Nachrichten Juni 2012


EURO 2012: Countdown für den Fußballklassiker Niederlande-Deutschland

Charkow. AF/BNR/FTD/SZ/OFM/Telegraaf/Zeit. 12. Juni 2012.

Mit Spannung wird das morgen Abend stattfindende Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die niederländische Elftal erwartet. Nachdem die Niederländer ihr erstes Gruppenspiel gegen Dänemark verloren haben, müssen sie morgen unbedingt gewinnen. Und wie immer, wenn die deutsche gegen die niederländische Mannschaft spielt, geht es nicht nur um die sportliche Rivalität zweier starker Nationalteams, sondern auch um „Rache am Erzrivalen“.

Im November des vergangenen Jahres trafen die beiden Nationalmannschaften das letzte Mal aufeinander (NiederlandeNet berichtete). Deutschland gewann damals mit 3:0. Mark van Bommel, Kapitän des niederländischen Teams, prophezeite nach der Niederlage, dass man es den Deutschen heimzahlen werde. Und welche Situation eigne sich hierfür besser als das Gruppenspiel im Rahmen der Europameisterschaft?!

„Es geht um alles oder nichts“

Chancen sehen die niederländischen Sportjournalisten für ihr Nationalteam in der deutschen Verteidigung: „Es gibt Möglichkeiten, Löcher in die deutsche Abwehrkette zu reißen. Dafür muss über die Flügel gespielt werden.“ Allerdings spiele die deutsche Mannschaft unter Löw so niederländisch – Viel Druck nach vorne, schnell, angriffslustig, Kombinationsfußball – dass man sich in den Niederlanden ernsthafte Sorgen macht, ob ein Sieg oder ein Unentschieden gegen Deutschland überhaupt drin ist. Verschiedene Zeitungen versuchen ihr Publikum zu beruhigen, selbst bei einer Niederlage gegen Deutschland sei ein Weiterkommen noch möglich. Dann nämlich, wenn Portugal Dänemark besiegt und die Niederlande wiederum Portugal.

Heiß her geht es auch in der Debatte um den niederländischen Sturm. Soll Klaas-Jan Huntelaar oder Robin van Persie gegen Deutschland stürmen? Für Robin van Persie spricht derzeit eigentlich nur noch die Statistik, doch der niederländische Nationaltrainer Bert van Marwijck stärkte van Persie nach dem glücklosen Spiel gegen Dänemark den Rücken: „Er hat anständig gespielt.“

Auch wenn der wieder einsatzfähige Abwehrspieler Joris Mathijsen erklärte, bessere Voraussetzungen für den Fußballklassiker Niederlande gegen Deutschland gäbe es nicht – „Es geht um alles oder nichts, schöner geht’s eigentlich gar nicht!“ – ist die Stimmung in der niederländischen Presse eher pessimistisch. „Deutschland riecht Blut. Die ‚Mannschaft‘ von Bundestrainer Joachim Löw kann am Mittwoch im zweiten EM-Gruppenspiel Oranje in den Abgrund stoßen“, so die niederländische Boulevardzeitung De Telegraaf gestern. Dass der Joachim Löw selbst es lieber gesehen hätte, wenn die Niederländer gegen die Dänen gewonnen hätten, wird nur am Rande erwähnt. „Jetzt stehen die Niederlande mit dem Rücken zur Wand, es geht um alles oder nichts. Das macht dieses Spiel noch ein Stück explosiver“, so Löw.

Versöhnung im Fußballkrieg?

Als Ausgangspunkt für den „Fußballkrieg“ zwischen den Deutschen und den Niederländern wird das Finale der Weltmeisterschaft 1974 in München genannt. Damals gewannen die Deutschen 2:1 gegen die Niederlande und wurden Weltmeister, dabei hatten die Niederländer den „schöneren“ Fußball gespielt. Das Spiel ging in die niederländischen Fußballanalen als das „WM-Trauma von München“ ein. Als die Niederländer dann 1988 im Halbfinale der Europameisterschaft im Hamburger Volksparkstadion auf die deutsche Mannschaft trafen, revanchierten sie sich. Sie gewannen 2:1 gegen die Deutschen, erreichten damit das EM-Finale und besiegten dort die Sowjetunion. Doch noch wichtiger als der Europameister-Titel schien das gewonnene Spiel gegen die Deutschen. Historiker sprachen damals von einer „zweiten Befreiung nach 1945, dem Sieg von David gegen Goliath“.

Inzwischen sehen beide Seiten die Fußballrivalität allerdings weniger verbissen. Ablesen lässt sich dies unter anderem an mehreren humorigen Reklamen anläßlich der Euro 2012, welche die Erzfeindschaft der Teams zum Inhalt haben. Während die Werbeabteilung von McDonalds-Niederlande zurzeit drei junge Niederländer die deutsche Botschaft orangefarben anstreichen lassen, gewinnt im deutschen Werbespot der Fastfoodkette der deutsche Fanbus die Wettfahrt gegen die niederländischen Gegner, indem er auf den Rastplatz ausweicht. Dort wird natürlich als Belohnung natürlich der EM-Burger gegessen. Mercedes-Benz-Niederlande hat hingegen eine „ Charme-Offensive“ gestartet und verlost „das Beste was Deutschland zu bieten hat“ für das Spiel morgen Abend: Elf hübsche deutsche Frauen im Fußballtrikot, versorgen die Gewinner der Verlosung mit Bier und Bratwürsten während diese das Spiel auf einer großen Leinwand ansehen können.

Ebenfalls ein Zeichen für die Verbundenheit der beiden Länder trotz Fußballrivalität setzen die Einwohner der Grenzstädtchen Dinxperlo und Süderwick, die morgen Abend auf dem mit deutschen und niederländischen Flaggen dekorierten Marktplatz von Dinxperlo das Spiel gemeinsam anschauen wollen.