der Croos („Landschaft am Meer“) und Philips Wouwerman („Zwei Männer mit Pferd am Strand“), sowie zwei Gemälde der Künstler Jan Steen und Gerard Dou. Die Echtheit der Bilder der Werke von Steen und Dou ist jedoch nicht bewiesen. Über die Herkunft der Werke bestehen einige Zweifel.

In Leipzig waren die Gemälde offenbar im Besitz des ostdeutschen Unternehmers und Kunstsammlers Alfred Kummerlé, der vermutlich als Offizier der Wehrmacht zwischen 1940 und 1945 in den besetzten Niederlanden stationiert war. Der führende nationalsozialistische Politiker Hermann Göring hatte die Kunstwerke über den deutschen Bankier Alois Miedl an Kummerlé verkauft. Über die Preise und Umstände wie es zu diesem Verkauf kam, ist jedoch wenig bekannt. Kummerlé verstarb im Jahr 1949 und seine Kunstsammlung befand sich nach seinem Tod im Besitz der ostdeutschen Regierung, die die Sammlung 1954 im Leipziger Museum für Bildende Künste unterbrachte. Die Kunstwerke stammen allesamt aus der Ausstellung "Die schönsten Holländer in Leipzig".

Nun sind die Werke aus Leipzig im Besitz des niederländischen Staatsdienstes für kulturelles Erbgut. Über mögliche Erben der Werke wird zurzeit in den Niederlanden in einer sogenannten Vergütungskommission verhandelt. Neben den sechs Gemälden würden auch Rückgabeansprüche für 26 weitere Bilder der Sammlung Kummerlé geprüft. Botschafter Krop betonte, dass die Niederlande bereits 1945 erfolglos Rückgabeansprüche gestellt hätten. Schließlich habe das Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen nach eingehender Prüfung im Juli 2011 der Rückgabe der sechs Gemälde zugestimmt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Deutschland den Niederländern „geraubte Kunst“ zurückgibt. Direkt nach dem Krieg wurden tausende Kunstschätze in ihr Heimatland zurückgebracht. Im Jahr 1986 wurden 33 Zeichnungen aus der Kunstsammlung von Franz Koenigs zurück in die Niederlande gebracht.